Das Ziel des Forschungsprojekts bestand darin ein Entrepreneurship-Programm zur Verbesserung des unternehmerischen Kompetenzprofils und zur Erhöhung der Gründungsabsicht von Berufsschullernenden auf Sekundarstufe II zu entwickeln, die Wirkung auf die Teilnehmer zu messen und Empfehlungen zu formulieren. Im Rahmen einer Interventionsstudie wurde das Programm insgesamt sechs Mal an fünf Schweizer Berufsschulen (GIBZ Zug, GBS St. Gallen, KBZ St. Gallen, GIBB Bern, GIBS Solothurn) durchgeführt und mit einer Pre-Post-Follow-up-Kontrollgruppen-Erhebung evaluiert. Das Programm „Entrepreneurship: Initiative Zukunft (EINZ)“ besteht aus vier Modulen und beinhaltet einen Einführungsworkshop (M1: Von der Idee zum eigenen Unternehmen), Firmenbesuche (M2: Inspiration), Elemente der Wissensvermittlung (M3: Toolbox) sowie die Ausarbeitung einer eigenen Geschäftsidee (M4: Entwicklung des eigenen Geschäftskonzepts). Wie erwartet, führte die Teilnahme am EINZ-Programm zu einer Reihe direkter Ergebnisse, wie der Entwicklung einer eigenen Geschäftsidee, der Zunahme von unternehmerischen Kompetenzen und dem Erwerb von Wissen. Zusätzlich zum EINZ-Programm wurden die Programme Young Enterprise Switzerland (YES) und Apprendre à Entreprendre (AàE) evaluiert, die in der Schweiz ebenfalls auf Sekundarstufe II durchgeführt werden (Gymnasium, Handelsmittelschulen, Berufsschulen).
Um die Wirkung der drei Programme zu messen, füllten die Programmteilnehmer vorher, nachher und 4-5 Monate nach Abschluss des Programms einen Fragebogen aus. Gemessen wurden Skalen zu gründungsspezifischen psychologischen Variablen, Beliefs, Kompetenzen, Wissen sowie zur Gründungsintention.
Bei der Analyse wurde zwischen dem Wirkmodell (Welche Faktoren haben tatsächlich einen Einfluss auf die Gründungsintention?) und der Wirksamkeit (Welchen Einfluss hat die Teilnahme an einem Entrepreneurship-Programm?) unterschieden. Die statistischen Analysen zum Wirkmodell zeigen, dass die Skalen Streben nach beruflicher Autonomie, Wünschbarkeit, Umsetzbarkeit und Persönlicher Nutzen die abhängige Variable Gründungsintention positiv beeinflussen. Die statistischen Auswertungen zur Wirksamkeit der Entrepreneurship-Kurse zeigen, dass die Teilnahme an einem Kurs über Unternehmensgründung über alle Programme hinweg (EINZ, YES, AàE) eine Zunahme in der Belief-Skala Umsetzbarkeit, der Kompetenz-Skala Umsetzung einer Geschäftsidee und der Skala Wissen bewirkt. Diese Veränderungen sind auch 4-5 Monate nach dem Kurs messbar. Bei der Skala Wünschbarkeit findet direkt nach der Teilnahme an einem Entrepreneurship-Kurs eine Abnahme statt. Diese ist jedoch 4-5 Monate nach Abschluss des Kurses nicht mehr signifikant.
Wird die Wirkung der verschiedenen Programme (EINZ, YES, AàE) jedoch einzeln analysiert, zeigt sich ein Unterschied hinsichtlich Tiefe und Dauerhaftigkeit der erzielten Veränderungen. Beim EINZ-Programm findet eine signifikante und dauerhafte (bis 4-5 Monate nach dem Kurs) Zunahme in den Skalen Umsetzbarkeit, Umsetzung einer Geschäftsidee und Wissen statt, während die Wirkung bei den anderen beiden Programmen schwächer ausgeprägt ist.
Die Teilnahme an einem Entrepreneurship-Kurs erhöht somit hauptsächlich die wahrgenommene Machbarkeit (Umsetzbarkeit, Umsetzung einer Geschäftsidee) einer Unternehmensgründung sowie das Wissen über das Thema. Obwohl sich durch einen Entrepreneurship-Kurs die Gründungsintention der Lernenden nicht signifikant erhöht, ist denkbar, dass im Laufe der Zeit eine solche Zunahme stattfindet, zeigen doch die Ergebnisse des Wirkmodells, dass die wahrgenommene Umsetzbarkeit die Gründungsintention voraussagt. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, kann man davon ausgehen, dass die Entscheidung für oder gegen eine Unternehmensgründung, begründeter getroffen werden wird als vor dem Kurs.
Insgesamt zeigen die Erfahrungen der Interventionsdurchführung, dass die Durchführung eines Entrepreneurship-Kurses in der Berufsschule sinnvoll ist und auf gute Resonanz stösst. Dabei muss sorgfältig abgewogen werden in welchem Rahmen (Dozenten, Ausbildungsniveau der Teilnehmer, Zeitrahmen der Durchführung, Freiwilligkeit der Teilnehmer) der Kurs durchgeführt wird, und die Inhalte müssen gegebenenfalls den Gegebenheiten der jeweiligen Adressaten angepasst werden.