ServicenavigationHauptnavigationTrailKarteikarten


Forschungsstelle
SBFI
Projektnummer
EVAL-2020-2
Projekttitel
Institutionelle Gesamtevaluation des SNF

Texte zu diesem Projekt

 DeutschFranzösischItalienischEnglisch
Schlüsselwörter
Anzeigen
-
-
-
Kurzbeschreibung
Anzeigen
-
-
-
Untersuchte staatliche Massnahme
Anzeigen
-
-
-
Gesetzliche Grundlage der Wirksamkeitsüberprüfung
Anzeigen
-
-
-
Executive summary/ Handlungsempfehlung
Anzeigen
-
-
-

Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)
Schweizerischer Nationalfonds; Evaluation Rolle und Funktion; Aufgaben; Portfolio; Förderverständnis
Kurzbeschreibung
(Deutsch)
Systemisch orientierte Evaluation zur Rolle und Funktion des SNF in dem unter dem neuen HFKG veränderten «Hochschulraum Schweiz». Der Fokus liegt auf den Aufgaben (Portfolio), der «Rolle» und dem eigenen Förderverständnis des SNF, seinen zentralen Förderinstrumenten und deren Wirkung.
Untersuchte staatliche Massnahme
(Deutsch)
Förderung des Schweizerischen Nationalfonds nach FIFG Art. 4 Bst. a Ziff. 1 und Art. 10
Gesetzliche Grundlage der Wirksamkeitsüberprüfung
(Deutsch)
FIFG Art. 44 und Art. 54
Executive summary/ Handlungsempfehlung
(Deutsch)

Wichtigste Ergebnisse

Der SNF ist die wichtigste Forschungsförderungsagentur der Schweiz. Der SNF ist als unabhängige Stiftung organisiert und mit einem vom Parlament verabschiedeten Budget ausgestattet. Der SNF hat folgende Kernaufgaben: die Evaluation und Finanzierung herausragender Forschung in allen Disziplinen, mit besonderem Fokus auf die Grundlagenforschung; die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses; die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Forschung; und die Finanzierung und Durchführung nationaler Forschungsprogramme. Bei den meisten Förderaktivitäten verfolgt der SNF einen Bottom-up-Ansatz über ein wettbewerbsorientiertes Fördermodell, das grundsätzlich allen Hochschultypen und gemeinnützigen Forschungsinstituten offensteht. Dieser Bottom-up-Ansatz stellt ein gesundes Mass an Wettbewerb sicher und fördert individuelle Kreativität. Das Schweizer BFI-System hat ausserordentlich stark von diesem Förderansatz profitiert, weil der SNF ambitionierte, bahnbrechende Forschung unterstützt, ausländische Talente anzieht und die Schweiz in das globale Forschungssystem einbindet. Dies hat massgeblich zur internationalen Spitzenstellung und zum ausgezeichneten Ruf der Schweizer Forschung beigetragen.

Der SNF gilt deshalb für das Schweizer BFI-System als unverzichtbar – eine Einschätzung, der sich der SWR vorbehaltlos und mit Nachdruck anschliesst – und ist in der Schweizer Wissenschafts- und Wirtschaftsgemeinschaft hoch angesehen. Sein ausgezeichneter Ruf, seine Quasi-Monopolstellung in der kompetitiven Forschungsförderung und seine zentrale Position im Schweizer BFI-System verleihen dem SNF eine bedeutende finanzielle und wissenschaftskulturelle Wirkung und damit eine systemprägende Rolle. So stellen beispielsweise für Hochschulen und Nachwuchsforschende die beim SNF eingeworbenen Fördermittel einen wesentlichen Leistungs- und Qualitätsindikator dar. Darüber hinaus ist der SNF in der Lage, auf Veränderungen und Krisen im Schweizer BFI-System zu reagieren, was das System grundsätzlich dynamisiert und belebt. Er ist ausserdem international sehr gut vernetzt und bringt sich bei übergreifenden, die Wissenschaftsgemeinschaft prägenden Themen stark ein. So setzt er sich beispielsweise mit verschiedenen Strategien und Instrumenten seit Langem für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft ein. Schliesslich trägt der Evaluationsprozess des SNF dazu bei, die wissenschaftliche Qualität und die Forschungskultur in der Schweiz an internationale Standards und Trends anzupassen.

