Kurzbeschreibung
(Deutsch)
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Zur Konkretisierung der vom Bundesrat beschlossenen Energiestrategie 2050 hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) das Programm «Energiestrategie im öffentlichen Verkehr (ESöV 2050)» ausgearbeitet. Um die Wirkung dieses Programms messen zu können, soll die bestehende öV-Statistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) um zusätzliche Kennzahlen zu Energieverbrauch, Energieeffizienz und Treibhausgas-Emissionen von Transportunternehmen (TU) des öffentlichen Verkehrs erweitert werden.
Mittels einer Grundlagenstudie (INFRAS 2017a) wurde das Grobkonzept für ein solches «ESöV-Monitoring» erarbeitet. Dieses umfasst einen Merkmalskatalog der zu erhebenden Kenn-zahlen, ein Erfassungs- und ein Verwendungskonzept. Die zu erfassenden Merkmalsgruppen sind: der Energieverbrauch des Transportbereichs nach verschiedenen Aufschlüsselungen, die Eigenproduktion erneuerbarer Energien sowie Bezugsgrössen wie Fahr- und Verkehrsleistungen. Diese von den TU zu erhebenden Merkmale sind teilweise schon heute Bestandteil der öV-Statistik, ergänzen letztere aber um entscheidende Aspekte für das Monitoring der ESöV2050, wie den Verbrauch alternativer Treibstoffe, den Stromverbrauch der Schieneninfrastruktur, Primärenergieverbrauch und Treibhausgasemissionen sowie die Produktion erneuerbarer Energien.
Dieses in der Grundlagenstudie entwickelte Grobkonzept wurde mittels einer Piloterhebung einem Praxistest unterzogen (INFRAS 2017b). Die Merkmale und deren Aufschlüsselungen bewährten sich: die Piloterhebung zeigte, dass die meisten Merkmale bereits heute in den ge-fragten Aufschlüsselungen bei den TU vorliegen sowie mit vertretbarem Aufwand aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden können. Somit ist dieser Merkmalskatalog, mit einzelnen Optimierungen, Gegenstand des EsöV-Monitorings. Die in der Grundlagenstudie erstellten und in der Pilotstudie weiterentwickelten Fragebogen werden in vorliegender Studie weiter optimiert und können ebenfalls für das ESöV-Monitoring verwendet werden.
Die vorliegende Studie enthält das Detailkonzept des ESöV-Monitorings. Dieses Detailkonzept kann vom BAV und BFS als Umsetzungshandbuch für die Erhebung und Verwaltung der ESöV-Monitoring-Merkmale verwendet werden. Der Hauptteil enthält die Beschreibungen der notwendigen Prozesse und Ressourcen im Sinne einer Anleitung zur Umsetzung; weitere Unterlagen wie die Grobpflichtenhefte für die Entwicklung bzw. Anpassung der IT-Instrumente, Beispieldatensätze der externen Daten, Definitionen der Merkmale und Aufschlüsselungen oder Hinweise zur Interpretation der Daten, sind in den Anhängen zu finden.
Die Durchführung des EsöV-Monitorings ist in sechs Hauptprozesse gegliedert (s. Abbildung 1), welche wiederum weitere Prozesse, Teilprozesse und Arbeitsschritte enthalten. Die Entwicklung dieser Prozesse und Methoden basiert auf der Annahme, dass die benötigten IT-Tools als Ergänzung der bestehenden Anwendungen umgesetzt werden. Sollte bei der Variantenwahl im Rahmen der Initialisierungsphase des IT-Projektes zur Entwicklung der Fachanwendung eine andere Umsetzungsvariante gewählt werden, können sich leichte Änderungen in den beschriebenen Prozessen ergeben.
Die einmaligen Vorbereitungsarbeiten umfassen alle Arbeiten vor dem eigentlichen Start des Monitorings: Projektinitiation, Anpassung der bestehenden Erhebungsmittel der öV-Statistik, Entwicklung der EsöV-Monitoring-Fachanwendung sowie Kommunikation an die TU.
