Abstract
(Deutsch)
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In dem Projekt werden Grundlagen erarbeitet, um eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung im Alpenraum zu fördern und unter den Alpenländern abzustimmen. Das vorrangige Ziel ist die Entwicklung von regional angepassten Leitlinien für eine ökonomisch tragfähige Landnutzung, die Ressourcen schont, Biodiversität erhält und fördert und das Landschaftsbild pflegt. Das Projekt gliedert sich in folgende Abschnitte (Tasks): 1. Analyse von internationalen und nationalen politischen Dokumenten zur Erarbeitung eines mehrstufigen Zielsystems für eine nachhaltige Landnutzung. 2. Test des Zielsystems im gesamten Alpenraum mittels Fallstudien in jeweils einer ausgewählten Untersuchungsregion in den Ländern Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien sowie Schweiz. 3. Ausarbeitung von Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft, einerseits aus dem Blickwinkel der Forschenden, andererseits aus dem Blickwinkel der lokalen Bevölkerung. 4. Berechnen von Szenarien für repräsentative Modellbetriebe mittels Linearer Programmierung, um konkret zu erwartende ökonomische Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen zu bewerten. 5. Erstellen einer Synthese, in welche die Ergebnisse aller Fallstudien einfliessen. Ableiten von Empfehlungen für eine nachhaltigere landwirtschaftlichen Landnutzung im Alpenraum. Der zu Projektstart durchgeführte Vergleich politischer Dokumente der Schweiz mit jenen der EU-Alpenstaaten hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele zeigte nur geringe Differenzen. Aufbauend auf den existierenden politischen Nachhaltigkeitszielen wurden vom internationalen Wissenschaftlerteam Indikatoren zur Messung von Nachhaltigkeit definiert. Für jeden Indikator wurden Limite bzw. Zielgrössen für einen nachhaltigen Zustand national festgelegt. Das FiBL trug insbesondere zur Definition der Kriterien, zur Bewertung der vorhandenen Datengrundlagen und zur Gewichtung jedes Einzelkriteriums massgeblich bei. Als schweizerisches Fallstudien-Gebiet für das Projekt wurde aufgrund vorgegebener regionaler Strukturkriterien das Glarner Hinterland-Sernftal ausgewählt. In der Region wurden naturräumliche und sozio-ökonomische Analysen durchgeführt. Die bestehenden 250 landwirtschaftlichen Betriebe der Region wurden zu sechs repräsentativen Betriebstypen zusammengefasst. Zu jedem Betriebstyp wurden 2-3 repräsentative Betriebe in der Region empirisch untersucht. Die dabei durchgeführte Analyse für jeden Betriebstypen sollte einen Überblick über die wirtschaftliche Ertragskraft, die Art der Bewirtschaftung, die ökologische Qualität der genutzten Flächen sowie allgemein über die betriebstypenspezifischen Stärken und Schwächen geben. Aus den ermittelten Daten und Informationen wurden in einem späteren Schritt repräsentative Modellbetriebe aufgebaut. Die Modellbetriebe wurden verschiedenen Szenarien unterworfen. Hierbei wurden einerseits die ökonomische Zukunftsfähigkeit der Betriebstypen bis zum Jahr 2007 und andererseits verschiedene Möglichkeiten einer stärker an Nachhaltigkeitsaspekten ausgerichteten Landwirtschaft simuliert. Neben der wissenschaftlichen Arbeit wurde im Untersuchungsgebiet eine lokale Projektarbeitsgruppe, bestehend aus 8 LandwirtInnen und 8 NichtlandwirtInnen, gebildet. In drei Arbeitssitzungen im Frühjahr 1999 und drei Sitzungen im Frühjahr 2000 wurden durch die Gruppe unter Anleitung des FiBL-Teams Nachhaltigkeitskriterien und jeweilige Zielgrössen bzw. Grenzwerte aus der Sicht der regional Betroffenen erarbeitet. Die Ergebnisse repräsentieren die Vorstellungen über eine nachhaltige Landwirtschaft aus der Sicht der regionalen Bevölkerung und wurden bei der Entwicklung der Szenarien in besonderer