In dieser Arbeit wird eine umfassende Analyse des Wärmeübergangs in Wasserstofftanks während der Betankung vorgestellt. Die wichtigsten Effekte, die die Phänomene beeinflussen, sind die Kompression des Tankinhalts (Freisetzung von Wärme) und die Vermischung mit dem einströmenden (oft vorgekühlten) Wasserstoff in Kombination mit den Wärmeverlusten durch die Tankwände.
Das Seitenverhältnis des Tanks (AR=L/D) wurde als ein wichtiger Parameter ermittelt, der die Wahl des Modells beeinflusst. Bei niedrigen ARs wird der gesamte Tank durch den einströmenden Wasserstoff beeinflusst, wobei im gesamten Tank hohe Mischungsraten vorherrschen. Höhere ARs führen zu zwei unterschiedlichen Regionen im Tank, eine in der Nähe des Eingangs, die durch den einströmenden Wasserstoffstrahl beeinflusst wird, und eine zweite im restlichen Tank, die durch schwache Strömung und Durchmischung gekennzeichnet ist. Die beiden Zonen müssen unterschiedlich modelliert werden.
Auf der Grundlage detaillierter dreidimensionaler Simulationen (unter Berücksichtigung von Instationarität, Turbulenz, Kompressibilität und Auftriebseffekten) wurden volumengemittelte Wärmeübertragungsmodelle entwickelt, die auf Nusselt-Korrelationen basieren. Die Modelle wurden durch gezielte Experimente verifiziert.
Die abgeleitete und validierte Nusselt-Korrelation für den ersten Teil des Tanks berücksichtigt erzwun-gene und natürliche Konvektion und basiert auf den Reynolds- und Rayleigh-Zahlen. Die Nusselt-Korrelation für den zweiten Teil ist typisch für Rohrströmungen.
Die Auswirkungen einer Reihe weiterer Parameter des Betankungsprozesses (Dauer, Anfangstempera-tur des Wasserstoffs im Zulauf sowie im Tank und verschiedene Düsen) wurden eingehend unter-sucht.
Die Wärmeübertragungsmodelle wurden in ein Tool integriert, das den gesamten Betankungsprozess von der Tankstellen- und der Fahrzeugseite simuliert. Dieses Werkzeug, im Grunde ein „digitaler Zwilling“ einer Tankstelle für gasförmige Kraftstoffe, kann für die Analyse einer großen Anzahl von Betan-kungen bei verschiedenen Druck- und Temperaturniveaus unter Berücksichtigung einer großen Anzahl von Fahrzeug- und Tankstellenkonfigurationen verwendet werden.