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Forschungsstelle
BLW
Projektnummer
17fa02
Projekttitel
Einschätzung der Auswirkungen verschiedener Aussenhandelsszenarien auf die Nahrungsmittelindustrie

Texte zu diesem Projekt

 DeutschFranzösischItalienischEnglisch
Schlüsselwörter
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Kurzbeschreibung
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Projektziele
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Arbeitsvorgang/Stand der Arbeiten
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Publikationen / Ergebnisse
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Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)
Grenzschutz, Nahrungsmittelindustrie, Strukturwandel, Beschäftigung, Begleitmassnahmen, Wettbewerbsfähigkeit
Schlüsselwörter
(Englisch)
Border protection, food industry, structural change, employment, accompanying measures, competitiveness
Schlüsselwörter
(Französisch)
protection des frontières, industrie alimentaire, changements structurels, emploi, mesures d'accompagnement, compétitivité
Kurzbeschreibung
(Deutsch)
Die Reduktion des Grenzschutzes wird diverse Auswirklungen auf die Schweizer Nahrungsmittelindustrie haben. Mittels einer Studie soll der Versuch einer ersten Quantifizierung der zu erwartenden Effekte hinsichtlich Strukturwandel und Beschäftigung unternommen werden. In der Studie sollen ebenfalls mögliche Begleitmassnahmen geprüft werden, um den Strukturwandel der Nahrungsmittelindustrie zu unterstützen und deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Projektziele
(Deutsch)

1. Aufzeigen der Auswirkungen einer Reduktion des Grenzschutzes auf die Schweizer Nahrungsmittelindustrie. Versuch einer ersten groben Quantifizierung der zu erwartenden Effekte hinsichtlich Strukturwandel und Beschäftigung.

2. Prüfung möglicher Begleitmassnahmen, um den Strukturwandel der Nahrungsmittelindustrie zu unterstützen und deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dabei ist davon auszugehen, dass keine Exportsubventionen ausgerichtet werden und auch keine Schutzmassnahmen für die Industrie aufgebaut werden.

3. Bei der Analyse sind zwei Szenarien zu untersuchen:

I. Reduktion des Grenzschutzes, welche zu einer Halbierung der Preisdifferenz zu den umliegenden Ländern bei Agrargütern und Nahrungsmitteln führt. Gleichzeitig verbesserter Marktzugang zu einzelnen aussereuropäischen Freihandelspartnern.

Variante a: Stufenweiser Abbau über 5 bis 10 Jahre, ohne Begleitmassnahmen für die Landwirtschaft.

Variante b: Abbau innerhalb eines Jahres, mit Einkommenskompensation für landwirtschaftliche Betriebe während 5 bis 10 Jahren.

II. Vollständige Abschaffung des Grenzschutzes und gleichzeitiger diskriminie-rungsfreier Marktzugang zu EU bzw. zu TTIP.

Variante a: Stufenweiser Abbau über 5 bis 10 Jahre, ohne Begleitmassnahmen für die Landwirtschaft.

Variante b: Abbau innerhalb eines Jahres, mit Einkommenskompensation für landwirtschaftliche Betriebe während 5 bis 10 Jahren.

Arbeitsvorgang/Stand der Arbeiten
(Deutsch)

Vorgehensweise

Arbeitsschritt 1: Startmeeting mit BLW

Das Ziel dieses Treffens ist die Klärung der Abgrenzung der Nahrungsmittelindustrie, eine präzise Definition der Szenarien sowie die Festlegung der Teilnehmenden am Workshop (Vertreter von Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie).

Arbeitsschritt 2: Analyse Nahrungsmittelindustrie

Darstellung der jüngsten Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie, Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit und der Auswirkungen der Marktöffnung basierend auf den Arbei-ten von Lehmann, Moser et. al (2011), des Agrarberichtes 2015 der OECD, El Benni und Hediger (2014) und den aktuellsten statistischen Daten.

