Ausgangslage
Weltweit werden jedes Jahr Millionen von Korallenfischen gehandelt. Mehr als die Hälfte der fast 4000 bekannten Korallenfischarten sind heute ohne angemessenes Überwachungssystem im Handel. In meiner Studie von 2015 im Auftrag des BLV hatte ich Einfuhrpapiere aus dem Jahr 2009 ausgewertet. Sie ergab, dass 62% der in der Schweiz verbleibenden Fische aus 440 Arten und 45 Familien stammten und rund 30'000 Individuen umfassten. Ein Drittel der Importpapiere beinhalteten keine Artenlisten und deshalb war keine Auswertung möglich. Weiter wurden Importe aus der Europäischen Union aufgrund von bilateralen Abkommen nicht erhoben. Extrapolationen ergaben jedoch, dass die EU potentiell mehr als 200'000 marine Zierfische in die Schweiz importiert und eine unbekannte Zahl wieder exportiert werden könnte. Diese Studie habe ich mit Zustimmung des BLV in der wissenschaftlichen und „peer-reviewed“ Zeitschrift Global Ecology and Conservation publiziert: ftp://ieeservftp01.unibe.ch/pub/iee/groups/syn/publications/pdfs/2017/Biondo%202017.pdf.
Im Dezember 2016 hiess der Bundesrat ein Postulat von Ständerat Daniel Jositsch gut mit dem Titel „Bessere Kontrolle der Wildfänge zum Schutz der Korallenriffe“: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20163665
Die dramatische Situation der Meere aufgrund von Überfischung, Verschmutzung, Übersäuerung und Korallenbleiche hat die UNO bewogen, dieses Jahr eine Meeresschutzkonvention ins Leben zu rufen. Korallenriffe sind stark bedroht, ein Drittel bereits unwiderruflich zerstört. Die Befunde meiner Arbeit sollen einen Beitrag zum Schutz der Korallenriffe und Korallenfische leisten.
Zurzeit arbeite ich an einer Doktorarbeit an der Universität Bern (Professor Wolfgang Nentwig, Institute of Ecology and Evolution) zum Thema des Handels mit marinen Zierfischen. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich später auch die Daten der Europäischen Union als grösste Importregion für marine Zierfische auswerten.
Seit 2013 werden viele der gehandelten Korallenfische neu auch auf Familien- oder sogar Artniveau in der Datenbank TRACES (TRAde Control and Expert System) erfasst. Bis heute wurden die Daten jedoch nie ausgewertet.
Die USA als grösstes Importland mariner Zierfische betreiben zur Seuchenprävention ein ähnliches Datenerhebungssystem wie TRACES. Es heisst Law Enforcement Management Information System LEMIS. Ich stehe mit dem amerikanischer Forscher[1][2], welcher praktisch der einzige ist, der ebenfalls Daten von marinen Zierfische auswertet, in Kontakt. Beide Systeme sind nicht als „Monitoringtool“ gedacht, sie sind jedoch das Beste, das zur Verfügung steht. Eine Anpassung der beiden Datenbanken könnte später einen gemeinsamen Austausch ermöglichen und somit eine fast weltweite Überwachung dieses Handels ermöglichen.
[1] Rhyne AL, Tlusty MF, Schofield PJ, Kaufman L, Morris JA Jr, et al. (2012): Revealing the Appetite of the Marine Aquarium Fish Trade: The Volume and Biodiversity of Fish Imported into the United States. PLoS ONE 7(5): e35808. doi:10.1371/journal.pone.0035808
[2] Rhyne AL, Tlusty MF, Szczebak J, Holmberg RJ. Expanding our understanding of the trade in marine aquarium animals. PeerJ. 2017; 5:e2949; DOI 10.7717/peerj.2949