Trotz diesen beachtlichen Leistungen hat die institutionelle Gesamtevaluation des SWR einige Schlüsselbereiche identifiziert, in welchen Verbesserungspotenzial besteht. Ein zentraler Punkt sind die Bestrebungen des SNF, seinen Verantwortungs- und Aufgabenbereich weiter auszubauen und eine noch stärkere systemprägende Rolle einzunehmen, was nicht unbedingt mit dem Bottom-up-Ansatz des SNF vereinbar ist. Zudem läuft der SNF Gefahr, sich zu sehr zu verzetteln und seine Kernaufgaben aus dem Blick zu verlieren, was er in seinem Selbstevaluationsbericht selbst einräumt. Deshalb empfiehlt der SWR dem SNF davon abzusehen, seinen Verantwortungs- und Aufgabenbereich weiter auszubauen und seine systemprägende Wirkung zu verstärken. Stattdessen sollte sich der SNF auf diejenigen Aufgaben und Tätigkeiten konzentrieren, die er bereits gut macht, und diese noch weiter verbessern und perfektionieren. Um den SNF bei dieser Aufgabe zu unterstützen, hat der SWR sieben Bereiche mit Verbesserungspotenzial identifiziert, die im Folgenden beschrieben werden.

Strategie ist definiert als die Formulierung und Umsetzung von Leitlinien und einer übergreifenden Vision, die es einer Organisation ermöglichen, die angestrebten Ziele mit den verfügbaren Mitteln zu erreichen. Eine Strategie sollte es ermöglichen, Prioritäten und Schwerpunkte zu setzen. Obwohl der SNF 2018 erstmalig eine Strategie ausgearbeitet hat, verfügt er bisher über keinen Mechanismus, mit dem er die Fortschritte periodisch und kritisch überprüfen könnte. Das Bestreben des SNF, seinen Verantwortungs- und Aktivitätsbereich auszubauen, zeugt zudem von einer mangelnden Berücksichtigung der bestehenden Mechanismen und Strukturen im Schweizer BFI-System. Der SWR empfiehlt dem SNF deshalb, seine Rolle im BFI-System zu überdenken und eine kohärente Strategie zu entwickeln, die seiner Vision entspricht und mit den Zielen des BFI-Systems vereinbar ist. Der SNF sollte ausserdem einen Mechanismus einrichten, mit dem er seine Fortschritte in Bezug auf die strategischen Ziele und zentrale Leistungsindikatoren überprüfen kann.

Bei der Erarbeitung seiner Strategie sollte sich der SNF auf die Stärkung seines Bottom-up-Ansatzes konzentrieren, durch den er sich besonders auszeichnet. Die Evaluationsgremien und -kriterien des SNF sind auf die Bewertung von Grundlagenforschung ausgerichtet und weniger auf angewandte Forschung, die in besonderem Masse an Fachhochschulen (FH) und Pädagogischen Hochschulen (PH) betrieben wird. Dadurch sind der ETH-Bereich und grosse kantonale Universitäten in den SNF-Förderprogrammen im Vorteil. Um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, empfiehlt der SWR, den Evaluationsprozess des SNF so auszurichten, dass der Vielfalt der verschiedenen Hochschultypen gebührend Rechnung getragen wird und dass die verschiedenen Forschungstypen und -resultate angemessen berücksichtigt werden. Der SNF sollte insbesondere seine Abstimmung mit den FHs und den PHs verbessern und deren Vertretung im Forschungsrat sowie in den Evaluationsgremien und -prozessen erhöhen.

