Projekt „Wahrnehmungs-Handlungs-Training“
Leitung: Prof. Dr. Ernst-Joachim Hossner & Dr. André Klostermann (Universität Bern)
Förderzeitraum: 01/2013-12/2014
Aufbauend auf den im ESK-Projekt „Messplatz Beachvolleyball“ (01-12/2011; Hossner & Koedijker) erhal-tenen Befunden zielte das Forschungsvorhaben auf eine empirische Überprüfung der Wirksamkeit eines auf das Beachvolleyball-Abwehrverhalten ausgerichteten Blick- und Entscheidungstrainings, welches in die Trainingsplanung von Nachwuchsspieler/innen aus dem Leistungsbereich eingebettet werden kann. Vor einer seriösen Implementierung solcher Trainingsroutinen bedurfte es der Beantwortung zentraler Frage-stellungen, welche im Projektzeitraum in drei Arbeitspaketen angegangen wurden. Im ersten Arbeitspaket wurde zur Festlegung von szenenbezogenen Blick- und Entscheidungs-„Sollwerten“ labor- und feldbasierte Referenzwertstudien durchgeführt (01-03/2013, 06-09/2013) sowie internationale Spitzenspieler/innen mittels fokussierter Interviews hinsichtlich ihrer Entscheidungs- und Blickstrategien befragt (01-06/2013). Im zweiten Arbeitspaket wurden mit Hilfe basaler sowie situationsspezifischer Schnelligkeitstest (01-03/2013, 09-12/2013) kapazitätsbezogene Referenzwerte erfasst, um hieraus individuelle Trainingsziele für das Wahrnehmungs-Handlungs-Training abzuleiten. Im dritten Arbeitspaket schliesslich wurde der Effekt verschiedener Interventionsprogramme auf das Blick- und Entscheidungsverhalten untersucht (01-12/2014).
Die Besonderheit des im vorliegenden Projekt verfolgten Ansatzes liegt zum Ersten in der methodisch breiten Erfassung von expertisebezogenen Referenzwerten zur Konzipierung von Trainingsinterventionen. Auf diese Weise sollten die Ergebnisse der laborbasierten Studien aufgrund der vergleichsweise grossen Stichproben samt algorithmischer Auswerteverfahren deutlich zuverlässigere Daten liefern, als dies auf-grund technischer Beschränkungen in früheren Studien möglich war. Darüber hinaus erfolgte zu Validie-rungszwecken ein – in der Literatur häufig angemahnter, aber nur selten umgesetzter – Vergleich mit dem tatsächlichen Verhalten auf dem Feld. Und schliesslich sollte durch die Berücksichtigung konditioneller Messgrössen inter-individuellen Unterschieden hinsichtlich eines optimalen Entscheidungsverhaltens Rechnung getragen werden. Zum Zweiten wurden vor Durchführung der Interventionsstudien etwaige Probleme insofern empirisch überprüft, als unterschiedliche Formen der Blickpfadvorgabe evaluiert wur-den und diese Überprüfung nicht zuletzt auch in Bezug auf Aspekte der Verhaltensstabilität erfolgte.
Zusammenfassend zeigten die Auswertungen der Referenzwertstudien, dass die Abwehrspieler/innen sowohl in der Labor- als auch in der Feldsituation deutlich nach Ball-Hand-Kontakt der/des Angriffsspie-ler/in ihre Bewegungsantwort initiieren, obgleich sie bereits zu einem deutlich früheren Zeitpunkt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die gegnerische Aktion prädizieren können. Diese Strategie der Informati-onsmaximierung wird auch durch die Blickdaten bestätigt, aus denen ein früher Blicksprung zu einer Fixa-tion der Position gefunden wurde, an der kurze Zeit später der Angriff erfolgt. Obgleich in der Literatur vermutet wird, dass diese Informationsmaximierungsstrategie auch mit der individuell ausgeprägten Fä-higkeit interagiert, die eigenen physischen und konditionellen Voraussetzungen in den Optimierungspro-zess einzubeziehen, konnten in den diesbezüglichen Analysen solche „action capabilities“ nicht aufgezeigt werden. Die Interventionsstudien erbrachten schliesslich, dass Blickpfadvorgaben auch nach sehr kurzen Lernphasen zu überdauernden Veränderungen im Blickverhalten führen, dass sich die erwarteten positi-ven Effekte jedoch nur bedingt zeigten, da sich ein „guided discovery“-Lernen in deskriptiv ausgeprägte-ren Lerneffekten niederschlug. Allerdings offenbarten die diesbezüglichen Studien Verbesserungsmöglich-keiten in der Konzipierung von Wahrnehmungs-Handlungs-Trainings durch Blickvorgaben. Solche opti-mierten Trainingsinterventionen werden in aktuellen Folgestudien auf den empirischen Prüfstand gestellt