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Forschungsstelle
BLW
Projektnummer
17fa01
Projekttitel
Gesellschaftliche Wünsche hinsichtlich landwirtschaftlicher Wirtschaftsweisen und Strukturen

Texte zu diesem Projekt

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Schlüsselwörter
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Kurzbeschreibung
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Projektziele
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Publikationen / Ergebnisse
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Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)

Strukturenwicklung, landwirtschaftliche Betriebe, Bauernfamilie, Betriebsform, Wirtschaftsweisen

Schlüsselwörter
(Englisch)
Structural development, farms, farmers, family, company form, economics
Kurzbeschreibung
(Deutsch)

Trotz einer kontinuierlichen Strukturentwicklung in der Landwirtschaft sind vielfältige landwirtschaftliche Betriebe, die hauptsächlich von den Bauernfamilien selber bewirtschaftet werden, bis heute die vorherrschende Betriebsform in der Schweiz geblieben. Artikel 104 Absatz 2 der Bundesverfassung hält fest, dass der Bund die bodenbewirtschaftenden bäuerlichen Betriebe fördert. Bäuerliche Betriebe sind gekennzeichnet durch die Verbindung von Arbeit, Kapital und Heimstätte unter der Verantwortung der / des Betriebsleitenden. Vielfältige landwirtschaftliche Strukturen und Wirtschaftsweisen stehen in einem gewissen Zielkonflikt zur Forderung nach konkurrenzfähigen Strukturen in der Landwirtschaft. Im Kontext der agrarpolitischen Diskussionen stellt sich daher die Frage, wie die Anforderung der Wettbewerbsfähigkeit möglichst gut mit vielfältigen landwirtschaftlichen Strukturen und Wirtschaftsweisen in Einklang gebracht werden kann. Eine wichtige Grundlage zur Beantwortung dieser Frage ist, die gesellschaftlichen Vorstellungen bezüglich wünschenswerter landwirtschaftlicher Strukturen und Wirtschaftsweisen zu kennen.

Es wurden bereits verschiedene Studien zu den allgemeinen gesellschaftlichen Präferenzen hinsichtlich der Landwirtschaft durchgeführt. Aus diesen wurde die Erkenntnis gewonnen, dass mittelstarke gesellschaftliche Präferenzen für die Erhaltung traditioneller Landschafts- und Ortsbilder bestehen und der Wunsch zur Bewahrung der bäuerlichen Tradition im Durchschnitt der Bevölkerung nicht sehr stark ausgeprägt ist. Stark erwünscht ist laut früherer Studien von der Bevölkerung hingegen die Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe. Sehr ausgeprägte Präferenzen der Gesellschaft gibt es zudem für gute Lebensbedingungen der in der Landwirtschaft tätigen Menschen.

Die bisherigen Arbeiten geben wenig Aufschluss über die gesellschaftlichen Präferenzen hinsichtlich konkreter Arten, Formen oder Ausprägungen der landwirtschaftlichen Betriebe. Aus den bisherigen Ergebnissen kann somit nicht abgeleitet werden, ob z.B. die Bevölkerung eher Betriebe mit einer Vielfalt von Betriebszweigen oder spezialisierte Betriebe bevorzugt oder wo die wahrgenommene Grenze zwischen bäuerlicher (oder anderer Formen gewünschter) und industrialisierter (bzw. andere Formen unerwünschter) Landwirtschaft liegt und woran diese Grenze festgemacht wird.

Projektziele
(Deutsch)
  • An welchen Dimensionen machen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ihre Präferenzen bezüglich landwirtschaftlicher Betriebe fest? Was sind „landwirtschaftliche Strukturen“ bzw. was gehört aus Sicht der Gesellschaft bzw. unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen dazu?
  • Gibt es gesellschaftliche Erwartungen zu Strukturen und Wirtschaftsweisen in der Landwirtschaft und wenn ja, welche? Wo liegen bezüglich dieser Parameter die Grenzen der Akzeptanz bzw. die Grenze zwischen vielfältig-landwirtschaftlicher (=erwünschter) und industrieller (= unerwünschter) Produktion? Erwartungen könnten unter anderem folgende Dimensionen betreffen:

o Grössenverhältnisse (Fläche, Nutztiere, Arbeitskräfte pro Betrieb),

o Bewirtschaftungsformen und -intensität (inkl. Mechanisierung / Grösse der Maschinen),

o Vielfalt der Betriebszweige,

o Besitzverhältnisse,

o Betriebsorganisation / soziale Organisation (Familienbetrieb, Genossenschaft, AG, GmbH, Kollektiv, Verein etc.),

o Grad der Bodenabhängigkeit der (Lebensmittel-) Produktion,

o betriebswirtschaftliche Kriterien (wie beispielsweise Gewinn, Arbeitsentschädigung, produzierte Menge).

