Publikation (englisch)
Innovationserhebung 2023: Innosuisse stärkt Innovationskraft von Unternehmen
Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich führt alle zwei Jahre eine gesamtschweizerische Innovationserhebung durch. Die Ergebnisse der aktuellen Studie von 2023 zeigen, dass das Innovationsumfeld für Schweizer Unternehmen immer komplexer wird und die Innovationsdynamik stagniert oder zurück geht. Bei Unternehmen, die eine Innosuisse-Förderung beantragen, ist die Innovationsstärke stärker ausgeprägt als bei vergleichbaren innovativen Unternehmen, die kein Gesuch bei Innosuisse eingereicht haben. Die Digitalisierung ist vermehrt ein Treiber von Innovationsaktivitäten, die Bedeutung von künstlicher Intelligenz wächst.
Innosuisse nimmt seit 2019 an der gesamtschweizerischen Innovationserhebung der KOF teil, um mehr über das Innovationsverhalten und das Innovationsumfeld ihrer Förderkundschaft zu erfahren. Ein weiteres Ziel ist es, ausgewählte Vergleiche mit innovativen Unternehmen, welche kein Fördergesuch bei Innosuisse eingereicht haben, ziehen zu können. Die aktuellen Erhebungen beziehen sich auf die Jahre 2021 und 2022 und erlauben auch Vergleiche mit früheren Perioden.
Befragt wurden insgesamt 6’500 Unternehmen, die zwischen 2016 und 2022 Gesuche für Innovationsprojekte und/oder Innovationsschecks bei Innosuisse eingereicht haben. Rund 1’370 Unternehmen nahmen an der Befragung teil, was einer Rücklaufquote von 21 % entspricht. Die Ergebnisse geben wertvolle Einblicke in die Art und die Veränderung der Innovationsaktivitäten sowie interessante Perspektiven auf das Innovationsumfeld.
Folgende Kernergebnisse lassen sich herausstreichen:
1. Innovationsindikatoren deuten auf stagnierende oder zum Teil rückläufige Innovationsaktivitäten hin.
Die Ergebnisse der gesamtschweizerischen Innovationserhebung der KOF zeigen, dass die F&E-Ausgaben insgesamt leicht steigen, der Anteil aller F&E-aktiven Unternehmen in der letzten Erhebungsperiode aber leicht rückläufig ist. Auch der Anteil der Unternehmen mit Produktinnovationen hat abgenommen. Im Hightech-Sektor, einem wichtigen Förderklientel von Innosuisse, stagnieren die Aufwendungen für F&E und die erzielten Umsatzanteile mit Produkten, die neu für den Markt sind (radikale Innovationen), nehmen ab. Dies kann gemäss Aussagen der Autoren auf einen sinkenden Wettbewerbsvorsprung hindeuten.
Ein ähnliches Muster lässt sich bei den Innosuisse-Unternehmen beobachten. Die F&E-Ausgaben nehmen leicht zu. Dies gilt auch für den Anteil der Umsatzanteile mit Produkten, die neu für das Unternehmen sind (inkrementelle Innovationen). Die Umsatzanteile mit radikalen Innovationen gehen hingegen zurück. Die Innovationsindikatoren, wie beispielsweise F&E- und Innovationsausgaben, Umsatzanteile innovativer Produkte oder Kostenreduktionen durch Prozessinnovationen, liegen beim Förderklientel der Innosuisse jedoch signifikant höher als bei vergleichbaren Unternehmen ohne Innosuisse-Antragsstellung
2. Der Anteil von Marktneuheiten am Umsatz liegt bei geförderten Unternehmen deutlich höher als bei innovativen Unternehmen, die keine Fördergelder beantragt haben.
Im Durchschnitt liegt der Umsatzanteil mit Produktinnovationen bei innovativen Unternehmen mit F&E-Aktivitäten, welche keine Fördergelder beantragt haben, bei 31 %, davon sind 4 % Marktneuheiten (radikale Innovationen) und 27 % Firmenneuheiten (inkrementelle Innovationen). Bei den Unternehmen mit einer bewilligten Innosuisse-Projektförderung sind diese Anteile deutlich höher: Der Umsatzanteil mit Produktinnovationen liegt bei rund 46%, davon sind 13% Marktneuheiten und 31 % Firmenneuheiten. Bemerkenswert ist der Rückgang der Marktneuheiten von 22 % im Jahr 2021 auf 13 %, was auf einen Rückgang radikaler Innovationen bei den geförderten Unternehmen hindeutet.
