Will die Schweiz die Handlungsspielräume kommender Generationen nicht durch ein weiterhin flächenintensives Siedlungswachstum mit den bekannten unerwünschten Folgen einschränken, so ist die Begrenzung der Siedlungsausdehnung und damit die Lenkung der zukünftigen Flächenansprüche und -nachfragen in das weitgehend überbaute Gebiet die logische Konsequenz. Raumplanerisch ist deshalb die Grössenordnung der für die Innenentwicklung in Frage kommenden Flächen, der inneren Nutzungsreserven, von grösster Bedeutung. Darunter werden im Rahmen dieser Studie sämtliche planungsrechtlichen Nutzungsreserven innerhalb des weitgehend überbauten Gebiets verstanden. Diese inneren Nutzungsreserven setzen sich zusammen aus den noch unbebauten Flächen, den bebauten Flächen mit Umnutzungspotenzial sowie dem planungsrechtlich noch zulässigen Ausbaupotenzial auf bereits bebauten Flächen, den sogenannten Geschossflächenreserven.
In der Schweiz sind rund 190 000 ha rechtskräftige Bauzonen der Wohn-, Misch- und Arbeitsnutzung zugewiesen. Die vorliegende Arbeit hat anhand der ARE-Gemeindetypologie eine schweizweite quantitative Abschätzung der inneren Nutzungsreserven in diesen Zonen vorgenommen. Grundlagen dazu bildeten vorhandene Daten aus Raum+ und kantonale Angaben zu den unbebauten Bauzonenreserven sowie zu den Geschossflächenreserven. Die dabei resultierenden Grössenordnungen von rund 5300 bis 15600 ha gesamte Geschossflächenreserven mit einer Einwohnerkapazität von 700 000 bis 1,9 Mio. sind aufgrund der schmalen Datenbasis sowie des Einbezugs unterschiedlichster kantonaler Datenquellen mit heterogenen Erhebungsmethoden und -tiefen als eine grobe Annäherung zu verstehen.
Neben den inneren Nutzungsreserven bestehen die gesamten Nutzungsreserven zusätzlich aus den Nutzungsreserven ausserhalb des weitgehend überbauten Gebiets, die ebenfalls innerhalb der Bauzonen liegen und meistens noch gänzlich unbebaut sind. Hier rechnen die Autoren mit weiteren 2800 bis 9200 ha Geschossflächenreserven, womit gesamte Nutzungsreserven der Schweiz in den Wohn-, Misch- und Arbeitszonen inkl. der bereits bebauten Grundstücke von 8100 bis 24 800 ha Geschossflächereserven resultieren.
Trotz relativ grosser Spannbreite, gewisser Unsicherheiten in den Datengrundlagen sowie sensitiv reagierender Annahmen bei der Umrechnung von Bauzonen- in Geschossflächen und bei der Einwohnerkapazitätsabschätzung zeigt die Studie vor dem Hintergrund konservativer Annahmen, dass in der Schweiz erhebliche Innenentwicklungspotenziale vorhanden sind. Die angewendete Methode erlaubt jedoch keine regionalen Differenzierungen und auch keine Aussagen darüber, ob die so ermittelten inneren Nutzungsreserven aus raumplanerischer Sicht an günstigen Lagen liegen und ob eine vollständige Ausschöpfung sämtlicher innerer Nutzungsreserven erwünscht ist.