Sorptionswärmepumpen können auf der Basis von erneuerbarer Fernwärme oder Abwärme Kälte bereitstellen und somit den Anwendungsbereich der Fernwärmenetze (FWN) erweitern sowie bestehende erneuerbare Wärmequellen besser nutzen. Andererseits können Sorptionswärmepumpen in Fernwärme-Übergabestationen auch Wärme bereitstellen bei gleichzeitiger Reduktion der Temperatur des Rücklaufs im Fernwärmenetz, dies im Vergleich zu einer Übergabestation mit Standard-Wärmetauscher. Damit wird die Effizienz des Fernwärmenetzes erhöhen. Kommerziell verfügbare Sorptionsmaschinen sind jedoch nicht auf FWN ausgelegt. Deshalb werden neue, ideal auf die Temperauren und Anwendungen in Fernwärmenetzen abgestimmt Sorptionsmaterialien entwickelt und in einen für Sorptionsmaschinen bestimmte Wärme- & Stoffübertrager eingebaut. Die Betriebsbedingungen einer Adsorptionswärmepumpe (adHP) wurden in einem Fernwärmenetz für zwei verschiedene Betriebsmodi definiert: (1) Kühlbetrieb zur Bereitstellung von Kälte für Gebäude, welche an das Fernwärmenetz angeschlossen sind, unter Verwendung von Wärme aus dem FNW und (2) FNW-Rücklauftemperaturreduktion zur Verbesserung der Effizienz des Netzes. Die ermittelten technischen und wirtschaftlichen Anforderungen bzw. Randbedingungen stellen keine grösseren Hindernisse für die Entwicklung und Anwendung der Technologie dar. Die derzeitigen Netztemperaturen sind anwendbar und die Kosten für Maschinen mit hoher Leistung (> 100 kW) sind bereits wettbewerbsfähig. Ein Workshop mit Betreibern von Fernwärmenetzen wurde im Rahmen eines 5-7-Treffens zur Absenkung der Netztemperaturen durchgeführt. Im Projekt wurde zudem ein numerisches Modell der adHP modifiziert. Das aktualisierte Modell wurde dann kalibriert und anhand experimenteller Messungen, durchgeführt im SPF-Prüfstand, validiert. Dieses validierte Modell wurde schliesslich verwendet, um die Leistung der adHP-Technologien im Rücklauftemperaturreduktionsmodus zu bestimmen. Diese ermittelte Leistung wurde wiederum mit jener von kommerziell verfügbaren adHP verglichen. Da mit der neuen Entwicklung keine Leistungsverbesserung erkennbar war, wurden die Fallstudien mit den verfügbaren Modellen durchgeführt. In einer Fallstudie zum Temperaturreduktionsmodus wurde eine aktive Unterstation zwischen einem Niedertemperatur-Unternetz und einem 90 °C-Hauptnetz eingebunden. Dabei hat das Unternetz einen Vorlauf mit 50 °C/65 °C, sowie einen Rücklauf mit 40 °C/50 °C und versorgt ein Viertel bestehend aus 33 Gebäuden (5 MW Leistung, 9 GWh*Jahr-1 Bedarf). Die Ergebnisse zeigen, dass der Einbau der Unterstation eine Reduzierung der Rücklauftemperaturen um 10 K und eine Investitionsrückzahlung von weniger als 5 und 7 Jahren ermöglicht, wobei Kostenreduktionsgradienten von 0.67 bzw. 0.51 CHF*MWh-1*K-1 berücksichtigt werden. Eine Fallstudie zur Kühlanwendung in einer Gewerbezone wurde durchgeführt, in welcher zwei Szenarien verglichen wurden: 1) Business as Usual (BAU) mit dezentralen Kompressionskältemaschinen und 2) Fernkühlung (District Cooling) unter Einbindung einer Sorptionskältemaschine, die vom Fernwärmenetz (DHN) betrieben wird. Das DC-Szenario (89.6 CHF*MWh-1) ist teurer als das BAU-Szenario (72.5 CHF*MWh-1). Dies mit höheren Investitionskosten (~21 % vs. 7.2 %) und zusätzlichen Kosten für das Kaltwassernetz. Die Kosten im BAU-Szenario werden hauptsächlich durch den Bedarf an elektrischer Energie (92.8 %) bestimmt, während das DC-Szenario eine ausgewogenere Kostenverteilung zwischen Wärme (32.8 %) und Elektrizität (42.9 %) aufweist. Dies kann die Volatilität der Energiepreise abschwächen. Die Modellierung unterstützte zudem die Sorbent-Optimierung und führte zu vielversprechenden Sorptionsmaterialien. Die Herstellung des Sorbent-Materials wurde erfolgreich hochskaliert. Für den geplanten Wärme- und Stoffaustascher (A/D HEX 2) wurden Aktivkohle-Monolithe hergestellt. Weiter wurde der im früheren SNF THRIVE Projekt entwickelte und mit Aktivkohle bestückte A/D Wärme- und Stoffaustauscher (A/D HEX 1) im erweiterten Prüfstand charakterisiert. Das Design eines Wärme- und Massentauschers der zweiten Generation (A/D HEX 2) wurde fertiggestellt (hydraulische Verteilung, Lamellen und Sorptionsmonolith-Layout) sowie mit selbst entwickelten Verfahren und Werkzeugen hergestellt. Nun zeigen jedoch die Ergebnisse der Messkampagne von A/D HEX 2 keine signifikant anderen Ergebnisse als jene zur ersten Version: um etwa 30 % geringere Leistungen im Kühlmodus und etwas bessere (+5 %) im Wärmenetzmodus. Angesichts der hohen (Sorbat) Dampfmengen, die zu Beginn eines Zyklus adsorbiert und desorbiert werden (hohe Kinetik), scheint das Sorbent-Material selbst nicht (Leistungs-) limitierend zu sein, sondern eher die Umsetzung bzw. Implementierung in die Wärme transportierenden Elemente (Limitierung durch den Wärmeübergang). Weitere Untersuchungen, wie z.B. 3D-Modellierung, um die Zahl der Versuche zu reduzieren, wären notwendig, um diese Hypothese zu bestätigen.