Wirtschaftliche Auswirkungen von Open Government Data
Verfasst im Auftrag des Bundesarchivs von Adelheid Bürgi-Schmelz, Dr. rer. pol.; Wirtschaftsberaterin EDI
Ausgehend von der Hypothese einer Einführung von Open Government Data (OGD) in der Schweiz wurden in der vorliegenden Studie die wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Einführung untersucht. Damit betritt sie Neuland. Denn bisher liegen zwar sektorielle Betrachtungen für die Bereiche Geodaten und Meteorologie vor, aber es gibt noch keine übergreifenden Abschätzungen der wirtschaftlichen Bedeutung von OGD in der Schweiz.
Aus der im interessierenden Bereich besonders vom Nobelpreisträger Stiglitz geprägten ökonomischen Theorie lässt sich eindeutig ableiten, dass allfällige Gebühren für Open Government Data höchstens die kurzfristigen Grenzkosten abdecken sollten. Dies bedeutet für digitale Informationen, dass Behördendaten gratis zur Verfügung gestellt werden sollten.
Neben diesen theoretischen Erkenntnissen wurden in der vorliegenden Studie die vielfältigen Erfahrungen im In- und Ausland dargestellt. Diese haben überwiegend qualitativen Charakter, erlauben es jedoch, einige Schlussfolgerungen über die wirtschaftliche Bedeutung zu ziehen. Für die EU und für eine Reihe von anderen Ländern gibt es zudem Schätzungen für die Wertschöpfung aus Open Government Data. Sie basieren auf teilweise recht unterschiedlichen methodischen Ansätzen. Die Verfasser sind aber meist selbst nicht ganz zufrieden mit den Methoden. Einige empfehlen daher, mehrere Methoden anzuwenden. Deswegen stützt sich auch die vorliegende Studie auf einen Methodenmix. Um die engere Optik der Bundesverwaltung zu erfassen, wurde im Mai 2013 eine einfache Umfrage bei den Direktionen der Bundesämter durchgeführt. Die so gewonnenen Informationen flossen in die eigenen Berechnungen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Open Government Data ein.
Trotz aller Unsicherheiten in Methodik und Datenlage darf gefolgert werden, dass sich die jährliche Wertschöpfung aus OGD in der Schweiz etwa zwischen CHF 0.9 Mia. und CHF 1.2 Mia. bewegt. Die mittels Umfrage in der Bundesverwaltung gewonnenen finanziellen Informationen legen zudem nahe, dass die Verwaltungstätigkeit durch OGD vereinfacht wird. Die Kosten und Ertragsausfälle werden sehr wahrscheinlich durch die Steuereinnahmen aus dem volkswirtschaftlichen Nutzen von OGD kompensiert, so dass sich OGD für den Bund budgetneutral umsetzen lässt. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die betroffenen Ämter die Ertragsausfälle aus einer Einführung von OGD nicht selbst intern kompensieren müssen. Dies würde zur Reduktion von OGD führen, also die Basis für den volkswirtschaftlichen Nutzen und für die darauf beruhenden Steuereinnahmen schwächen.
Aus ökonomischer Sicht sollte man deshalb OGD weiterverfolgen und die Ertragsausfälle für die betroffenen Verwaltungseinheiten abfedern. Letztlich ist es jedoch eine politische Entscheidung, ob OGD eingeführt werden soll.