Als Massnahmen für die Klimaanpassung sollen in Zukunft Schwammstadt-Elemente auch im Strassenraum eingesetzt werden. Es ist aber noch sehr wenig bekannt, wie weit diese Elemente und insbesondere Baumrigolen als bekannteste Schwammstadt-Elemente die im Strassenabwasser enthaltenen Schadstoffe zurückhalten und so allenfalls das Grundwasser verschmutzt wird. Es geht dabei um Schwermetalle und Mikroverunreinigungen, die v.a. aus dem Reifenabrieb stammen und eine relevante Toxizität und Mobilität aufweisen.
Auch die vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) getesteten Adsorber-Anlagen wurden noch nicht im realen Strassenraum getestet. Dafür sollen bei der Sanierung im Kreisverkehr „Orbühl” in Winterthur fünf verschiedene Schwammstadtelemente im Realeinsatz mit mittel bis hoch belastetem Strassenabwasser getestet werden. Neben dem Zürcher Baumgrubensubstrat (1) für gering bis mittel belastetes Strassenabwasser zugelassen, werden ein neu entwickeltes Winterthurer Baum- (2) und ein neues Staudensubstrat (3) eingebaut und bepflanzt. Zudem kommen zwei technische Adsorberanlagen zum Einsatz: das Rainclean-Rinnensystem von Funke für höchste VSA-Anforderung bezüglich GUS, Schwermetalle und Mikroverunreinigungen (4) sowie ein neuentwickeltes Adsorbersystem von ACO für Entwässerungsrinnen im Schwammstadtbereich. Der stoffliche Wirkungsgrad wird während 18 Monaten mit einem Bodenfilter als Referenz (6) überwacht und beurteilt und unter Berücksichtigung der entsprechenden Laborresultate verglichen.
Die bauliche Umsetzung bleibt über das Projekt hinaus bestehen. So kann später auch das Langzeitverhalten beobachtet werden. Sämtliche Ergebnisse sollen schrittweise publiziert bzw. zugänglich gemacht werden. Planungsempfehlungen sollen die gewässerschutzrechtlichen Beurteilungen und für die Praxis Hinweise zu baulichen und betrieblichen Limitierungen bzw. Optimierungspotenzialen im Bau und Unterhalt geben. Neben diesen Resultaten werden fünf im Strassenabwasser relevante Mikroverunreinigungen (6PPD-Quinon (N-(1,3-Dimethylbutyl)-N′-phenyl-p-phenylendiamin), DPG (1,3-Diphenylguanidin), HMMM (Hexa(methoxymethyl)melamin), BZT (Benzothiazol), MBT (2-Mer-captobenzothiazol) erfasst, verglichen und deren Verhalten beurteilt. Für TPPD (N-Phenyl-N'-tolyl-p-phenylendiamin) wird abgeschätzt, ob der Stoff relevant ist und ebenfalls untersucht wird.
Das UMTEC (Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik) der OST leitet das Projekt und führt das Monitoring durch. Die verantwortlichen Abteilungen der Stadt Winterthur haben das Projekt initiiert und in enger Zusammenarbeit mit der OST geplant. Sie unterstützen es auch in der konkreten Umsetzung. Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL des Kantons Zürich übernimmt das analytische Monitoring der Schwermetalle, Mikroverunreinigungen und einiger Basisparameter analytisch. Die Firmen Funke und ACO als Anbieter der Adsorber-Anlagen begleiten das Projekt ebenfalls.