Tropanalkaloide sind sekundäre Metaboliten, die natürlicherweise in zahlreichen Pflanzen vorkommen, wie z.B. in Tollkirsche, Bilsenkraut oder Stechapfel. Bereits in niedrigen Dosierungen haben sie einen Einfluss auf die Herzfrequenz und das zentrale Nervensystem. So werden Symptome wie Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit beschrieben. Insbesondere bei Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen können Tropanalkaloide zu Beschwerden führen. Bei Säuglingen, Schwangeren und Stillenden, kranken und alten Menschen ist die Empfindlichkeit erhöht, und unerwünschte Wirkungen sind bei sehr tiefen Dosen möglich.
Aufgrund ihrer negativen gesundheitlichen Wirkung sind Tropanalkaloide in Lebensmitteln unerwünscht. Durch Samenkörner, welche von auf Getreideanbauflächen wachsenden anderen Pflanzen stammen und mitgeerntet werden, können Tropanalkaloide jedoch in die Lebensmittelkette gelangen. Auch bei Teekräutern können verschiedene Pflanzenteile von tropanalkaloidhaltigen Fremdpflanzen zu Verunreinigungen führen
In der Europäischen Union gilt für die Tropanalkaloide Atropin und Scopalamin eine Höchstmenge von 1.0 μg/kg für Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder, die Hirse, Sorghum, Buchweizen oder daraus gewonnene Erzeugnisse enthält. Dem BLV liegen nur wenige Daten über Tropanalkaloide in derartigen Produkten auf dem Schweizer Markt vor. Es ist nicht bekannt, ob die Produkte die in der Europäischen Union geltende Höchstmenge einhalten.
Als Grundlage für allfällige Massnahmen sollen deshalb Daten zum Vorkommen von Tropanalkaloiden in verschiedenen Lebensmitteln, insbesondere solche, die Buchweizen, Sorghum und Hirse enthalten, erhoben werden. Auch Teekräuter sollen eingehend untersucht werden.