Kurzbeschreibung
(Deutsch)
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Gewässerbelastende Stoffe können mit dem Regen vom Gebäude abgeschwemmt werden und über die Kanalisation, Versickerung oder Direkteinleitung in die Umwelt gelangen. Holz gilt als ökologischer Baustoff im Gebäudebereich. Je nach Konstruktion und Umweltexposition kann das Holz über die Zeit vergrauen. Falls dies unerwünscht ist, kann diesem Prozess durch biozidhaltige Holzschutzmittel oder Holzfarben vorgebeugt werden. Die Auswaschung der darin enthaltenen Biozide wurde im Labor für acht unterschiedliche Produkte untersucht und die mögliche Gewässerbelastung mittels Modellierung abgeschätzt. Als Umgebungsmodell wurde an ein bestehendes Konzept für Putze und Dachbahnen angeknüpft.
Für die Emissionsmodellierung der Produkte wird ein Konzept benötigt, um die relevanten Biozide eines Produkts zu identifizieren. Ein solches bietet der durch die Autoren erarbeitete "Persistenz-Toxizität"-Faktor (PT-Faktor). Aus der Konzentration eines Wirkstoffs in einem Produkt, seiner Abbaubarkeit in der Umwelt und dem aquatischen Qualitätskriterium lässt sich der PT-Faktor berechnen.
Eine Marktrecherche zu Holzschutzmittel (PA 8) ergab, dass gegenwärtig IPBC, gefolgt von Propiconazol und Permethrin, die wichtigsten Wirkstoffe sind. Zu Holzfarben (PA 7) konnten keine repräsentative Marktzahlen eruiert werden.
Untersucht wurden vier zweischichtige Systeme (Grundierung und Lasur), drei einschichtige Produkte (zwei Lasuren, ein Decklack) sowie ein druckimprägniertes Produkt als Vergleich. Die Druckimprägnierung war noch mit einem Decklack versehen. Die Produkte ergänzen sich bezüglich Anwendungszweck und Wirkstoffe. Die Wirkstoffe und deren Einsatzmengen waren für alle Produkte bekannt.
Die Auswaschung der Biozide streute substanz- und produktspezifisch deutlich. Generell wurden mehr Biozide ausgewaschen, je höher die Einsatzkonzentration im Produkt war. Weiterhin war auch zu beobachten, dass in gewissen Produkten trotz höherer Einsatzkonzentration weniger Wirkstoff freigesetzt wurde als bei einem Vergleichsprodukt. Vorvergrauungslasuren sollen das Holz weniger lang schützen als Anstrichsysteme mit Grundierung und Deckanstrich. Daher sind die Emissionen zwischen ein- und zweischichtigen Beschichtungen verschieden. Die Druckimprägnierung setzt toxischere Biozide frei als die anderen Produkte, führt jedoch zu geringeren Emissionen.
Die Bewertung bezieht die Wirkung aller emittierten Biozide ein, indem eine Mischungstoxizität berechnet wird. Die Mischungstoxizität wird durch die Summe der Risikoquotienten gebildet. Wird ihr Wert grösser als 1, können schädliche Auswirkungen auf aquatische Organismen nicht ausgeschlossen werden. Die Auswertung der Risikoquotienten aus der Modellierung wird überführt in eine Bewertungsskala. Zwei mögliche Bewertungsskalen wurden geprüft, eine dreistufige und eine vierstufige.
Bei der Anwendung einer dreistufigen Bewertungsskala entspricht die Emissionsbewertung Stufe 1 der Klassierung «niedrig», Stufe 2 «mittel» und Stufe 3 «hoch». Bei einer 4-stufigen Klassierung entsprechen Stufe 1 der Klassierung «keine Abstufung», Stufe 2 der Klassierung «niedrig», Stufe 3 «mittel» und Stufe 4 «hoch». Wir empfehlen die Anwendung der dreistufigen Bewertung in der Umweltetikette der Stiftung Farbe.
Die emissionsbasierte Beurteilung erlaubt die differenzierte Einstufung von Produkten. Zusätzlich zur auf Inhaltsstoffen basierenden Bewertung erlaubt sie jedoch, stärker die Umweltwirkung zu betonen und Hinweise zur Optimierung des Wirkstoffeinsatzes zu geben. Die Resultate zeigen, dass schon heute rezepturbedingte Unterschiede in der Auswaschrate bestehen. Besser eingebundene Biozide erhöhen nicht nur die Wirksamkeit, da die Biozide länger im Produkt verbleiben, sondern reduzieren auch die Gewässerbelastungen.
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