  • Wie werden die erwarteten Strukturen und gewünschten Wirtschaftsweisen begründet? Stellen Befragte / gesellschaftliche Gruppen einen Zusammenhang her zwischen der von ihnen erwarteten / präferierten Struktur und:

o Versorgungssicherheit,

o Ökologie / natürliche Lebensgrundlagen,

o Wirkungen auf das Landschaftsbild,

o Beitrag zur Regionalwirtschaft,

o Tierwohl,

o anderen Aspekten der Nachhaltigkeit.

  • Falls ja, bei welchen Wirkungen ist dieser Zusammenhang besonders stark?
  • Wie wird die Tatsache beurteilt, dass grosse und spezialisierte Betriebe betriebswirtschaftlich oft besser abschneiden, als kleine und vielfältige Betriebe? Kann daraus eine Legitimation abgeleitet werden, wirtschaftlich weniger leistungsfähige Betriebe mit Direktzahlungen zu fördern?
  • Was versteht die Gesellschaft unter bodenbewirtschaftenden Betrieben? Wie eng muss der Bezug zur Bodenbewirtschaftung sein, damit ein Betrieb als besonders erwünscht beurteilt wird? Kann ein unteres Limit (Minimum) der Bodenabhängigkeit festgelegt werden, um einen Betrieb als besonders erwünscht einzuordnen?
Publikationen / Ergebnisse
(Deutsch)

Zum Schluss verdichten wir die Ergebnisse auf einige Erkenntnisse:

Erkenntnis 1: Die Einwohnerinnen und Einwohner begegnen der Schweizer Landwirtschaft mit einem breiten Wohlwollen.

Auf der allgemeinen Ebene sind die Befragten mit der Landwirtschaft und ihren Produktionsweisen zufrieden. Nur Minderheiten sind generell der Landwirtschaft gegenüber kritisch eingestellt.
Selbst auf der Detailebene wird wenig Kritik geäussert. Am ehesten noch macht man die Landwirtschaft mitschuldig für Verschmutzung von Böden und Gewäs-sern. Schon umstritten ist, ob die Preise für Lebensmittel in der Schweiz generell zu hoch sind. Hingegen wird der Landwirtschaft viel Gutes nachgesagt: Sie gilt als wichtiges Element der Schweizer Kultur, sorgt für schöne Landschaften, ver-sorgt die Schweiz auch in schlechten Zeiten mit wichtigen Gütern und setzt auf Qualität, Tierwohl und ressourcenschonende Produkte.

Erkenntnis 2: Aus Bevölkerungssicht sehr wichtige Aufgaben der Landwirtschaft sind der Tier- und Naturschutz, die Nahrungsmittelproduktion und die Landschaftspflege.

Aus den Äusserungen der Befragten geht deutlich der Wunsch nach einer öko-logisch gestalteten Landwirtschaft hervor, welche für schöne Landschaften sorgt und dabei noch (qualitativ hochwertige) Lebensmittel produziert. Der Erfül-lungsgrad dieser Aufgaben bestimmt die Zufriedenheit mit den Produktionswei-sen der Landwirtschaft.
Etwas weniger wichtig ist die Gewährleistung von Versorgungssicherheit und der Beitrag zur Regionalwirtschaft, noch weniger wichtig eine hohe Produkteviel-falt und die Bewahrung von Kultur und Tradition.
Grundsätzlich sehen die Befragten die Aufgaben, welche der Landwirtschaft auf-erlegt sind, grösstenteils als erfüllt, wenn auch nicht vollumfänglich. Von einer schlechten Erfüllung gehen nur klare Minderheiten aus. Am ehesten erwächst Kritik beim Naturschutz, der Versorgungssicherheit und der Produktevielfalt.

