Wie finden sich Personen mit Asylhintergrund auf dem freien Wohnungsmarkt zurecht und was beeinflusst ihre Wohnstandortwahl? Eine Studie von raumdaten & sotomo lie- fert sowohl empirische Befunde als auch eine Einordnung dieser Befunde mithilfe von Fachpersonen.
Anerkannte Flüchtlinge, Härtefälle sowie vorläufig Aufgenommene sind Personen mit Asylhintergrund, die mit gewissen Einschränkungen ihren Aufenthaltsort frei wählen können. Anders als Asylsuchende, sind sie eigenständige Akteuren auf dem Woh- nungsmarkt. Wo und wie lebt die wachsende Gruppe der Personen mit Asylhinter- grund? Wie beengend und problematisch sind ihre Wohnverhältnisse? Zeigen sich Ten- denzen der räumlichen Ausgrenzung? Welche Faktoren hemmen die Integration und welche Massnahmen könnten diese verbessern?
Personen mit Asylhintergrund leben in eher prekären Wohnverhältnissen. Eine spezifi- sche Benachteiligung aufgrund des Asylhintergrunds zeigt sich vor allem bei vorläufig Aufgenommenen (F-Ausweis). Aus Sicht der befragten Fachpersonen erweisen sich die prekären Wohnverhältnisse der Personen mit Asylhintergrund als relativ persistent.
Personen mit Asylhintergrund ziehen bei einem Ortswechsel tendenziell in Gemeinden, in denen bereits viele Personen aus vergleichbaren Herkunftsländern leben. Trotz der überdurchschnittlichen räumlichen Segregation der Personen mit Asylhintergrund, kann nicht von einer räumlichen Abkapselung gesprochen werden. Reine «Flüchtlings- häuser» gibt es kaum.
Personen mit Asylhintergrund konzentrieren sich auffällig stark in grossen und kleineren Kernstädten. Sie leben besonders selten im ländlichen Raum. Die Analyse des Um- zugsverhaltens zeigt, dass mit dem Übergang zur freien Wohnstandortwahl eine mar- kante Landflucht einsetzt. Grund ist ein Mix von Faktoren. So zeigt die empirische Ana- lyse, dass sich das migrationspolitische Profil der ansässigen Schweizerbevölkerung auf das Umzugsverhalten auswirkt. Aus Sicht der Fachpersonen spielen neben Tole- ranz und Anonymität aber auch die Nähe zu Arbeitsplätzen und kulturspezifischen An- geboten im urbanen Raum eine Rolle.
Besonders bedeutsam sei jedoch die Haltung der Gemeindebehörden. Während insbe- sondere städtische Gemeinden Unterstützungsmassnahmen anbieten, gäbe es andere, die gezielt Hindernisse aufbauen. Personen mit Asylhintergrund treffen zudem auf spe- zifische Vorbehalte der Vermietenden. Insgesamt ist jedoch weniger der Übertritt von den Asylunterkünften in ihre erste Wohnung die zentrale Herausforderung als ihre lang- fristige Integration in den Wohnungsmarkt.
Entscheidend für die Verbesserung der Wohnsituation für Personen mit Asylhintergrund ist aus Sicht der Fachpersonen die Erweiterung des Wohnangebots für sozial benach- teilige Personen. Nur so lasse sich verhindern, dass einzelne Vermietende überfüllte Wohnungen in schlechter Qualität zu überteuerten Preisen vermieten können. Als ziel- führende Massnahme zur Stabilisierung der Wohnverhältnisse werden dabei auch Miet- zinsgarantien gegenüber den Vermietenden angesehen.
Eine Schlüsselrolle hat schliesslich die Verbesserung der Wohnkompetenz. Hierfür brauche es mehr Angebote an langfristiger Wohnbegleitung. Wohnen ist ein Kernstück der Integration. Dies sollte sich auch in den kantonalen Integrationsprogrammen niederschlagen, die dieses Thema heute nur marginal behandeln.