Konzentrierte Solarenergie (CSP, Concentrated Solar Power) ist eine erneuerbare Energietechnologie, bei der die Strahlungsenergie der Sonne genutzt wird, um ein Wärmeträgermedium auf Temperaturen von über 700 °C zu erhitzen. CSP ist eine der wenigen nachhaltigen Alternativen, die das Potenzial haben, fossile Prozesse zu ersetzen, wie sie derzeit in Industrien mit hohem Wärmebedarf zum Einsatz kommen. Der Solarabsorber ist eine der Schlüsselkomponenten, die die Gesamteffizienz eines CSP-basierten Prozesses massgeblich beeinflussen. Ein Wärmeträgermedium, das gasförmig, flüssig oder fest sein kann, wird durch den mit Sonnenlicht bestrahlten Absorber geleitet, wobei es sich erwärmt.
Im Rahmen des Projekts REVERSO wurde ein indirekt bestrahlter Partikel-Solarabsorber entwickelt und untersucht, bei dem keramische Partikel als Wärmeträgermedium eingesetzt werden. Die keramischen Partikel werden dem Absorber zugeführt, wobei ihre Fallgeschwindigkeit durch einen gegenläufigen Luftstrom gezielt verringert wird. Die Möglichkeit, die Fallgeschwindigkeit der Partikel zu variieren, erlaubt es, deren Verweilzeit im Absorber gezielt zu beeinflussen, was wiederum einen direkten Einfluss auf die Auslasstemperatur der Partikel hat. Die Verweilzeit der Partikel stellt einen wichtigen Regelparameter dar, insbesondere im Zusammenhang mit chemischen Reaktionen oder zur Anpassung an eine schwankende Energiezufuhr, etwa durch Wolken oder den Tageszyklus der Sonne. Bereits existierende Partikelabsorber verfügen entweder nicht über die Möglichkeit, die Verweilzeit der Partikel zu regeln, oder sie sind konstruktiv sehr komplex und verbrauchen im Betrieb nicht vernachlässigbare Energiemengen.
Im Verlauf des Projekts wurde der Absorber im Labormassstab konstruiert, gefertigt und hinsichtlich seiner Strömungs- sowie Wärmeübertragungseigenschaften untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass der Absorber sicher betrieben werden kann und dass der Luftstrom die gemittelte Auslasstemperatur der Partikel, die thermische Effizienz sowie den lokalen Wärmeübergangskoeffizienten zwischen Wand und Partikeln erhöht. Bisher konnten Temperaturen von bis zu 795 °C mit einer thermischen Effizienz von 31 % erreicht werden. Es wird angenommen, dass eine hochskalierte Version des Absorbers Partikeltemperaturen von über 1000 °C liefern kann. Messungen des Geschwindigkeitsfeldes der Partikel bei Raumtemperatur zeigten, dass die Fallgeschwindigkeit der Partikel in Abhängigkeit von der zugeführten Luftmenge abnimmt. Um besser zu verstehen, inwieweit der Luftstrom als Regelparameter für die Verweilzeit der Partikel im Absorber genutzt werden kann, sind weitere Untersuchungen bei höheren Temperaturen erforderlich. Eine Simulation des neuartigen Absorbers wird derzeit entwickelt und zukünftig mit den experimentellen Daten verglichen. Diese Simulation kann dazu beitragen, das Design der nächsten Generation des Partikelabsorbers weiter zu optimieren. Das Projekt REVERSO konnte zeigen, dass das neue Absorber-Konzept sicher betrieben werden kann und hat den Nachweis erbracht, dass der Luftstrom die thermische Leistungsfähigkeit des Absorbers signifikant verbessert.
Für die Fortsetzung der Arbeiten am Partikelabsorber ist es entscheidend, Partikelauslasstemperaturen von 1000 °C zu erreichen und gleichzeitig thermische Wirkungsgrade von über 50 % nachzuweisen. Eine hochskalierte Version des Absorbers ist eine Möglichkeit, den Nachteil des derzeit sehr hohen Oberflächen-Volumen-Verhältnisses zu verringern. Es könnte jedoch auch sinnvoll sein, das Design so anzupassen, dass eine direkte Bestrahlung der Partikel möglich wird und der Wärmeübergangswiderstand zwischen Rohrwand und Partikeln entfällt.