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Forschungsstelle
BAFU
Projektnummer
8T20/15.0036.PJ
Projekttitel
Auswirkung der Energiewende auf die Landschaft

Texte zu diesem Projekt

 DeutschFranzösischItalienischEnglisch
Schlüsselwörter
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Kurzbeschreibung
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Projektziele
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Umsetzung und Anwendungen
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Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)

Energiewende, Landschaft, Forschung

Kurzbeschreibung
(Deutsch)

Der Bund strebt eine Reduktion der CO2-Emissionen sowie den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie an. Mit der Energiestrategie 2050 hat der Bund Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs und der Förderung der erneuerbaren Energien formuliert. Die Abkehr vom zunehmenden Ressourcenverbrauch und die Inwertsetzung der erneuerbaren Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung bedeuten einen grundsätzlich neuen Kontext für die Entwicklung der Landschaft. 

Mit der Energiewende nehmen die Zielkonflikte zwischen Landschaftsqualität einerseits und Energieproduktion, -übertragung und -speicherung andererseits zu. Die vielschichtigen landschaftsbezogenen Auswirkungen der Energiewende sollten untersucht werden.

Das NFP 70-Projekt «ENERGYSCAPE» untersuchte systematisch die gesellschaftlichen Präferenzen für eine Landschaftsentwicklung durch eine Kombination verschiedener Infrastrukturen erneuerbarer Energien mit einer Online-Panel-Befragung und einem Laborexperiment. Welche der untersuchten Landschaftsszenarien die für die Schweiz repräsentative Auswahl von Befragten bevorzugt, erklärt sich durch die Landschaft und die Wahrnehmung ihrer Struktur, durch physiologische Reaktionen auf die Szenarien sowie durch Bedeutungszuweisungen zur Landschaft und zu Anlagen erneuerbarer Energien. Die aus den Ergebnissen abgeleiteten Empfehlungen können helfen, die landschaftliche Beurteilung von Anlagen erneuerbarer Energien aus Sicht der Bevölkerung in Strategien und Konzepte zur Landschaftsentwicklung besser zu berücksichtigen. Damit liefern sie einen Beitrag, eine gesellschaftlich akzeptierte Landschaftsentwicklung durch Anlagen erneuerbarer Energien zu fördern.

Projektziele
(Deutsch)

Das Forschungsprojekt zeigt den aktuellen Forschungsstand zu den landschaftsbezogenen Auswirkungen der Energiewende auf, weist zentrale Erkenntnislücken aus und schafft wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die eine vertiefte öffentliche Auseinandersetzung mit der bevorstehenden Transformation der Landschaft durch die Energiewende ermöglichen. Insbesondere sollen die räumlichen Auswirkungen der Energiewende auf die Landschaftsqualität als auch auf die Landschaftsleistungen (Bedeutung der Landschaft als Wirtschafts- und Standortfaktor, für Identität und kulturelles Erbe, Erholung, Gesundheit und Lebensqualität) untersucht werden. Die bereits definierte Teilstudie zur Visualisierung von Infrastruturprojekten leistet ausserdem einen wichtigen Beitrag zur Transparenz politischer Debatten um die Akzeptanz von landschaftsrelevanten Infrastrukturen der erneuerbaren Energien.

Umsetzung und Anwendungen
(Deutsch)

Im Vergleich aller Charakterlandschaften werden Entwicklungen durch Anlagen erneuerbarer Energien von der repräsentativen Stichprobe der Schweizer Bevölkerung im «Siedlungsgeprägten Flachland» deutlich besser bewertet, gefolgt von den «Touristisch geprägten Berggebieten». In den «Anderen Berggebieten» sind die Anlagen erneuerbarer Energien hingegen klar unerwünscht. Es scheint, dass die Bevölkerung in der Schweiz Landschaften wie «Jura», «Voralpen» und «Landwirtschaftlich geprägtes Flachland», die sie als «traditionell» oder «naturnah» einschätzen, vor Entwicklungen durch Anlagen erneuerbarer Energien schützen möchten.

Die in der Online-Befragung getroffenen Entscheide für die unterschiedlichen Szenarien zeigen auch, wie stark die einzelnen Energieinfrastrukturen bevorzugt werden. Insgesamt deuten die Resultate darauf hin, dass einige Charakterlandschaften mit Freileitungen, in denen weitere Energienutzungen erkennbar sind, teilweise ähnlich oder besser beurteilt werden als ohne diese Nutzungen. Grundsätzlich werden die Freileitungen von der repräsentativen Stichprobe der Schweizer Bevölkerung jedoch eher abgelehnt.

Die im Labor erfassten Beurteilungen geben wieder, wie gut den Teilnehmenden die jeweilige Landschaft mit einer Kombination von wenigen oder vielen Windenergie- und PV-Anlagen im Vergleich zu den anderen Charakterlandschaften gefallen hat. Die Szenarien mit wenigen Energieinfrastrukturen gefallen generell besser als jene mit vielen Anlagen.

Die Landschaftsszenarien mit einer Kombination vieler Windenergie- und PV-Anlagen lösen bei den Teilnehmenden eine stärkere emotionale Erregung aus als Szenarien mit wenigen Anlagen. Im Gegensatz dazu unterscheiden sich die physiologischen Reaktionen auf die beiden Szenarien in Bezug auf die Charakterlandschaft «Siedlungsgeprägtes Flachland» kaum; bei beiden Szenarien ist die Erregung vergleichsweise hoch.

Die Menge an Anlagen hat grosse Auswirkungen auf die wahrgenommene Landschaftsstruktur.

Eine Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Bewertung der Szenarien mit machine-learning-Algorithmen unterstreicht, dass die wahrgenommene Kohärenz auch die Bewertung der Szenarien bezüglich des Gefallens des Bildes beeinflusst.

Die folgenden fünf zentralen Erkenntnisse aus der ENERGYSCAPE-Studie sollten bei der Planung der Landschaftsentwicklung durch Anlagen erneuerbarer Energien berücksichtigt werden:

  • Landschaftstyp und Vorbelastung spielen für die Beurteilung von Landschaftsveränderungen durch Energieanlagen eine wesentliche Rolle.

  • Eine grössere Menge an Energieanlagen kann negativ beurteilt werden.

  • Sinnvolle Kombinationen unterschiedlicher Typen von Energieanlagen werden geschätzt.

  • Photovoltaik-Anlagen auf Dächern und Fassaden werden positiv beurteilt.

  • Emotionale Reaktionen sowie Bedeutungszuweisungen zu Landschaft und Energieanlagen beeinflussen Beurteilungen von Landschaftsveränderungen durch Energieanlage.