Seit dem Verbot der Klärschlammausbringung in der Landwirtschaft 2006 wird Klärschlamm in sogenannten zentralen Monoverbrennungsanlagen (Schlammverbrennungsanlagen), in Zementwerken oder in normalen KVA verbrannt. Seit ein paar Jahren ist die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser, Tier- und Knochenmehl in der Abfallverordnung (VVEA) gesetzlich verankert und soll innerhalb der nächsten Jahre umgesetzt werden. Das ist im Sinne der Kreislaufwirtschaft, vermindert aber auch den Eintrag von Schwermetallen in die Umwelt, v.a. Cadmium, die mit P-haltigen Handelsdüngern in die Schweiz gelangen. Schweizweit sind an drei Standorten Anlagen zur P-Rückgewinnung mit unterschiedlichen Verfahren projektiert: Phos4Life in Emmenspitz, die Anlage des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) und das Ascheleaching-Verfahren der erzo (Entsorgung Region Zofingen) AG in Oftringen basierend auf dem REALphos-Verfahren. Das REALphos-Verfahren wurde von Recycling, Entsorgung, Abwasser Luzern (REAL) entwickelt. Bei der Umsetzung dieses Verfahrens auf der erzo wird der getrocknete Klärschlamm auf einer Anlage zur Zementherstellung von Holcim verbrannt. Die Asche geht anschliessend zurück zur erzo, wo sie mit verdünnter Schwefelsäure geleacht und anschliessend gefiltert wird. Bei geeigneter Prozesssteuerung verbleiben alle Schwermetalle bis auf Kupfer in der geleachten Asche. Die mineralischen Reststoffe aus der Filtration (Asche und Filterkuchen) gehen in die Zementindustrie zurück. Im Filtrat wird das Kupfer durch sulfidische Fällung abgeschieden. Als neuer Schritt und zentrales Element sollen im vorliegenden Projekt Eisen (Fe) und Aluminium (Al) mit Hilfe eines IEX-Ionentauschers entfernt werden. Damit werden auch die Anforderungen von Agricura erfüllt, die als Vertreterin der Düngerindustrie Grenzwerte definiert hat, die für bestimmte Metalle strenger als die gesetzlichen Grenzwerte für mineralische Recyclingdünger sind. Als letzter Schritt wird die schwachkonzentrierte Produktsäure aus dem Filtrat mit einem Verdampfer aufkonzentriert und liegt dann als P-Säure vor. Diese wird an die ZAB geliefert und dort je nach Qualität zu unterschiedlichen Düngerprodukten Dünger verarbeitet. Am Standort der erzo wird eine KS-Trocknung gebaut, Holcim pilotiert den Parallelprozess.
Innovativ ist die Optimierung und Überprüfung des Gesamtprozesses im industriellen Massstab, die Einbindung der Zementindustrie, der zusätzliche Verfahrensschritt des IEX-Ionentauschers zur Fe- und Al-Ausschleusung und die Möglichkeit, unterschiedliche P-Säure- Qualitäten herzustellen. Das Team ist mit Umsetzungspartner, Technologieentwickler und Wissenschaftspartner breit aufgestellt.
Das Projekt wurde aufgrund des Beitragsgesuchs vom 05.05.2023 an der Sitzung der Koko UT vom 31.05.2023 genehmigt.