Die Arbeitspakete wurden teilweise parallel durchgeführt und standen miteinander in Austausch, sodass die quantitativen Resultate mit den qualitativen in Bezug gesetzt werden konnten.
- Die Analyse ergab, dass schwerwiegende finanzielle Schwierigkeiten jeden Betrieb unabhängig der Ausbildung der Betriebsleitenden, der Lage und Grösse des Betriebes und der Betriebszweige treffen kann. Rund 7 % der Bauernhaushalte leben unter der an die landwirtschaftlichen Spezifika angepassten, vom Bundesamt für Statistik benutzten Armutsgrenze. Der Anteil betroffener Bauernhaushalte ist niedriger als der Anteil der Vergleichsgruppen. Andererseits befindet sich rund ein Viertel der Bauernhaushalte in einer Situation relativer finanzieller Entbehrung; das heisst, sie haben ein Einkommen, das weniger als 60 % des Medianeinkommens der arbeitstätigen Schweizer Bevölkerung beträgt. Dieser Anteil ist deutlich höher als bei den Vergleichsgruppen, wo er zwischen 3 und 16 % liegt.
- Die Interviews wiesen auf, dass finanzielle Schwierigkeiten in den meisten Fällen mit der Hofübernahme begannen. Hohe Verschuldung und fehlende Liquidität schränkten den Handlungsspielraum ein, um auch nur auf kleine unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können. Dennoch ergaben sich die Bauernhaushalte nicht passiv ihrem Schicksal, sondern verfolgen diverse Strategien wie innerbetriebliche Diversifizierung oder Nebenerwerb, um die finanzielle Not zu überwinden.
Materielle, nicht-monetäre Indikatoren umfassen Entbehrungen wie der Verzicht auf Ferien sowie das Aufschieben von Rechnungen, weil nicht genügend flüssige Mittel vorhanden sind. Davon waren viele befragte Bauernhaushalte betroffen und die Umstände wurden als belastend empfunden. Einige machten auch beträchtliche Einsparungen bei den Nahrungsmitteln.
Die meisten Befragten setzten Armut mit Arbeitslosigkeit oder Obdachlosigkeit gleich, sodass sie die finanzielle Situation zwar als belastend empfanden, sich aber dank ihrer Arbeit und ihrem Hof nicht für armutsbetroffen hielten.
Die Analysen zeigten, dass Selbständige in der Landwirtschaft eher mit ihrem Einkommen zufrieden sind als andere Selbständige in derselben Einkommenssituation. Dieser Unterschied kann partiell durch Faktoren wie die Arbeit mit den Tieren und in der Natur erklärt werden. Ein weiterer Grund sind adaptive Präferenzen, also die Anpassung der Erwartungen und Wünsche an das, was mit den bescheidenen Finanzressourcen möglich ist. Da viele der Befragten in Bauernfamilien aufgewachsen sind, stellten Entbehrungen in Zeiten finanzieller Not für sie keine Neuheit dar und hatte kaum Einfluss auf ihre Zufriedenheit. Diese Anpassungsfähigkeit macht die Bauernhaushalte resilient gegenüber Situationen finanzieller Entbehrung.
Der Ausstieg aus der Landwirtschaft stellte für die befragten Bauernhaushalte keine Option dar, was sowohl durch die adaptiven Präferenzen als auch durch sozialen und familiären Druck, insbesondere betreffend Hofnachfolge, erklärt werden kann.
Basierend auf den Ergebnissen und auf einem Workshop wurden mehrere Massnahmenideen ausgearbeitet und weiterentwickelt, welche in Folgeprojekten umgesetzt werden sollen. Geplant ist beispielsweise ein angewandtes Forschungsprojekt zur Beratung betreffend Hofübergabe, um in diesem Prozess finanzielle Aspekte transparent zu machen, sodass sich die Nachkommen gegebenenfalls gegen eine Hofübernahme entscheiden können.