Das Bundesamt für Veterinärwesen BVET hat in Zusammenarbeit mit den kantonalen Veterinärämtern in der „Tiergesundheitsstrategie 2010+“ Massnahmen und Ziele formuliert, um den Gesundheitsstatus der Schweizer Haus- und Nutztiere gezielt weiter zu fördern. Im Bereich der Überwachung und Bekämpfung von Tierseuchen gehört eine Neuklassierung der Zoonosen mittels Risikoabschätzung zu den Leistungszielen. Zudem soll auch die Liste der zu überwachenden Tierseuchen den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Das erarbeitete Priorisierungsmodell soll eine Grundlage bieten, Krankheiten neu zu beurteilen.
Obwohl international eine Vielzahl von Methoden für die Priorisierung von Krankheiten beschrieben wurden, können die dort erstellten Listen nicht einfach für die Schweiz übernommen werden. Zum Einen unterscheiden sich objektive Kriterien wie die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung einer Krankheit oder die empfängliche Tierpopulation zwischen den Ländern, zum anderen spielen für die Priorisierung auch subjektive Kriterien wie die Risikowahrnehmung und die Gewichtung verschiedener Kriterien eine grosse Rolle. Da es sehr schwierig ist, verschiedenste Krankheiten mit völlig unterschiedlichen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu vergleichen, wird eine Priorisierungsmethode entwickelt, dessen Kriterien von sieben Experten des BVETs beurteilt und gewichtet werden. Im weiteren Verlauf sollten auch weitere Interessensvertreter einbezogen werden, damit das Modell die Ideen und Meinungen der Entscheidungsträger in der Schweiz widerspiegelt. Diese zweite Befragung wird als partial-profile choice-based Conjoint Analysis durchgeführt. Hierbei werden jeweils zwei Krankheiten gegenübergestellt, die durch Kriterien beschrieben werden. Die Befragten sollen bei jedem Krankheitspaar die Krankheit auswählen, die ihrer Meinung nach eher überwacht oder bekämpft werden soll. Es werden sowohl Experten des Bundesamtes für Gesundheit BAG, Kantonsärzte, Kantonstierärzte und – stellvertretend für die Konsumenten - Studierende befragt. Um die Validität der Methode sicherzustellen, werden die sieben Experten des BVETs gebeten, den Fragebogen ebenfalls auszufüllen.
Mit dieser Priorisierungsmethode werden ausgewählte Zoonosen und Tierseuchen beurteilt. Um sie miteinander vergleichen zu können, wird anhand der Prozentränge eine Rangliste erstellt. Diese Klassierung stellt keine definitive Hierarchie der Prioritäten dar, sondern bietet eine Grundlage, um Entscheidungen bezüglich der Ressourcenverteilung zu treffen (Horby, Rushdy, Graham, & O’Mahony, 2001).