Im Raumkonzept Schweiz (2012) wird Folgendes festgehalten: ‘Bund, Kantone, Städte und Gemeinden sichern Umfang und Qualität der natürlichen Ressourcen. Die raumplanerischen Entscheide sorgen für einen haushälterischen Umgang mit dem Boden. Die Siedlungen werden nach innen entwickelt. Der Landschaft wird ein eigenständiger Wert zugestanden. Auf die weitere Erschliessung und die Bebauung unverbauter Räume wird verzichtet. Die Partner reduzieren den Energieverbrauch der Siedlungen, stärken die erneuerbaren Energien und schonen die Gewässer, das Trinkwasser und die Luft.’ (Ziel 2 ‘Natürliche Ressourcen sichern’).
Im Bericht ‘Trends und Herausforderungen’ (2018) hält das ARE fest, dass die Siedlungsflächen zwar in den letzten Jahren etwas weniger stark gewachsen sind als noch in den 1980 er- und 1990 er-Jahren, aber die Zersiedelung der Landschaft dennoch voranschreitet. Hinzu kommt als zentrale Herausforderung das erwartete Bevölkerungswachstum im Hinblick auf die ’10-Millionen-Schweiz’. Insbesondere werden die Ansprüche an den Raum weiter steigen.
Damit werden die Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Landnutzung zunehmen. Das heisst, in der Planung muss vermehrt abgewogen werden, wo der Boden für welche Zwecke genutzt werden soll. Dabei sollten sich die Abwägungen über die zukünftige Nutzung daran orientieren, wie über einen längeren Zeithorizont die gesellschaftliche Wohlfahrt maximiert werden kann. Festzuhalten ist, dass die Leistungen der Ökosysteme (bspw. Bestäuben von Blüten durch Insekten, Filtration von Niederschlag im Boden, Erholungswert des Waldspaziergangs) und deren Wert noch nicht genügend in diese Interessensabwägungen einfliessen. Bei Landnutzungsentscheiden dominieren oft kurzfristigere, monetär einfacher zu quantifizierende und teilweise partikuläre Interessen.
Im vorliegenden Projekt soll auf der umfangreichen internationalen und nationalen Literatur aufgebaut und keine Grundlagenarbeiten zu den ÖSL vorgenommen werden. Die bestehenden Grundlagen zu den ÖSL sind in den Kontext der Raumplanung und deren Instrumente einzubetten. Es soll aufgezeigt werden, wo die ÖSL vermehrt und mit mehr Gewicht in raumplanerische Interessensabwägungen einfliessen sollen. Eine grosse Herausforderung des Projekts besteht darin, sich auf die relevantesten Teilräume, ÖSL, Landnutzungen und raumplanerischen Instrumente zu konzentrieren.
Kurz zusammengefasst sollen in diesem Projekt
- Teilräume bestimmt werden, in denen der Interessenskonflikt zwischen baulicher Landnutzung und ÖSL besonders ausgeprägt ist;
- für diese Teilräume die relevanten ÖSL und ihre monetären Werte bestimmt werden;
- für diese Teilräume die typischen baulichen Landnutzungen identifiziert werden, welche die ÖSL zu schwächen drohen;
- die raumplanerischen Instrumente identifiziert werden, welche in diesen Teilräume wirken und wo zwecks umfassenderer Interessensabwägungen die monetarisierten ÖSL einbezogen werden sollen.