Weidebetonte Milchproduktion
Hochleistende Milchkuhrassen tendieren dazu, der Milchproduktion höchste Priorität bei der Verwendung der verfügbaren Energie einzuräumen, was Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben kann. Gerade zu Beginn der Laktationsperiode können produktionsbedingte Erkrankungen auftretenund damit die Fruchtbarkeit und Langlebigkeit dieser Tiere herabsetzen. In weidebetonten Produktionssystemen wird diese Problematik noch verstärkt, da hier die Nährstoffdichte im Futter begrenzt ist und jahreszeitliche Schwankungen der Nährstoffkonzentrationen auftreten. Vor allem die Bereitstellung von Energie aus dem Futter ist ein grosses Problem. Durch die Züchtung von Weidegräsern mit höheren Gehalten an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten wurde versucht, die Schmackhaftigkeit und Energiedichte des Weidegrases mit dem Ziel einer höheren Futter- und Energieaufnahme zu verbessern. Allerdings zeigte sich, dass nicht die Schmackhaftigkeit des Grases die Weidefutteraufnahme in erster Linie beeinflusst sondern die physikalischen und physiologischen Grenzen des Tieres. Ferner können hohe Gehalte an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten zu Verdauungsstörungen führen. Ein Absinken des Pansen-pH in einen für die Kuh kritischen Bereich wurde auch bei Rationen beobachtet, die fast ausschliesslich aus Gras oder Heu bestanden. Erhalten weidende Kühe zusätzlich Kraftfutter, um ihren Bedarf an Nährstoffen zu decken, sinkt die Motivation, auf der Weide zu fressen, und damit die Aufnahme von kostengünstigem Futter. Andererseits zeigt sich, dass bei Tieren ohne Kraftfutterergänzung der Stoffwechsel stärker belastet ist, da sie bereits bei einer tieferen Milchproduktion insgesamt mehr Körperfett mobilisieren müssen. Die aufgeführten Probleme machen eine Diskrepanz zwischen den ökonomischen Vorteilen einer weidebetonten Milchproduktion und jenen, die vor allem eine dem Bedarf des Tieres angepassten Haltung und Ernährung im Blickfeld haben, deutlich. Um den Herausforderungen der Weidehaltung gerecht zu werden, werden also Milchkühe benötigt, die einerseits die zur Verfügung stehende Biomasse ohne Ergänzungsfütterung effizient verwerten können. Gleichzeitig werden jedoch auch Strategien zur Ergänzungsfütterung gebraucht. Diese sollen zum einen die Nährstoffversorgung der Tiere gewährleisten und zum anderen die Steigerung der Milchproduktion bei erhöhter Nachfrage von Milchprodukten respektive hohen Milchpreisen ermöglichen.
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Futterbewertung
In den traditionellen Bewertungssystemen sind die Futtermittel durch feste Werte für Energie charakterisiert, während neuere Ansätze dynamische Faktoren, wie die Fermentationsrate einzelner Kohlenhydratfraktionen und die Passagerate integrieren. Ferner sind bei der Schätzung der Energie über die verdauliche organische Substanz, so wie es in der Schweiz angewendet wird, Rohprotein und Rohfaser enthalten, die übrigen energieliefernden Kohlenhydratfraktionen finden jedoch keine Berücksichtigung.
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In den letzten Jahren gewinnen Mischungen aus Getreide und Proteinpflanzen aus verschiedenen Gründen an Bedeutung. In Perioden, wo z.B. aufgrund von Trockenheit Weidegras knapp wird, können diese Mischungen ideal als Silage in der Wiederkäuerfütterung eingesetzt werden, da sie einen vergleichsweise hohen Fasergehalt zusammen mit einem Proteingehalt, der über dem von Maissilage liegt, aufweisen. Für einen bedarfsgerechten Einsatz bei der Milchkuh müssen jedoch die Gesamtverdaulichkeit sowie die ruminale Abbaubarkeit der Nährstoffe, welche in den Mischungen enthalten sind, bekannt sein.
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Fütterungsempfehlungen
Gegenwärtige Energiebewertungssysteme schätzen den Energiebedarf der Kuh und das Energielieferungsvermögen von Milchkuhrationen bis zu einer Leistung von etwa 30 kg / d zuverlässig. Bei höheren Milchleistungen führt die kalkulatorisch abgeleitete Futtermenge nicht mehr zur Deckung des Bedarfs. Ferner geht man davon aus, dass der höhere Energiebedarf heutiger hochleistender Milchkuhrassen auf Unterschiede in der Energie- und Nährstoffverteilung im Stoffwechsel zurückzuführen sind. Hochleistende Milchkühe tendieren dazu, so viel Energie wie möglich für die Produktion von Milch aufzuwenden.
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Mineralstoffinteraktionen im Verdauungstrakt (z.B. K vs. Mg; Fe (einsiliert) vs Cu und Zn; Cu vs. Mo*S) und im intermediär Stoffwechsel (z.B. Einfluss von Vitamin E-armen oder PUFA – reichen Futter auf den Se-Status ) können die Bioverfügbarkeit und damit den Bruttobedarf von Mengen- und Spurenelementen drastisch ändern.
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