Zusammenfassung Stand Sportgeschichte
Dieser Forschungsbericht zeigt eindrücklich, dass sich die Schweizer Sportwissenschaft sowohl quantitativ als auch qualitativ in den letzten zehn Jahren in hohem Masse entwickelt hat. Diese Veränderungen lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:
1. Struktur: Aus gut funktionierenden Lehreinheiten für das Fach Sport sind fakultär verankerte, in Lehre und Forschung gleichermassen aktive, vollwertige universitäre Einheiten mit Ausstrahlung über die Sportwissenschaft hinaus entstanden. Diese Lehr- und Forschungseinheiten haben sich auch intern in erheblicher Weise, v.a. durch die Einrichtung von Professuren für Teildisziplinen der Sportwissenschaft, ausdifferenziert.
2. Lehre: In der Lehre ist der Sportwissenschaft der Übergang von einer (eng auf die Schule ausgerichteten) Sportlehrer(innen)ausbildung hin zu einer breiten, auch andere Berufsfelder erschliessende Ausbildung mit B Sc- und M Sc-Abschlüssen gelungen.
3. Forschungsoutput: Sowohl hinsichtlich der eingeworbenen Drittmittel als auch hinsichtlich der Publikationen hat sich die Sportwissenschaft zu einer beachtlich leistungsstarken Forschungseinheit entwickelt, die – trotz ihrer kurzen Geschichte – mit vergleichbaren Fächern durchaus konkurrenzfähig ist. Durch zahlreiche Publikationen in den Mutterdisziplinen konnte die Sportwissenschaft zudem nachweisen, dass sie inhaltlich und vom wissenschaftlichen Niveau anschlussfähig an etablierte wissenschaftliche Fächer/Disziplinen ist.
4. Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Während bis 2005 wissenschaftlicher Nachwuchs in der Schweizer Sportwissenschaft nahezu inexistent war, hat sich diese Situation bis heute erheblich verändert. Die Sportwissenschaft lässt sich hinsichtlich der Zahl der Qualifikationsstellen, der Zahl der abgeschlossenen Promotionen und (eingeschränkt) Habilitationen als mit anderen universitären Fächern mit eher anwendungsorientierter Ausrichtung in etwa vergleichbar einstufen.
5. Gesellschaftlicher Impact: Durch die zunehmende Bedeutung des Gesellschaftssystems Sport ist der Bedarf an sportwissenschaftlichen Erkenntnissen gestiegen. Diesem Bedarf kommt die anwendungsorientierte Sportwissenschaft mehrheitlich nach, ohne dabei grundlagenwissenschaftliche Forschungsthemen gänzlich ausser Acht zu lassen.
Die Entwicklung der Sportwissenschaft in der Schweiz lässt sich also auf der Grundlage dieses Projektberichts als positiv beurteilen. Gleichwohl ist mit Blick auf die weitere Entwicklung folgendes zu beachten: In Anbetracht der (intendierten) Ausdifferenzierung und der für die Akzeptanz der Sportwissenschaft nützlichen Orientierung der sportwissenschaftlichen Teildisziplinen an den jeweiligen Mutterwissenschaften ist es wichtig, dass die Sportwissenschaft auch zukünftig ihren gemeinsamen Kern bewahrt und sich weiterhin als integratives Fach und nicht als die additive Aneinanderreihung von Teildisziplinen versteht. Dies erscheint sowohl hinsichtlich der Lehre als auch der Forschung von zentraler Bedeutung. Denn nur durch die Bewahrung eines Kerncurriculums und die Formulierung eines gemeinsamen interdisziplinären Themenkerns vermag die Sportwissenschaft sich als eigenständiger akademischer Fachbereich zu profilieren. Daher ist es grosser Bedeutung, dass die Sportwissenschaft sich auch zukünftig – wie dies in den Beschreibungen der Institute deutlich wird – als integratives und interdisziplinäres Fach versteht.