Die Studie erfasst die Einsparungspotentiale von Pflanzenschutzmittel im Schweizer Obstbau. Der Obstbau setzt mit Abstand die grösste Menge an Pflanzenschutzmittel pro Hektar und Jahr in der Schweizer Landwirtschaft ein. Basierend auf bisherigen Studien lässt sich vermuten, dass Effizienzsteigerungsmassnahmen einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Pflanzenschutzmittelausbringungen leisten könnten. Der Vorteil dieser Massnahmen ist, dass sie keine Ineffizienzen und Fehlallokationen verursachen, wie es bei regulatorischen Eingriffen der Fall sein kann. Um die Effizienzsteigerungspotentiale im Schweizer Obstbau erfassen zu können, haben wir mit Hilfe von detaillierten Kosteninformationen auf Ebene Sortenquartiere des Betriebsnetzes Support Obst – Arbo eine Kostenfunktion von Pflanzenschutzmittelausbringungen empirisch ermittelt. Diese Schätzungen haben uns die Erfassung und Bemessung von Ineffizienzen im Einsatz von Pflanzenschutzmittel und die Ermittlung der damit verbundenen Einsparungspotentiale von Pflanzenschutzmittel erlaubt. Unsere Schätzergebnisse zeigen, dass die Betriebe in unserer Stichprobe deutlich Ineffizienzen in der Ausbringung von Pflanzenschutzmittel aufweisen. Diese liegen im Schnitt bei mehr als 25 Prozent und entsprechen mehr als 9 kg/ha an Wirkstoffen. Die Einsparungspotentiale ergeben sich primär durch Ineffizienzen beim Einsatz von Fungiziden, unterscheiden sich stark zwischen den Sorten und variieren über die Jahre. Die Analyse der schweizweiten Einsparungspotentiale hat gezeigt, dass Effizienzsteigerungsmassnahmen zu einer Reduktion der Pflanzenschutzmittelausbringungen im Obstbau um mehr als 30 Tonnen beitragen könnten. Geht man davon aus, dass die Ineffizienzen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmittel für andere Produktionssysteme ähnlich stark ausgeprägt sind, ergeben sich für die landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz Reduktionspotentiale von mehr als 500 Tonnen im Jahr. Die Studie stellt verschiedene Handlungsempfehlungen vor, welche darauf abzielen, die Effizienzsteigerungspotentiale zu reduzieren. Hierzu zählen eine erhebliche Ausweitung der Primärdatensammlung, die Weiterentwicklung der Analysemethoden und die Implementierung von webbasierten Anwendungen, welche zeitnahe Rückkopplungsschleifen mit den Betrieben erlauben. Damit könnten Effizienzsteigerungsmassnahmen einen wichtigen Beitrag hin zum Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft und Reduktion der Umweltbelastungen in der Schweizer Landwirtschaft leisten.