Schweizer Zigaretten können bei der Herstellung bis zu 25% Zusatzstoffe zugesetzt werden, welche möglicherweise die Abhängigkeit fördern und die Schädlichkeit der Zigaretten erhöhen. Ziel dieser Arbeit war es, die verwendeten Zusatzstoffe zu identifizieren und die Wirkung hinsichtlich ihrer toxikologischen und die Abhängigkeit fördernder Effekte auszuwerten.
Es wurden 32 Schweizer Zigarettensorten, vier Marken aus bis zu 8 verschiedenen Herkunftsländern, fünf Rohtabake sowie eine zusatzstofffreie Referenzzigarette analysiert. Unter Verwendung der kombinierten Methode der Festphasenmikoextraktion und der Gaschromatographie - Massenspektrometrie (HS-SPME / GC-MS) konnte eine Methode für hoch- und mittelflüchtige Substanzen entwickelt werden, mit der insgesamt 48 verschiedene Substanzen identifiziert wurden, darunter Aromastoffe, Konservierungsmittel und Lösungsmittel.
Die Quantifizierung einiger dieser Substanzen ergab u.a. erhöhte Konzentrationen an Menthol in Nichtmenthol-Zigaretten (0,02-13,3 µg/g), 2-Ethyl-1-hexanol (0,06-12 µg/g), und Benzylalkohol (6,6-40,8 µg/g), welche durch Zusatz erreicht wurden. Menthol ist problematisch, da es den Nikotinabbau verzögert und im Atemtrakt das Inhalieren angenehmer erscheinen lassen kann. Nikotin und seine Begleitalkaloide (z.B. Nornikotin, Anabasin, Anatabin) wurden mittels HS-SPME / GC-MS in 32 Schweizer Zigaretten und 20 deutschen Zigaretten quantifiziert. Die Konzentrationen, die für Nikotin (13,1-27,7 mg/g) und seine Begleitalkaloide in Zigaretten ermittelt wurden, sprechen nicht für einen Zusatz von Alkaloiden zu Zigaretten.
Es ist bekannt, dass basische Substanzen als Zusatz benutzt werden, um den Tabakrauch zu alkalisieren und damit die Menge an frei verfügbarem Nikotin zu erhöhen. Deshalb wurden die Zigaretten auf Ammoniak und Harnstoff mittels einer ammoniakselektiven
Elektrode untersucht. Als Ergebnis wurden 0,11-3,7 mg/g Ammoniak und 0,01-0,37 mg/g Harnstoff in Zigaretten bestimmt. Ein Zusatz von Ammoniumsalzen zu Zigaretten gilt oberhalb einer Konzentration von 1 mg/g als wahrscheinlich. Ein Zusatz von Harnstoff zu den untersuchten Zigaretten konnte nicht nachgewiesen werden. Nach Auswertung der Literatur bezüglich toxischer Effekte von Zigarettenzusatzstoffen folgt, dass die Zusatzstoffe selbst sowie deren Pyrolyseprodukte die schädliche Wirkung von Zigaretten verstärken.
Im Ergebnis wird festgehalten, dass durch die verbreitete Mentholzugabe und die erhöhte Ammoniumkonzentration die Rauchinhalation und das Abhängigkeitspotential der Zigarette beeinflusst werden. Weitere Untersuchungen sollten unternommen und die dabei ermittelten Konzentrationen sollten auf der Basis festzulegender Grenzwerte bewertet werden.
Ergänzung 2009:
Im zweiten Teil der Studie (publiziert 2009, siehe unten) wurden zusätzliche Rohtabake untersucht, um zusätzliche Vergleichsdaten für Zigaretten mit Zusätzen zu erhalten. Es wurden auch neue Methoden für den Nachweis der bei den meisten Zigaretten verwendeten komplexen Zusatzstoffgemische wie Kakao, Lakritz und Pfefferminzöl entwickelt.