Die Studie zeigt erstens ein Sichtbarkeits- und Orientierungsproblem. Innosuisse ist bei vielen befragten KMU nur begrenzt bekannt. Die allgemeine Bekanntheit liegt bei 3,5 von 6, bei Unternehmen ohne bisherige Gesuchstellung sogar nur bei 2,4. Viele KMU kennen zudem nur ein einzelnes Förderinstrument. Informationen gelangen meist über Forschungspartner zu den Unternehmen; die Webseite wird als allgemeine Informationsquelle nur selten aktiv genutzt. Gleichzeitig wird Innosuisse von einem guten Teil der befragten KMU als professionell und zuverlässig wahrgenommen, teilweise aber auch als bürokratisch und eher auf grössere oder forschungsnähere Unternehmen ausgerichtet. Aus Sicht der Unterstützung von KMU deutet dies darauf hin, dass weniger ein grundsätzliches Akzeptanzproblem besteht als vielmehr ein Defizit bei Sichtbarkeit, direkter Ansprache und niederschwelliger Orientierung. Gerade KMU ohne bisherigen Kontakt mit Innosuisse benötigen frühzeitig eine einfache und persönliche Einschätzung, ob eine Förderung für sie überhaupt in Frage kommt.
Zweitens zeigt die Studie ein Zugangsproblem. Die Innovationsprojekte werden von den befragten KMU grundsätzlich als nützlich und wertvoll beurteilt. Sie entlasten F&E-Kosten und können gerade bei risikoreicheren Vorhaben den Ausschlag geben, dass ein Projekt überhaupt realisiert wird. Förderbedingungen, Evaluationskriterien und der Förderablauf werden im Grundsatz positiv beurteilt. Gleichzeitig nennen die KMU den Aufwand für die Gesuchstellung, fehlende personelle und finanzielle Ressourcen sowie die Abhängigkeit vom Forschungspartner als zentrale Hürden. Besonders kleinere KMU empfinden Cash-Beitrag und Eigenleistungen als belastend. Vor diesem Hintergrund verweist die Studie auch darauf, dass für bestimmte KMU eine spezifische direkte Förderung geprüft werden sollte, insbesondere für kleinere Unternehmen mit eher inkrementellen Innovationsvorhaben. Eine solche Förderung wäre weniger als Alternative zu den bestehenden Innovationsprojekten zu verstehen, sondern als gezielte Ergänzung für KMU, für die die heutigen Anforderungen eine hohe Einstiegshürde darstellen. Viele wünschen sich deshalb einen niederschwelligen ersten Zugang und eine einfache Einschätzung, ob ein Vorhaben für eine Förderung überhaupt in Frage kommt. Dazu gehört aus Sicht der Studie eine persönliche, rasche und möglichst unbürokratische Orientierung in einer frühen Phase; das Innovationsmentoring kann hierfür als Ausgangspunkt dienen, ist jedoch noch zu wenig bekannt.
Drittens zeigt die Studie ein Wahrnehmungs- und Passungsproblem. Innovation hat für die befragten KMU eine hohe strategische Bedeutung; der Mittelwert liegt bei 4,9 von 6. Gleichzeitig dominieren inkrementelle Innovationen, während radikalere Vorhaben mit höheren Kosten und Risiken verbunden sind. Mehrere KMU nehmen Innosuisse jedoch eher als Förderagentur für radikalere, technologisch oder naturwissenschaftlich geprägte oder grössere Innovationsvorhaben wahr. Umgekehrt wird Innosuisse von vielen befragten KMU nicht als naheliegendes Förderangebot für inkrementelle Innovationen, für Dienstleistungs-, Prozess- oder Verfahrensinnovationen oder für soziale beziehungsweise sozialwissenschaftliche Innovationen gesehen. Dadurch prüfen gewisse KMU eine Gesuchseingabe gar nicht erst, obwohl grundsätzlich Interesse an einer Förderung bestehen könnte. Zudem wird deutlich, dass nach einem erfolgreichen Projektabschluss insbesondere Markteintritt, Skalierung, Marketing und Finanzierung für viele KMU anspruchsvoll bleiben. Für die Unterstützung der KMU bedeutet dies, dass nicht nur die Sichtbarkeit von Innosuisse verbessert, sondern auch die Passung und Breite des Angebots klarer vermittelt werden müssen.
Viertens zeigt die Studie, dass auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unterstützung der KMU mitgedacht werden können. Konjunkturlage, globale Unsicherheiten und handelspolitische Belastungen wie die während der Interviews geltenden US-Zölle wirken je nach Unternehmen unterschiedlich: Für einen Teil der KMU sind sie ein zusätzlicher Anreiz, Innovationen voranzutreiben, für einen anderen Teil führen sie zu Sparmassnahmen und einer zurückhaltenderen Innovationstätigkeit. Konkurrenz wird hingegen einhellig als Innovationsmotor wahrgenommen. Für Innosuisse bedeutet dies, dass die Unterstützung von KMU nicht nur sichtbar, zugänglich und passend sein muss, sondern dass gerade in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit ein gezielter Unterstützungsbedarf bestehen kann.
Die Studie leitet aus den Befunden sieben Empfehlungen ab, die sich aus Sicht der KMU-Unterstützung zu drei Stossrichtungen bündeln lassen.
Erstens soll die Sichtbarkeit von Innosuisse als Institution und des Förderangebots gezielt erhöht werden. Dies betrifft insbesondere KMU mit inkrementellen Innovationen sowie Unternehmen ausserhalb der technisch-naturwissenschaftlichen Branchen. Dafür empfiehlt die Studie, stärker auf persönliche Kommunikation und auf die Ansprache über Unternehmensnetzwerke wie Verbände, Interessengruppen und regionale Netzwerke zu setzen. Ergänzend braucht es eine zielgruppenspezifische Kommunikation, um insbesondere eher forschungsferne KMU besser zu erreichen. Zudem soll die Bereitschaft von KMU, ihre Projekte sichtbarer zu machen, gezielt für eine zielgruppenspezifische Kommunikation genutzt werden.
Zweitens empfiehlt die Studie, den Zugang für KMU mit wenig oder keinem Vorwissen über Innosuisse niederschwelliger zu gestalten. Geprüft werden soll eine individuelle, persönliche, rasche und möglichst unbürokratische Beratung für KMU, die Innosuisse und sein Angebot noch kaum kennen. Das Innovationsmentoring kann hierfür als Ausgangspunkt dienen, ist gemäss Studie aber selbst noch zu wenig bekannt. Gleichzeitig spricht sich die Studie nicht für eine grundlegende Änderung der Förderbedingungen und Evaluationskriterien aus; diese sind im Grundsatz beizubehalten.
Drittens regt die Studie punktuelle Weiterentwicklungen des Angebots an. So soll geprüft werden, ob eine spezifische direkte Förderung für bestimmte KMU sinnvoll wäre. Darüber hinaus empfiehlt die Studie, Unterstützungen von Innosuisse im Zusammenhang mit innovativen Ausgründungen näher zu prüfen. Insgesamt spricht die Studie damit für eine gezielte Weiterentwicklung der Unterstützung von KMU, nicht aber für eine grundlegende Neuausrichtung der Förderlogik.