Abstract
(German)
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Problemstellung Nachhaltigkeitsindikatoren werden als Schlüsselinstrumente der Politik auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung anerkannt. Ihre Anwendung ist jedoch nicht ohne Probleme. Wie können sie eingesetzt werden, um die Entscheidungsfindung effektiv zu beeinflussen? Das Projekt konzentriert sich auf den Einsatz lokaler Nachhaltigkeitsindikatoren auf städtischer Ebene, die Entscheide für eine nachhaltige Stadtentwicklung fördern sollen. Wie sich das in Bezug auf die Wirksamkeit von Indikatoren als Politikinstrument verhält, ist eine Schlüsselfrage städtischer Politik und Verwaltung ebenso wie für Fragen der Umweltpolitik. Aus schwergewichtig sozialwissenschaftlicher Sicht sind Indikatoren für uns keine 'von aussen' stammende Inputs in Entscheidungsprozesse; wir berücksichtigen viel mehr, auf der Basis empirischer Erkenntnis, die Wechselwirkung zwischen Indikatorenimplementation und fachlich/politischen Entscheidungen in ihrer Komplexität. Der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit lag, unter dem Eindruck der Zwischenresultate (nach der Auswertung der ersten Fallstudie), auf dem Kontext, in dem jede Indikatorenanwendung steht. Wissenschaftliche Ziele und Methodik In den vier Städten London (Southwark), Le Grand Lyon, Wien und Winterthur wurden die Anwendung von Sets lokaler Nachhaltigkeitsindikatoren in unterschiedlichen Anwendungsgebieten analysiert. Daraus wurden Chancen und Hindernisse identifiziert, die mithelfen bzw. verhindern können, dass solche Indikatoren tatsächlichen Einfluss auf Entscheidungen auf kommunaler Ebene haben. Das Projekt war transdisziplinär angelegt: In jedem Land gab es eine Forschungspartnerschaft, zusammengesetzt aus einer Stadt und einer Forschungseinheit. Diese Partner haben zunächst eine gemeinsame methodologische Basis erarbeitet und in jeder Gemeinde die Sets von Nachhaltigkeitsindikatoren untersucht. Danach wurden die Auswirkungen solcher Indikatoren auf Entscheidungsprozesse erforscht. Dazu wurde in jeder Gemeinde eine ausgewählte Fallstudie herangezogen, auf die der gemeinsame analytische Rahmen angewandt wurde. Pastille soll zu Verbesserungen in städtischen Verwaltungen führen, indem es die Effizienz lokaler Nachhaltigkeitsindikatoren-Sets erhöht. Als Resultat wird, neben dem wissenschaftlichen Bericht, ein ‚Practitioners Guide' herausgegeben, der unter anderem einen Test enthält, mit dem lokale Behörden die Praktikabilität ihrer Indikatorensets prüfen können. Endergebnisse Die Auswertung der Fallstudien in den vier Städten zeigte eine breite (kontextabhängige) Palette von Themen, die mit der Anwendung von Nachhaltigkeitsindikatorensets verbunden sind; sie bilden das Gerüst des wissenschaftlichen Schlussberichts ‚Indicators into Action': - Die Rolle institutioneller Arrangemente bezüglich Entscheidungsfindung, inkl. Abgrenzungsproblematik und Mechanismen für Zusammenarbeit (Stichwort New Public Management) - Konflikte und Vertrauensbildung zwischen Akteurgruppen und der Einfluss auf die Legitimation von Entscheidungsfindung; Einfluss der Beziehungen zwischen Akteuren auf den Gebrauch der policy tools - Indikatorensets als formelles und informelles Wissen: Generieren und Definition von Wissen über Nachhaltigkeit; die Rollen von Experten und Laien in diesem Kontext; Experten-Laien-Kommunikation; Art der Bezüge zwischen verschiedenen Wissensformen und Einfluss auf die Entscheidungsfindung - Räumliche und zeitliche Dimensionen von Indikatorensets und der Bedarf für weitere Forschungstätigkeit in diesem Feld Die Gewichtung der einzelnen Themen in den vier Städten ist unterschiedlich, was die These bestärkt, dass die Kontextabhängigkeit bei der Anwendung von Indikatorensets zentral ist. So etwas wie ein 'Rezeptbuch' für Indikatorenbildung und -einsatz verfassen zu wollen, schien uns daher nicht möglich, was gewissen herkömmlichen Ansätzen in der Indikatorenforschung widerspricht. Der Practitioners Guide ist daher eher als Hilfe beim Prozess als beim Produkt (Indikatorenset) nützlich. PASTILLE konnte auch den Nutzen von Human Inquiry Research (auch: Action Research oder Transdisciplinary Research) bestätigen. Die Beziehungen zwischen den beteiligten Städteteams und den Forschungsteams erwiesen sich als dynamisch und interaktiv. Gegenseitige iterative Lernprozesse fanden statt und sorgten für eine gewisse Praxisrelevanz der Untersuchungen.
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