Dem SNF fehlt es überdies an einer klaren und nachvollziehbaren Portfoliostrategie sowie an einem formellen Priorisierungsverfahren, in dem sich auch die betroffenen Anspruchsgruppen an der Festlegung der Förderprioritäten beteiligen können. Zwar weist der SNF darauf hin, dass er Stakeholder in einem konsensorientierten Austausch einbindet, aber Vertretende der Fachhochschulen bezeichnen ihren Einfluss dennoch als unbedeutend. Dies ist teilweise auch darauf zurückzuführen, dass einige Hochschulen zu wenig aktiv auf den SNF zugehen und sich in Bezug auf das Förderportfolio zu wenig engagieren. Angesichts dessen empfiehlt der SWR, dass der SNF die Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern verbessert, diese gebührend in Entscheidungsfindungsprozesse einbindet und über ein Schnittstellengremium eine Portfoliostrategie entwickelt. Der Stiftungsrat des SNF sollte die Verantwortung für diese Schnittstelle übernehmen.

Governance-Strukturen müssen transparent sein, damit Entscheidungsprozesse effektiv sind. Ein Hauptgrund für suboptimale Strategie- und Priorisierungsprozesse des SNF ist das Fehlen von transparenten Governance-Strukturen. Für den SWR ist auch nach dieser Evaluation unklar, wie der Entscheidungsfindungsprozess zwischen dem Forschungsrat, dem Stiftungsrat und der Geschäftsstelle tatsächlich abläuft. Der Forschungsrat scheint im Priorisierungsprozess eine Schlüsselrolle einzunehmen und wird deshalb allgemein als wichtigstes Organ des SNF wahrgenommen. Dennoch bleibt der Forschungsrat ein Gremium, das vornehmlich mit der Begutachtung von Fördergesuchen beschäftigt ist und deshalb einen beschränkten Einfluss auf die Gesamtstrategie des SNF hat. Dies lässt sich teilweise damit erklären, dass der Präsident des Forschungsrats nebenamtlich tätig ist und zu wenig Befugnisse hat, um viel Einfluss nehmen zu können. Zudem scheint der Stiftungsrat im Priorisierungsprozess eine marginale Rolle zu haben, denn er wird als rein formelles Gremium betrachtet, das kaum mehr tut, als an anderer Stelle getroffene Entscheidungen abzusegnen. Mit 42 Mitgliedern ist der Stiftungsrat denn auch zu gross, um effektiv zu sein. Die Geschäftsstelle verfügt zwar über eine Strategie-Abteilung, dem SNF mangelt es aber an einem hoch angesiedelten Gremium oder einer hoch angesiedelten Schnittstelle zur Strategieentwicklung.

Der SWR empfiehlt dem SNF, seine Governance-Struktur zu klären und für mehr Transparenz in allen Entscheidungsprozessen sowie bei der Ernennung von Präsidentinnen bzw. Präsidenten, Ratsmitgliedern und Mitgliedern von Evaluationsgremien zu sorgen. Zudem empfiehlt der SWR, der Präsidentin bzw. dem Präsidenten des Forschungsrats mehr Kompetenzen einzuräumen sowie den Stiftungsrat zu verkleinern und mehr in Entscheidungsfindungsprozesse einzubeziehen. Darüber hinaus sollte der SNF ein Sounding Board mit externen, internationalen Expertinnen und Experten schaffen. Dieses sollte dem Stiftungsrat Bericht erstatten, direkt verwertbare Inputs zur Strategie liefern und sicherstellen, dass die Governance mit internationalen Standards im Einklang steht.