Erkenntnis 3: Die Bevölkerung hat bezüglich landwirtschaftlichen Betrieben eine Präferenz für selbst hergestelltes Futtermittel, kleinflächige, vielfältige Kulturlandschaften, Tierschutz und biologische Produktion. Hors-Sol-Produktion wird weitgehend ab-gelehnt. Die Präferenzen in den anderen Dimensionen ist weniger eindeutig.

In allen untersuchten Varianten – sowohl bei der dichotomen Entscheidung zwi-schen zwei Betrieben als auch bei der Verteilung von "Direktzahlungen" und zwar bei Ackerbaubetrieben, Viehbetrieben im Tal und in Bergregionen – werden klein-flächige, vielfältige Kulturlandschaften bevorzugt. Am stärksten ist dies bei Vieh-betrieben im Berggebiet festzustellen.
Durchgehend bevorzugten die Einwohnerinnen und Einwohner (bei Viehbetrie-ben) eine Tierhaltung, die über die Einhaltung der Mindeststandards hinausgeht und selber hergestelltes Tierfutter. Im Ackerbau scheint eine Abneigung gegen die Hors-Sol-Produktion zu bestehen, wobei Freiland dem Treibhaus am Boden leicht vorgezogen wird. Sowohl beim Futtermittel als auch beim Ackerbau zeigt sich der klare Wunsch nach bodenabhängigen Betrieben. Mit einer einzigen Aus-nahme (bei der IP präferiert wird) wird biologische Produktion bevorzugt.
In den anderen untersuchten Dimensionen gibt es kein eindeutiges Muster, dass sich in allen Varianten zeigt. Bei der Grösse gibt es eine Ablehnung von grossen Vieh-Betrieben (v.a. zugunsten mittelgrosser Betriebe), während dies beim Ackerbau nicht so ist; hier werden grosse Betriebe leicht bevorzugt.
Bezüglich Produktevielfalt gibt es bei Viehbetrieben den Wunsch nach vielfälti-gen Betrieben, wobei sich dies nicht in der Zahlungsbereitschaft niederschlägt und auch nicht beim Ackerbau sichtbar ist.
Bei Viehbetrieben gibt es eine Präferenz für einen Vertrieb via Grossverteilern, die sich nicht in den Direktzahlungen zeigt. Beim Ackerbau hingegen zeigt sich keine klare Präferenz; man wäre aber eher bereit, lokalen/regionalen Vertrieb fi-nanziell zu unterstützen.
Bei der Erwerbsform gibt es schliesslich beim Ackerbau eine klare Präferenz für Vollerwerbsbetriebe, bei Viehbetrieben im Tal für Zuerwerbsbetriebe und bei Viehbetrieben im Berggebiet findet sich keine eindeutige Präferenz.

Erkenntnis 4: Die Präferenz für bestimmte Produktionsweisen (auf der einzelbetrieblichen Ebene) hat kaum einen Einfluss auf die Zufriedenheit mit den heutigen Produkti-onsweisen der Landwirtschaft insgesamt. Vor allem bei Viehbetrieben zeigen sich jedoch einige schwache Zusammenhänge zwischen der Gewichtung der Aufgaben der Landwirtschaft und der Präferenz für Betriebs- und Produktionsformen.

Es gibt nur sehr wenige Hinweise darauf, dass die Präferenz für eine bestimmte Ausgestaltung von landwirtschaftlichen Betrieben die Gesamtzufriedenheit be-einflusst. Ein solcher Zusammenhang liesse darauf schliessen, dass die Bevöl-kerung zufriedener ist, gerade weil eine bestimmte Betriebsform in der Schweiz häufiger ist, oder umgekehrt. Personen, welche beim Ackerbau Vollerwerbsbe-triebe bevorzugen, sind eher unzufriedener. Der Effekt ist jedoch gering. Einen ebenfalls schwachen Zusammenhang gibt es bei Viehbetrieben: Wer speziali-sierte Betriebe wünscht, ist eher unzufrieden.
Darüber hinaus zeigen sich jedoch einige Zusammenhänge zwischen der Präfe-renz und der Wichtigkeitszuschreibung der Aufgaben. Diese Zusammenhänge sind jedoch nicht über alle Varianten hinweg eindeutig und sehr schwach (voll-ständige Liste s. Befundeteil).