Moderhinke (MH) ist eine ansteckende Klauenkrankheit der Schafe und anderer Klauentiere. Moderhinke verursacht grosse ökonomische Verluste in der Schafproduktion, und das Wohlbefinden erkrankter Tiere ist stark beeinträchtigt. Der ursächliche Erreger von MH ist das anaerobe Bakterium Dichelobacter nodosus (D.nodosus). In einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2012 konnte gezeigt werden, dass bei mehr als der Hälfte aller Schafzüchter, welche in einem der Schweizer Schafzuchtverbände organisiert sind, MH ein ständiges Problem darstellt. Im Rahmen des Vorgängerprojektes der vorliegenden Studie konnte ein kompetitiver RT-PCR etabliert werden, welcher in der gleichen Reaktion den Nachweis von virulenten und benignen D. nodosus Stämmen erlaubt. Im Moment wird die Diagnose „MH“ im Feld weiterhin anhand der klinischen Befunde gestellt. Dabei sind „sich widersprechende Diagnosen“ - gestellt von unterschiedlichen Experten - nicht selten. Weiterhin kann MH bei klinisch gesunden Trägertieren (subklinisch infizierten Tieren) mittels klinischer Untersuchung nicht diagnostiziert werden. Diese erwähnten Nachteile führten dazu, dass das in der Schweiz momentan etablierte BGK Programm zur Kontrolle der MH wiederholt nicht zum vollständigen und flächendeckenden Erfolg führte.
Beim hier vorgeschlagenen Forschungsprojekt handelt es sich um eine „proof of concept“ Studie für ein neu erarbeitetes MH-Herdensanierungskonzept. Herden, bei denen kein Träger des virulenten Stammes von D. nodosus nachgewiesen werden kann, werden als „MH-frei“ klassiert und Herden, bei welchen mindestens bei einem Schaf der virulente Stamm von D. nodosus nachgewiesen werden kann, werden als „MH-infiziert“ klassiert. In den Jahren 2014 bis 2016 sollen insgesamt 30 Schafherden mit dem Moderhinkestatus „MH-infiziert“ und einer Herdengrösse von 20 - 80 Schafen in die Studie miteinbezogen werden.
Bei der Herdensanierung wird folgendermassen vorgegangen: Die Infektion/Reinfektion muss klinisch erkennbar sein und wird mit Hilfe des neuen PCR bestätigt: Mindestens 1 Schaf mit virulentem D. nodosus. Woche 0: Kontrolle, Klauenschnitt und Scoring aller Tiere; Schafe mit einem (klinischen) MH-Score >2 werden markiert; Tupferprobe (gepoolter Tupfer aller 4 Zwischenklauenspalten eines Schafes) für PCR bei klinisch kranken Tieren (max. 5 Tiere); danach Klauenbad aller Tiere; keine Trennung von infizierten und nicht infizierten Schafen. Wochen 1-7: wöchentliches Klauenbad aller Schafe der Herde. Woche 3: Kontrolle der markierten Schafe, um den Tierhalter „bei der Stange zu halten“; Woche 6: Kontrolle und Tupferprobe aller Schafe; Woche 7: Elimination aller PCR positiven Schafe (virulenter Stamm von D. nodosus) und letztes Klauenbad der PCR negativen Schafe.
Die Resultate der hier beschriebenen „proof of concept“ Studie sollen eine entscheidende Optimierung der Effizienz und Effektivität des heutigen BGK-Sanierungsprogrammes aufzeigen. Auf die Anwendung von Antibiotika bei der Sanierung wird bewusst vollständig verzichtet. Die vorliegende Studie dient als Pilotstudie, um die Einführung eines Schweiz-weiten MH Bekämpfungs-Programms zu prüfen.