Weise berücksichtigt. Als Ergebnis der Ist-Analyse zur Nachhaltigkeit in der Region wird festgestellt, dass die Betriebe aufgrund der relativ geringen landwirtschaftlichen Einkommen pro genutzter Fläche und Arbeitskraft (hohe Arbeitsbelastung und wenig Mechanisierungsmöglichkeiten der Flächennutzung aufgrund eines sehr hohen Anteils an Steillagen) einen grossen Anteil des Familieneinkommens im Schnitt ausserhalb der Landwirtschaft erzielen müssen. Die Betriebe sind meist sehr klein in Bezug auf Fläche und Milchkontingent und bieten wenig Entwicklungsmöglichkeiten über ein externes Betriebswachstum. Der Strukturwandel verlief in den letzten Jahren gebremst. Die hohe Arbeitsbelastung (geringe Freizeit) der Bäuerinnen und Bauern, gekoppelt mit den geringen landwirtschaftlichen Einkommen, bedingt ein hohes soziales Konfliktpotential in den bäuerlichen Familien. In der Summe aller betrachteten ökologischen Aspekte wird der Region heute ein insgesamt positives Zeugnis der Nachhaltigkeit ausgestellt. Partielle Abstriche in der Beurteilung müssen jedoch in Bezug auf die häufige Übernutzung von hofnahen Flächen (Überdüngung) und die Aufgabe von wirtschaftlich wenig attraktiven Grenzstandorten (Vergandungsgefahr) gemacht werden. Als Ergebnis der Szenarienberechnung kann festgehalten werden, dass unter der Prämisse stabiler Direktzahlungen zukünftig vor allem Milchviehbetriebe mit deutlichen Einbussen beim Gesamtdeckungsbeitrag/landwirtschaftlichem Einkommen rechnen müssen, da ihr ökonomischer Ertrag weniger stark von Direktzahlungen getragen wird als z.B. bei Bergbetrieben mit Mutterkuh- oder Schafhaltung. Besonders für Milchviehbetriebe, die in der Region vorherrschende Betriebsform, besteht somit ein starker Anpassungsbedarf. Besonders die Umstellung der Betriebe im Berggebiet auf den biologischen Landbau führt nicht nur zu einer ökologisch nachhaltigeren Situation, sie führt, wie die Berechnungen zeigen, auch zu einer deutlichen Erhöhung des Deckungsbeitrages für die untersuchten Modellbetriebe. Die Ergebnisse der Szenarien verdeutlichen zudem, dass aufgrund der existierenden Direktzahlungsprogramme sowie der Marktpreise in der Schweiz für Labelprodukte eine erfolgsversprechende Anpassungsstrategie in der Umstellung der Betriebe von einer intensiven Milchproduktion hin zu einer extensiven, Landschaftsschutzaspekte integrierenden Fleischerzeugung (Weidemast, Mutterkuhhaltung) liegen könnte. Aufbauend auf den Ergebnissen vorheriger Arbeitsschritte wurde unter gemeinsamer Federführung des FiBL sowie der französischen Projektleitung eine Synthese über den gegenwärtigen und zukünftig angestrebten Stand einer nachhaltigen Landwirtschaft in den fünf Fallstudienregionen erarbeitet. Wichtigste Grundaussage ist, dass nur ein aktives Anpassen der Bergbauern an die sich verändernden politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Anforderungen eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft im Alpengebiet sichern kann. In der Schweiz wurden durch die Agrarpolitik AP 2002 dabei die wichtigsten Weichenstellungen schon vorgenommen. Es bedarf hier lediglich leichter Justierungen in der Gewichtung von Direktzahlungsarten sowie einer stärkeren Bindung bestimmter Transferzahlungen an definierte Leistungen und Ergebnisse der landwirtschaftlichen Produktion. Zukünftig wird sich im Berggebiet weniger eine intensive Produktion von Nahrungsmitteln als vielmehr eine an Aspekten der Biodiversität und Landschaftsästhetik ausgerichteten Bewirtschaftungsform durchsetzen, wenn sich die Produzenten ökologisch bewusst und ökonomisch rational verhalten. Daneben wird die Qualitätsproduktion für überregionale Labelprogramme oder regionale Spezialitätenprogramme an Bedeutung gewinnen.
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