Das Pilotprojekt ThunLogIQ untersuchte, wie ein digitales, agentenbasiertes Abbild der Thuner Innenstadt für die Bewertung nachhaltiger Stadtlogistik-Konzepte eingesetzt werden kann. Hintergrund ist der im Aktionsplan zur Klimastrategie verankerte Auftrag, das Stadtzentrum mittelfristig von der Durchfahrt fossil betriebener Liefer- und Lastwagen zu befreien und die Güterumschlagzeiten zu optimieren. Bisher fehlte eine datenbasierte Grundlage, um Logistikkonzepte konsistent zu vergleichen und ihre Auswirkungen auf Verkehrsfluss, CO2-Emissionen, Kosten und Versorgungsqualität quantitativ zu bewerten. Das Projekt liefert neue Einblicke und einen breiten Variantenfächer. Die Methodik ist direkt auf andere Regionen übertragbar. Methodisch verbindet das Projekt drei Bausteine: ein iteratives Stakeholder-Vorgehen mit drei Workshops und drei Abstimmungsterminen mit der Stadt Thun; eine Datenerhebung mit einer Befragung von 28 der 133 Innenstadt-Betriebe (Beantwortungsrate 21%) sowie einer Verkehrszählung mit über 1620 Beobachtungen; den Aufbau eines digitalen Abbilds im Flock Shepherd, der Simulations- und Analyseplattform der Flock Labs AG, mit modularen Systemelementen (Strassennetz, Flotte, Lieferungen, Verkehr, Messwerte). Auf dieser Grundlage wurden Szenarien zu Feinverteilung, Antriebsarten und Lieferzeitfenstern entwickelt und vergleichend ausgewertet. Die Auswertung gliederte sich in drei Schwerpunkte. Erkenntnisse zur Lebensqualität zeigen, dass eine Bündelung der Feinverteilung über vorgelagerte Umschlagpunkte die Anzahl Logistikfahrzeuge sowie die direkten CO2-Emissionen um bis zu einem Drittel reduzieren könnte. Erkenntnisse zur zeitlichen Nutzung weisen darauf hin, dass gebündelte Lieferfenster weitgehend lieferverkehrsfreie Hauptbesucherzeiten ermöglichen könnten. Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit machen sichtbar, dass eine Umstellung auf emissionsarme Antriebe oder alternative Fahrzeuge auf der letzten Meile die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus stark reduzieren würde. Insgesamt zeigen die Szenarien Wege, wie Emissions- und Verkehrsbelastung unabhängig voneinander reduziert werden könnten, wobei sich zugleich Folgen für Lieferzeiten und Kosten ergeben, die für eine Entscheidung sorgfältig untersucht werden sollten.