Die Anpassungsfähigkeit von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt an den Klimawandel ist ein prioritäres Handlungsfeld des BAFU. Durch den Klimawandel mehren sich sowohl Trockenperioden als auch Starkniederschläge. In Trockenperioden steigt die stoffliche Belastung der Gewässer, da die Einträge von Schadstoffen wie Mikroverunreinigungen oder Stickstoff aus dem kommunalen Abwasser im Gewässer weniger verdünnt werden. Bei Starkniederschlägen steigt die stoffliche Belastung der Gewässer, da die Einleitung von ungereinigtem Abwasser in Folge einer Überlastung der Kanalisation erhöht ist. Es sollen Massnahmen entwickelt und optimiert werden, damit diese zusätzliche Belastung der Gewässer möglichst gering ausfällt.
Diverse politische Vorstösse verlangen, den Eintrag von Schadstoffen in die Gewässer zu reduzieren resp. Grenzwerte für deren Einleitung festzulegen (ARA-Motionen 20.4261 und 20.4262, Mo. Maret 22.3929, Folgearbeiten zum Po. Hêche 12.3090). Zudem hat sich die Schweiz im Rahmen des Programms «Rhein 2040» verpflichtet, den Eintrag von Mikroverunreinigungen aus ARA, Landwirtschaft und Industrie und Gewerbe bis 2040 um 30% zu senken. Daher müssen die Stoffeinträge aus dem Abwasser von Siedlungen, Industrie und Gewerbe und Verkehrswegen minimiert werden. In Grundlagenstudien soll das Wissen zu Einträgen von Schadstoffen verbessert und Massnahmen gegen diese Einträge entwickelt oder optimiert werden. So, dass die Gewässer auch künftig bei Trockenheit trotz der Einleitung von Abwasser eine gute Wasserqualität aufweisen.
Bei Starkniederschläge gelangt Abwasser über die Mischwasserentlastungen ungereinigt in die Gewässer. Die Siedlungsentwässerung der Schweiz umfasst Infrastruktur mit einem Wiederbeschaffungswert von 144 Mrd. CHF. Es müssen Strategien entwickelt werden, um die Siedlungsentwässerung optimal zu bewirtschaften, so dass auch unter den künftigen klimatischen Bedingungen die Gewässer kosteneffizient vor Schadstoffeinträgen über das ungereinigte Abwasser geschützt sind. Zum einen kann dies mit der Weiterentwicklung und Umsetzung von Massnahmen nach dem Schwammstadtprinzip erfolgen. Dabei wird das Regenwasser durch Versickerung im Siedlungsgebiet zurückgehalten. Dies reduziert die Abwassermenge bei Starkniederschlägen und trägt zur Kühlung des Siedlungsgebiets bei Hitzeperioden sowie der Stärkung der Biodiversität beiträgt. Zum anderen können mit einer intelligenten Bewirtschaftung oder Anpassung der bestehenden Infrastruktur Mischwassereinträge in die Gewässer verhindert werden.