Eine erfolgreiche Portfoliostrategie basiert auf einer gut definierten und implementierten Gesamtstrategie, einem formellen Priorisierungsprozess und einer transparenten Governance-Struktur. Der SNF verfügt derzeit über keine kohärente Portfoliostrategie und keine klaren Kriterien für die Verwaltung und Weiterentwicklung seines Förderportfolios. Die Folge ist ein breites und heterogenes Förderportfolio mit Instrumenten, die oft zu wenig flexibel und zu eng ausgelegt sind. So umfasste das Portfolio des SNF im Dezember 2021 mehr als 50 Instrumente. Ein solch breites Portfolio führt zu Unübersichtlichkeit und schmälert die Sichtbarkeit und Wirkung der einzelnen Instrumente. Es gibt mehrere Gründe, weshalb das Portfolio des SNF so breit und heterogen ist. Das Portfolio des SNF muss der schwierigen Aufgabe gerecht werden, die Bedürfnisse und Interessen aller Hochschultypen abzudecken und ein Gleichgewicht zwischen der Förderung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung zu schaffen. Ausserdem steht der Bottom-up-Ansatz des SNF im Widerspruch zu den Top-down-Aufträgen, die er vom Bund erhält. Schliesslich ist das Fehlen einer wirksamen Portfoliostrategie des SNF teilweise dem kontinuierlichen Budgetwachstum geschuldet, aufgrund dessen der SNF wenig damit konfrontiert war, strategisch Gelder zuzuteilen oder Förderentscheide begründen zu müssen.

Der SWR empfiehlt dem SNF die Erarbeitung einer Portfoliostrategie, die klar definierte Kriterien beinhaltet. Dies würde die Schaffung eines kohärenteren, stabileren und fokussierteren Portfolios erleichtern. Zudem würde es dem SNF helfen, seine Förder- und Portfolioentscheide besser zu legitimieren und zu begründen, insbesondere bei stagnierendem Budgetwachstum. Bei der Straffung seines Portfolios sollte der SNF gleichzeitig die Zulassungskriterien für die einzelnen Förderprogramme flexibler gestalten. Jedoch sind Änderungen an den Zulassungskriterien und der Ausgestaltung der Förderinstrumente immer in Absprache mit den betreffenden Anspruchsgruppen vorzunehmen. Ausserdem empfiehlt der SWR, dass das SBFI vor der Erteilung von Förderaufträgen an den SNF prüft, ob die Aufträge mit der Portfoliostrategie des SNF vereinbar sind und die Kohärenz des Portfolios nicht gefährden.

Angewandte Forschung wird an allen Hochschultypen durchgeführt und umfasst ein breites Spektrum an Disziplinen, das vom Ingenieurwesen über Bildungsforschung bis zur klinischen Forschung reicht. Der SNF hat in der Vergangenheit den Schwerpunkt auf die Förderung der Grundlagenforschung gelegt, was zu einer Unterfinanzierung der angewandten Forschung geführt hat. Seit der Gründung der FHs und der PHs, die den Fokus auf angewandte Forschung legen, ist es dem SNF nicht gelungen, zu einer Förderorganisation zu werden, die alle Forschungstypen gebührend unterstützt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass nach wie vor Finanzierungslücken in Bezug auf die Förderung der Wertschöpfungskette bestehen, die in den Zuständigkeitsbereich des SNF fallen. Zwar erleichtert das vom SNF und Innosuisse neu ins Leben gerufene und gemeinsam finanzierte Förderinstrument BRIDGE Interaktionen zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung, aber trotz ersten positiven Anzeichen zieht BRIDGE nicht genügend Anträge von Forschenden an FHs und PHs an. Dies liegt zum Teil daran, dass in BRIDGE Anträge für angewandte Forschung nicht erfolgreicher sind als solche, die den Standards der Grundlagenforschung entsprechen, was mit den Zielen des Instruments nicht im Einklang steht. Überdies reichen die für BRIDGE bereitgestellten Mittel nicht aus, um die angestrebten Ziele zu erreichen.

