Hintergrund
Gemäss Auswertung der Statistik verletzen sich in der Schweiz jährlich ca. 6600 Personen beim Reitsport. Bei Frauen ist Reiten die Sportart mit der zweithäufigsten Verletzungshäufigkeit. Auch für Kinder zählt der Reitsport zu einer besonders risikoreichen Sportart.
Als Schutzausrüstung für Pferdesportler werden im Wesentlichen Helme und Schutzwesten angeboten, deren Anforderungen in Normen definiert sind.
Fragestellung
Im Rahmen dieser Studie wurde die Verwendung von Schutzausrüstung im Reitsport untersucht:
· Warum finden Schutzwesten nur geringe Verbreitung?
· Entspricht das Schutzpotential von neuen Airbag-Schutzwesten demjenigen von herkömmlichen Schutzwesten?
· Wird das Schutzpotential von Westen, insbesondere von Airbag-Schutzwesten, durch die entsprechende Norm EN 13158 zweckmässig geprüft oder müsste die Norm modifiziert werden, um die Schutzwirkung solcher Reit-Westen zu testen?
Methoden
Das Projekt wurde in zwei Teile gegliedert:
a) Befragung von ReiterInnen
Mit Interviews von 50 Personen die einen Unfall erlitten haben wurden detaillierte Angaben zu Verletzungen, zum Hergang von Unfällen sowie zur verwendeten Schutzausrüstung systematisch erfasst.
Die Angaben zum Unfallhergang dienten dazu, die Belastungssituation der Schutzausrüstung abzuschätzen.
b) Laboruntersuchungen von Schutzwesten
Ausgehend von zwei Prüfnormen für Reiterschutzwesten und Airbag-Schutzwesten für Motorradfahrer wurden Untersuchungen an 11 unterschiedlichen Schutzwesten (inkl. Airbag) durchgeführt. Dadurch steht eine genügend breite Datenbasis zur Verfügung um das Schutzpotential der unterschiedlichen Designs zu bewerten und Empfehlungen für Konzepte von Schutzwesten abzugeben.
Ergebnisse
Von den 50 befragten Personen erlitten 23 eine Fraktur, 17 eine Prellung und 13 eine Gehirnerschütterung. Die meisten Verletzungen betreffen den Bereich Oberkörper/Rippen sowie Rücken.
Personen, die eine Schutzweste getragen haben, haben sich generell weniger oft verletzt. Insbesondere haben sie deutlich seltener eine schwere Verletzung erlitten.
Nur 2 von 7 Schutzwesten erfüllen die Anforderungen für die Stossdämpfung.
Die 3 auf dem Markt erhältlichen Airbag-Schutzwesten decken den von der EN 13158 geforderten Schutzbereich nicht ab.
Die Auslösekräfte von den Airbag-Schutzwesten sind bis zu 460N hoch. Es muss geprüft werden ob diese Auslöseschwelle für Kinder zu hoch ist.
Ein Airbag-Prototyp hat aufgezeigt, dass spezifisch für den Reitsport entwickelte Systeme ein hohes Schutzpotential bieten.
Diskussion
Anhand der Umfrage konnten fundierte Antworten auf die Verletzungshäufigkeit und Körperregionen gewonnen werden. Diese Erkenntnisse können direkt in die Prävention einfliessen.
Die meisten Verletzungen betreffen den Bereich Oberkörper. Mit Hilfe einer passenden Schutzweste könnte der Schweregrad solcher Verletzungen reduziert werden. Daher wird eine Erhöhung der Tragequote für Westen angestrebt.
Airbag-Schutzwesten können konventionelle Schutzwesten noch nicht ersetzen. Sie sind momentan nur in Kombination mit einer klassischen Schutzweste zu empfehlen.