Die Evaluation und Befragungen bei den Kerngruppenmitgliedern und Begleitpersonen der Projekte haben gezeigt, dass das Instrument der Modellvorhaben teilweise lokal wirkt und langfristige Prozesse, wie etwa institutionelle Zusammenarbeitsformen, in Gang gebracht hat.
Auf der regionalen Ebene haben die Modellvorhaben zweifellos dazu beigetragen, die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den Kantonen zu verbessern, indem sie Prozessbeschleuniger oder auch eigentliche Initianten der Kooperation waren (z.B. Goms, INSCUNTER). Auch ein besseres gegenseitiges Verständnis für die Probleme der Gemeinden und ein gemeinsames Selbstbewusstsein und Image konnte durch eine gemeinsame Identität gefördert werden (z.B. Mircorégion Haute Sorne, VOTERR). Wichtig war die Erkenntnis, dass es für alle Beteiligten von Nutzen ist, wenn über administrative Grenzen hinweg in funktionalen Räumen zusammengearbeitet wird. In verschiedenen Modellvorhaben wurde dies ausgetestet. Durch die Modellvorhaben konnte in den Regionen Wissen generiert werden, welches auch für andere Regionen übertrag- und anwendbar ist (z.B. Potentiel bois-énergie). Desweiteren führten sie zu konkreten Verbesserungen und einer besseren Nutzung von Potentialen vor Ort, indem z.B. die lokale Wertschöpfung (z.B. Goms) erhöht und Nebenerwerbsmöglichkeiten geschaffen und regionale Produkte vermarktet werden (z.B. Walserweg) oder Verfahren und Prozesse vor Ort angepasst wurden (z.B. Bewirtschaftungsarrondierung, Einpassung von Ökonomiebauten). Um langfristige Wirkungen der Modellvorhaben in den Regionen zu beurteilen, ist es jedoch noch zu früh.
Modellvorhaben sind Win-Win-Projekte. Der Bund setzte durch die finanzielle Unterstützung Anreize und Signale, welche die Regionen zur Zusammenarbeit motivierte, neue Netze und Governance-Strukturen entstehen liess und die Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinden und Regionen stärkte. Mit der Unterstützung durch den Bund wurden die Projekte zudem besser akzeptiert und lösten in den Regionen eine gewisse Aufbruchstimmung aus.
Für die Bundesverwaltung sind die Modellvorhaben Synergien im Ländlichen Raum insofern gewinnbringend, da sie eine räumliche Verankerung der Raumentwicklungspolitik «vor Ort» bewirken und der Bund erkennt wo der «Schuh drückt». Die Modellvorhaben bieten mit dem kreativen und offenen Ansatz Gelegenheit, je nach Rahmenbedingungen eine passende Form für die horizontale wie auch vertikale Zusammenarbeit zu finden. Dem Bund ermöglichen die Modellvorhaben, sich wichtige Kenntnisse im Bereich der sektorübergreifenden und interkommunalen Zusammenarbeit anzueignen. Anhand von konkreten Beispielen, neuen Lösungsansätzen und gutem Anschauungsmaterial können Rückschlüsse auf die eigene Politik erfolgen und Hinweise abgeleitet werden wie die eigene Politik weiterentwickelt werden könnte z.B. Entwicklung einer Strategie für die Ländlichen Räume (besonders bei der besseren Abstimmung der Sektoralpolitiken) oder Revision des Pachtrechtes (durch Projekt Bewirtschaftungsarrondierung) oder Erweiterung des Label „Energiestadt“ auch auf ländliche Regionen (durch Projekt Goms). Im Raumkonzept Schweiz wurde ebenfalls der Gedanke von funktionalen Räumen und Nutzen-Lastenausgleich aufgenommen. Themen wie Erneuerbare Energien werden bei der laufenden Revision des Raumplanungsgesetzes behandelt. Die Modellvorhaben liefern hier gute Beispiele und Lösungsansätze. Modellvorhaben gehen weit über die Koordination sektoralpolitischen Handelns hinaus und stellen ein sichtbares Zeichen einer echten Kooperation mit allen Partnern an den Schnittstellen raumrelevanter Politiken dar.
Man ist im Bundesamt für Raumentwicklung auch daran, sich prinzipiell Gedanken zur Weiterentwicklung des Instrumentes der Modellvorhaben zu machen. Die Evaluationsresultate fliessen hier ein.