Der SWR empfiehlt dem SNF und Innosuisse deshalb, die finanziellen Mittel für BRIDGE aufzustocken, um die Lücke in der Wertschöpfungskette zu schliessen. Zusätzlich sollten für Forscherinnen und Forscher an FHs und PHs mehr Anreize geschaffen werden, dieses Finanzierungsinstrument häufiger in Anspruch zu nehmen. Ferner empfiehlt der SWR, dass Innosuisse die Hauptverantwortung für BRIDGE übernimmt, um das Instrument stärker auf die angewandte Forschung auszurichten. Dabei soll jedoch die organisatorische Verbindung zum SNF nicht aufgelöst werden. Generell sollte der SNF anstreben, Projektverläufe von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung zu ermöglichen, indem er Forschende informiert und motiviert, ihre Forschung in Richtung Anwendung und Umsetzung weiterzuführen.

Missionsorientierte Forschung kann als bereichs- und fächerübergreifender Ansatz mit ambitionierten, klar formulierten Zielen definiert werden, mit welcher drängende gesellschaftliche Herausforderungen angegangen werden. Gemäss seinem Selbstevaluationsbericht will der SNF mehr unternehmen um sicherzustellen, dass die von ihm finanzierte Forschung alle vorhandenen Synergien ausschöpft und auf gesellschaftliche Bedürfnisse eingeht, wobei Bottom-up-Forschung nach wie vor Priorität geniessen soll. Im internationalen Vergleich finanziert der SNF kaum missionsorientierte Forschung und vor allem dann, wenn sie vom Bund in Auftrag gegeben wird. Der SWR sieht zwar in der Schweiz Raum für mehr missionsorientierte Forschung, er ist jedoch nicht überzeugt, dass der SNF die richtige Organisation dafür ist, diese zu fördern. Die Struktur, die Expertise und die Identität des SNF sind stark durch den Bottom-up-Ansatz geprägt. So ist der Forschungsrat beispielsweise darauf ausgelegt, Grundlagenforschung zu begutachten, und besteht nahezu ausschliesslich aus Professorinnen und -professoren von universitären Hochschulen. Dementsprechend würde die Förderung von missionsorientierter Forschung durch den SNF bedingen, dass sich der SNF strukturell und kulturell wesentlich verändern würde. Naheliegender wäre, dass der SNF zusammen mit dem SBFI die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) so umgestaltet, dass die NFP stärker auf missionsorientierte Forschung ausgerichtet sind und den Bedürfnissen aller Hochschulen besser Rechnung tragen.

Internationale Zusammenarbeit und Einbindung ist für das Schweizer BFI-System ein entscheidender Faktor und unabdingbar – heute mehr denn je. Die derzeitige Nichtassoziierung der Schweiz an die europäischen Forschungsrahmenprogramme bedeutet für das BFI-System eine schleichende Schwächung, und der SNF wird bei der Abfederung der negativen Auswirkungen eine entscheidende Rolle spielen müssen. Der SNF ist sehr gut in die internationalen wissenschaftlichen Netzwerke eingebunden und arbeitet aktiv in diesen mit. Aus Sicht des SWR sollte der SNF sein internationales Engagement weiter verstärken. Insbesondere sollten sich die Präsidenten des Stiftungs- und Forschungsrats für das Schweizer BFI-System stark machen und die notwendigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen dafür einsetzen. Darüber hinaus sollte der SNF diejenigen Barrieren in seinen Förderinstrumenten abbauen, die die internationale Zusammenarbeit einschränken könnten, damit das Schweizer BFI-System seinen Platz in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft behaupten kann.