3. Innosuisse fördert sowohl inkrementelle als auch radikale Innovationen in einem ähnlichen Umfang.
Inkrementelle Innovationen umfassen die Weiterentwicklung oder Optimierung von Bestehendem, wie Produkten, Dienstleistungen, Prozessen oder Geschäftsmodellen. Radikale Innovationen hingegen zielen auf grundlegende Neuerungen und Veränderungen durch revolutionäre oder radikal neue Ideen und Technologien ab. 2023 bewerteten 27 % der Innosuisse-Antragsteller ihre Innovationen als «(sehr) inkrementell», während 33 % diese als «(sehr) radikal» einstuften. Der Anteil radikaler Innovationen hat zwischen 2021 und 2023 leicht abgenommen, bei inkrementellen Innovationen leicht zugenommen.
4. Rund zwei Drittel der Unternehmen berichten über einen hohen oder sehr hohen Nutzen der Innovationsförderung.
2023 bewerten 65 % der Antragsteller den Nutzen der Innovationsförderung als hoch (45 %) oder sehr hoch (20 %). 2021 lag der Anteil der Unternehmen, welche über einen hohen oder sehr hohen Nutzen berichten, mit 77 % etwas höher. Dieser rückläufige Trend lässt sich seit 2019 beobachten. Dies könnte auf eine Veränderung der Innovationslandschaft hinweisen, oder auf eine Veränderung der Bedürfnisse der Antragssteller zwischen 2019 und 2023.
5. Ein höherer Neuheitsgrad, eine grössere Komplexität, sowie der angestrebte Wissens- und Technologietransfer unterscheiden Innosuisse-Projekte von anderen Innovationsprojekten der Unternehmen.
Rund zwei Drittel der Innosuisse-Antragsteller verfolgen zusätzlich zu ihren Innosuisse-Projekten weitere Innovationsprojekte. Die Innosuisse-Förderung zielt stark auf den Wissens- und Technologietransfer ab. Die eingereichten Projekte weisen im Vergleich zu den anderen Innovationsprojekten einen höheren Neuheitsgrad auf und sind komplexer. Faktoren wie mangelndes internes Know-how, Risiken bei der Marktumsetzung und technologische Herausforderungen bringen Unternehmen dazu, ein Gesuch bei Innosuisse um Projektunterstützung zu stellen.
Die Studie zeigt auch, dass das technologische Potenzial der Innosuisse-Antragsteller deutlich höher ist als jenes der anderen Unternehmen mit F&E-Ausgaben: 63 % bewerten ihr technisches Potenzial als hoch oder sehr hoch. Dieses Potenzial umfasst sowohl technisches als auch wissenschaftliches Wissen und unterstreicht die hohe Relevanz der Zusammenarbeit mit Forschungspartnern für marktfähige Innovationen.
6. Innovationsumfeld wird für die Unternehmen komplexer.
Die Notwendigkeit zunehmend unterschiedliche Technologien und verschiedene Wissensquellen zu integrieren, die stärkere Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern sowie der stärkere Einbezug der Kundensicht bei gleichzeitig immer kürzeren Innovationszyklen machen das Innovationsumfeld für die Innosuisse-Unternehmen komplexer.
7. Digitalisierung als Treiber von Innovationsaktivitäten und wachsende Bedeutung von Technologien mit künstlicher Intelligenz.
Digitale Technologien und Geschäftsmodelle sind für rund 80 % der Innosuisse-Unternehmen von hoher bis sehr hoher Bedeutung für ihre Innovationsaktivitäten. Die grösste Herausforderung stellen der Mangel an qualifizierten Fachkräften, sowie die Marktrealisierung und Entwicklung profitabler Geschäftsmodelle dar. Die Nutzung von Systemen auf Basis künstlicher Intelligenz hat bei Innosuisse-Unternehmen von 22 % im Jahr 2019 auf 33 % im Jahr 2023 zugenommen. Bei den übrigen Unternehmen mit F&E-Ausgaben ist der Anteil deutlich geringer (2019: 8 %; 2023: 13 %).
8. Ausschluss aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 beeinflusst Innovationsaktivitäten negativ,
11% der Innosuisse-Unternehmen haben beim Europäischen Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 ein Gesuch eingereicht. 47% der Innosuisse-Antragstellenden gaben an, dass der Ausschluss der Schweiz aus Horizon Europe (sehr) negative Auswirkungen auf ihre Innovationsaktivitäten haben wird.