Arbeitsschritt 3: Vorbereitung und Durchführung des Workshops mit Unterneh-mensvertretern

Vorbereitung des Workshops, Zustellung einer Unterlage (PowerPoint-Präsentation) an die Teilnehmer eine Woche vor Durchführung des Workshops, Moderation des Work-shops. Das Ziel muss sein, möglichst gut nachvollziehbare Einschätzungen der Teilneh-menden zu den wahrscheinlichen Entwicklungen ihrer Unternehmung unter den ver-schiedenen, klar definierten Öffnungsszenarien zu erhalten.

Arbeitsschritt 4: Auswertung, Erstellen Kurzbericht und Präsentation beim BLW

Auswertung der Ergebnisse des Workshops, Erstellung eines Kurzberichts zuhanden des BLW.

Publikationen / Ergebnisse
(Deutsch)
Die Ergebnisse dieser Studie sind in den Gesamtkontext einer Marktöffnung einzuordnen. Gewinne aus Marktöffnung sind nur möglich, wenn sich die Wirtschaftsstrukturen anpassen. Das bedeutet, dass international wettbewerbsfähige Subbranchen und Unternehmen wachsen und gleichzeitig die weniger wettbewerbsfähigen Aktivitäten schrumpfen. Nur durch diesen Strukturwandel und der damit verbundenen Neuallokation von Arbeitskräften und Kapital können die Wohlfahrtsvorteile der Marktöffnung realisiert werden.

Die Nahrungsmittelindustrie ist insofern besonders, da sie Subbranchen und Unternehmen beider Art aufweist. Eine Marktöffnung führt folglich zu einem Strukturwandel innerhalb der Branche. Ob die Nahrungsmittelindustrie insgesamt zu den Gewinnern oder Verlierern gehört (z.B. hinsichtlich der Beschäftigung) hängt auch davon ab, wie stark andere Branchen von der Öffnung profitieren. Falls andere Bereiche der Schweizer Wirtschaft stark von zusätzlichen Freihandelsabkommen profitieren, ist mit einer realen Aufwertung des Schweizer Frankens zu rechnen, was die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Nahrungsmittelindustrie mindert.

Das gemeinsame Verständnis beim Szenario 2 ist, dass die Marktöffnung dosiert erfolgt, d.h. dass substantielle Importerleichterungen nur bei ausgewählten Produkten wahrscheinlich sind. Im Gegenzug erhält die Schweizer Nahrungsmittelindustrie Marktzugang bei ihren typischen Exportprodukten. Die detaillierten Auswirkungen auf die Branche sind abhängig von den konkreten Freihandelsabkommen, aber insgesamt beschränkt. Es ist möglich, dass die aus den zusätzlichen Exporten erwachsende Beschäftigungszunahme den Beschäftigungsabbau aufgrund der Importkonkurrenz übersteigt.

Der Nachteil dieses Szenarios liegt beim begrenzten Wohlfahrtsgewinn. Obwohl nicht Teil dieser Studie, weisen wir darauf hin, dass aufgrund der begrenzten Öffnung die Preise für die Konsumenten und industriellen Nachfrager ebenfalls nur bei ausgewählten Produkten sinken. Das reduziert
die potenziellen Wohlfahrtseffekte.

Ein umfassender Freihandel bei Agrargütern und Lebensmitteln mit der EU führt zu einer starken Importkonkurrenz bei bisher geschützten Subbranchen der Nahrungsmittelindustrie. Gleichzeitig wird der Marktzutritt für Produkte aus der Schweiz verbessert, aber bei wichtigen Exportgütern ist der Zugang zum EU-Markt bereits heute grösstenteils frei.

Deshalb erwarten wir bei diesem Szenario einen kräftigen Strukturwandel, mit einem kurz- und ev. mittelfristigen Beschäftigungsabbau in der Branche. Langfristig kann das Beschäftigungswachstum bei den exportorientierten Unternehmen die Stellenverluste teilweise oder im besten Fall vollständig kompensieren. Dafür spricht die robuste Entwicklung der Branche in der jüngsten Vergangenheit.

Dieser grössere Strukturwandel geht aber einher mit stärkeren Preiseffekten, welche die Konsumenten begünstigen und den Einkaufstourismus mildern. Obwohl nicht Teil dieser Studie, sind davon Wohlfahrtseffekte für die Schweiz zu erwarten und das dürfte den Beschäftigungsrückgang v.a. im grenznahen Detailhandel bremsen.