Die Instrumente mit internationaler Ausrichtung im Förderportfolio des SNF sind heterogen und über alle Hauptförderkategorien verteilt (Programme, Projekte, Karrieren, Infrastrukturen). Deshalb ist es schwierig, die Gesamtausgaben des SNF für die internationale Zusammenarbeit und deren Wirkung zu beziffern. Der SWR empfiehlt, dass der SNF ein umfassendes Monitoring der internationalen Zusammenarbeit aufbaut. Zudem sollte der SNF die Kompatibilität seiner Instrumente mit jenen der europäischen Programme überprüfen und die verschiedenen Szenarien zum künftigen Status der Schweiz in Bezug auf die EU-Programme einfliessen lassen, um den Stakeholdern in der Schweiz aktuelle Informationen zur Verfügung zu stellen.

Die Schweizer Roadmap für Forschungsinfrastrukturen ist ein nationales strategisches Instrument, das die Finanzierung und den Unterhalt von Forschungsinfrastrukturen in der Schweiz koordiniert. Für die Leitung der Roadmap ist das SBFI zuständig, und alle wichtigen BFI-Akteure beteiligen sich daran. Seit der ersten Ausgabe der Roadmap im Jahr 2011 ist der SNF für die wissenschaftliche Evaluation aller Forschungsinfrastrukturvorhaben verantwortlich. Zudem fliessen acht Prozent seines Gesamtbudgets in Forschungsinfrastrukturen. Dieser Budgetanteil umfasst zu einem grossen Teil Beiträge für die Beschaffung von Apparaturen (R’Equip), die nicht als Forschungsinfrastrukturen im engeren Sinne gelten können. Jedoch sollte das erfolgreiche Bottom-up-Instrument R’Equip beibehalten werden, denn es ist für die Beschaffung kritischer Ausrüstungen für die Hochschulen von hoher Notwendigkeit. In seinem Selbstevaluationsbericht schlägt der SNF vor, die Verantwortung für die Leitung der Roadmap zu übernehmen. Der SWR lehnt diesen Vorschlag ab. Der SNF ist nicht in der Position, strategische Entscheidungen zu treffen oder abzuschätzen, welche grossen, längerfristigen Forschungsinfrastrukturen den verschiedenen Bedürfnissen und Interessen der Hochschulen, der Industrie und der internationalen Partner am besten dienen. Jedoch gilt es, das strategische Gewicht des SNF im Roadmap-Prozess zu berücksichtigen. Bevor die konkrete Rolle des SNF genauer definiert wird, sollte der gesamte Roadmap-Prozess umfassend analysiert und reorganisiert werden. Die Verantwortung soll dabei beim SBFI liegen, das eine Steuerungsgruppe einsetzen sollte, die sich mit der Neugestaltung der Roadmap vertieft auseinandersetzt. Der SNF sollte Teil dieser Steuerungsgruppe sein, sie aber nicht leiten.

Abschliessend hält der SWR fest, dass das Bestreben des SNF, sich intensiver für das Schweizer BFI-System einzusetzen und es weiterzuentwickeln, ausserordentlich positiv hervorzuheben ist und von seinem grossen Engagement zeugt. Der SNF kann diese Aufgabe jedoch nicht alleine bewerkstelligen und sollte deshalb insbesondere die rechtlich dafür vorgesehenen Institutionen und Koordinationsgremien, wie z. B. die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) und swissuniversities, nutzen. Angesichts der fehlenden Assoziierung der Schweiz an die EU-Rahmenprogramme und der Neuausrichtung der Schweiz in der globalen Forschungslandschaft ist es besonders wichtig, dass der SNF die Forschenden in der Schweiz zielgerichtet unterstützt. Der SNF kann mehr zur Entschärfung und Stabilisierung dieser kritischen Situation beitragen, indem er sich auf seine Stärken besinnt, als wenn er sein Aufgaben- und Tätigkeitsportfolio erweitert. Der SNF kann zu Recht stolz sein auf seine Expertise in der Evaluation von Forschungsanträgen und der Förderung von exzellenter Forschung und exzellenten Forschenden. Auf diesem starken und tragfähigen Fundament kann der SNF aufbauen.
Zugehörige Dokumente