Der Fokus dieser Studie lag auf der Auswertung von Versicherungsdaten im Zusammenhang mit koordinierter Ver-sorgung. Insbesondere sollte die Studie Indizien liefern, welche leistungsintensiven Patientengruppen bestehen, durch welche Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sich diese charakterisieren lassen und ob ein allfälliger Koordinationsbedarf abgeleitet werden kann.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Patientengruppen mit Krankheiten, die die höchsten Gesamtausgaben pro Jahr verursachen, haben oft mehrere Krankheiten und nehmen überdurchschnittlich viele verschiedene Gesundheitsleistungen in Anspruch. Beispielsweise sind Patienten mit psychischen Erkrankungen häufig zusätzlich aufgrund kardiovaskulärer Probleme in Behandlung, haben rheumatische Beschwerden und benötigen Medikamente gegen Schmerzen. Die Gruppe der multimorbiden älteren Patienten geht zu überdurchschnittlich vielen verschieden Ärzten (Grundversorger und Spezialisten), ist häufiger in Konsultation und sucht häufiger ein Spitalambulatorium auf als ältere Patienten, die nicht multimorbid sind. Patienten, die im letzten Halbjahr vor dem Tod Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, weisen vergleichsweise lange Spitalaufenthalte auf.
Die 391 Sozialhilfebezüger der Stadt Bern, die bei der Helsana versichert sind, benötigen mehr Gesundheitsleistungen (1.2 zusätzliche Anzahl Arzt-Konsultationen, 1.7 zusätzliche Wirkstoffe), haben eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit hospitalisiert zu werden und verursachen durchschnittlich 1‘700 CHF höhere Kosten pro Jahr als die übrigen Helsana-Versicherten der Stadt Bern.
Ein Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass nebst Managed-Care Modellen mit Budgetverantwortung bereits Telemedizinmodelle dazu führen, dass weniger lange und weniger unnötige Leistungen erbracht werden als bei Versicherten im Standardmodell.
Bezüglich Behandlungsqualität und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bestehen messbare Unterschiede zwischen den Sprachregionen: Im Tessin und in der Genferseeregion werden deutlich häufiger Benzodiazepine, Antibiotika und potenziell inadäquate Medikationen verschrieben als in der Deutschschweiz. Allfällige Rückschlüsse auf Koordinationsdefizite lassen die Datenauswertungen nicht zu.