Anschliessend folgen die sich jährlich wiederholenden Prozesse, die in die bestehenden der öV-Statistik eingeflochten werden: Die «jährlichen Vorbereitungsarbeiten» umfassen die Aktualisierungen der Daten aus zentralen Quellen, der Erhebungsmittel und der Kerndatei sowie die Vorbereitung und den Versand der Ankündigungen der Erhebung an die TU.
Der Hauptprozess «Datenerfassung» beinhaltet alle Prozesse der eigentlichen Erhebung: das Produktivschalten der Online-Fragebogen (eSurvey und Seilbahn-Tool), das Support- und Mahnungwesen sowie der Datentransfer in die EsöV-Monitoring-Fachanwendung.
Die EsöV-Daten werden anschliessend im Hauptprozess «Aufbereitung» plausibilisiert und rechnerisch aufbereitet.
Die nachfolgende «Verwendung» umfasst alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Diffusion und der Publikation der EsöV-Daten. Für das ESöV-Monitoring sind folgende Zielgruppen vorgesehen: Erstens das BAV selbst, sowohl für interne Nutzungen beispielsweise zuhanden des EsöV 2050-Programms (Messung der Zeilerreichung) als auch für externe Kommunikation, z.B. für Universitäten. Zweitens das BFS – momentan sind jedoch keine eigentständige Publikation geplant. Und drittens die TU, die mit individuellen Auswertungen (Benchmarking) und punktuellen Publikationen der Branche beliefert werden können.
Schliesslich werden im Hauptprozess «jährliche Abschlussarbeiten» die vorangehenden Prozesse evaluiert und falls nötig optimiert sowie die erhobenen und aufbereiteten ESöV-Daten archiviert.
Bei der Auswertung und der Publikation von Daten des vorliegenden Monitorings sind einige Interpretationsrisiken zu beachten. Insbesondere Daten von verschiedenen TU sind aufgrund von geographischen Einflüssen oder auslastungsbedingten Unterschieden des Energieverbrauchs nur sehr beschränkt miteinander vergleichbar. Zudem ist der Datenschutz einzuhalten, d.h. es können nur aggregierte oder anonymisierte Daten publiziert werden, welche keinen Rückschluss auf einzelne TU ermöglichen. Richtlinien zu Interpretation und Datenschutz sind im Anhang des Umsetzungshandbuchs zu finden.
Die Verantwortlichkeit für das ESöV-Monitoring liegt beim BAV. Das BFS ist durch die Verwendung der gemeinsamen Erhebungskanäle ebenfalls involviert, dies vor allem in den Hauptprozessen «Jährliche Vorbereitungsarbeiten» (Vorbereitung eSurvey und Kerndatei) und «Datenerfassung» (eSurvey produktiv schalten und testen, Datenexport und Übergabe ans BAV). Die restlichen Arbeiten der einmaligen und jährlichen Vorbereitungen und Datenerfassung so-wie die Datenaufbereitung, die Verwendung sowie die jährlichen Abschlussarbeiten sind Aufgaben des BAV. Mit dieser Aufgabenteilung kann die Schnittstelle zwischen dem BAV und dem BFS möglichst schlank gehalten werden. Zudem lässt sich durch die Zusammenführung der Erhebung des EsöV-Monitorings mit jener der bestehenden öV-Statistik der Aufwand für die TU minimieren.
Entsprechend der Aufgabenteilung fallen beim BAV höhere Gesamtkosten an als beim BFS. Die Kostenschätzung (jeweils interne und externe Kosten summiert) beläuft sich bei den ein-maligen Kosten auf ca. 150’000 CHF für das BAV und auf ca. 40’000 CHF für das BFS. Die jährlich wiederkehrenden Kosten betragen für das BAV ca. 110’000 CHF und für das BFS ca. 17'000 CHF.
Da die jährlich wiederkehrenden Prozesse des EsöV-Monitorings in die bestehenden Prozesse der öV-Statistik eingeflochten sind, ist der Zeitplan der sich jährlich wiederholenden Prozesse des EsöV-Monitorings an jenen der öV-Statistik angelehnt. Für die einmaligen Vorbereitungsarbeiten des EsöV-Monitorings sind vor dem eigentlichen Beginn der Erhebung ein bis anderthalb Jahre vorzusehen.
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