Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern mit einer sehr guten Versorgung mit Wohnraum. Investitionen in den Wohnungsbau haben einen hohen Stellenwert, die Gebäude und Wohnungen sind in aller Regel von guter Qualität, dem Grossteil der Bevölkerung stehen grosszügig Wohnflächen zur Verfügung. Eine angemessene Wohnversorgung ist jedoch nicht für alle Haushalte eine Selbstverständlichkeit.
Die im Rahmen des «Nationalen Programms zur Prävention und Bekämpfung von Armut in der Schweiz» und dem Forschungsprogramm des Bundesamts für Wohnungswesen durchgeführte Untersuchung beleuchtet die Wohnversorgung von Haushalten, die von materieller Armut betroffen sind oder deren Mittel nur knapp für die Existenzsicherung ausreichen. Das dafür entwickelte Modell erlaubt Daten zur Wohnversorgung von Haushalten in Armut und in prekären Lebenslagen nach verschiedenen Kriterien und Dimensionen auszuwerten und ergibt eine differenzierte Momentaufnahme der aktuellen Situation.
Arme Haushalte leben häufiger als nicht-armutsbetroffene in Mietwohnungen von unangemessener Qualität. Hinzu kommen die verhältnismässig hohen Wohnkosten: Diese machen bei gut vier Fünftel dieser Haushalte mehr als 30 Prozent des Bruttoeinkommens aus. Ist das Einkommen tief, haben solche Belastungen gezwungenermassen Einschränkungen in anderen Lebensbereichen zur Folge, zum Beispiel für Bildung, Gesundheit und ausgewogene Ernährung sowie die Pflege sozialer Kontakte. Der finanzielle Aspekt ist aber häufig nur ein Hindernis für eine angemessene Wohnversorgung. Neben den Wohnkosten und der Wohnungsqualität wurden in der Studie die Dimensionen Wohnungsgrösse, Wohnlage und Wohnsicherheit berücksichtigt. Für eine nachhaltige Verbesserung der Wohnversorgung von Haushalten in Armut und in prekären Lebenslagen identifiziert die Studie zwei zentrale Handlungsansätze: (1) Massnahmen im Bereich der Objekt- und Subjekthilfe zur Senkung der Mietzinskosten bei Haushalten in Armut und in prekären Lebenslagen, (2) die Verbesserung der Wohnsicherheit, etwa durch präventive Massnahmen im Bereich der Wohnkompetenz, um Kündigungen entgegenzuwirken.