Datengrundlage
Im Verlauf des Projektes wurden von 66 GPS besenderten Rehen zwischen 1.2 und 1.4 Millionen GPS Lokalisationen gesammelt. Zusätzlich zu den GPS Positionen zeichneten die Halsbänder annähernd 9 Milliarden Aktivitätsdaten auf. Nebst Blut und Kotproben, wurden während den Fängen von allen Rehen auch biometrische Daten wie Hinterfusslänge oder Gewicht gesammelt.
Von den Luchshalsbändern werden bis am Ende des Projektes zwischen 26’000 und 30’000 GPS Lokalisationen von 17 Tieren vorliegen. Schlussendlich wurden Informationen von ca. 200 Rissorten gesammelt.
Reh-Bewegungsdaten
Durch die Markierung von Rehen mit GPS- oder VHF-Sendern war es möglich interessante Dispersalbewegungen, saisonale Wanderungen und Brunftexkursionen zu beobachten. Diese Daten liefern interessante Informationen über die Bewegungsmuster von Rehen in den Alpen.
Stand der Analysen
Im Verlauf des Projektes mussten die ursprünglichen Fragestellungen mehrere Male angepasst werden (siehe Abschnitte zum Hintergund des Projektes und über Halsbandprobleme). Die Analysen können grob in drei Teilschritte unterteilt werden. In einem ersten Schritt geht es darum mit Hilfe der Luchsdaten von der Koordinationsstelle für Raubtierforschung in der Schweiz KORA eine für Saison und Tageszeit angepasste Prädationsrisikokarte für die Rehe zu erstellen. In einem weiteren Schritt, werden die gesammelten Rehdaten dazu verwendet ein Habitatsselektionsmodel zu erstellen unter Berücksichtigung des Prädationsrisikos durch den Luchs. Es soll untersucht werden, ob die Rehe ihre Bewegungen dem Prädationsrisiko anpassen. In einem letzten Schritt soll schlussendlich untersucht werden, ob Rehe auch ihr Aktivitätsmuster den Änderungen im Prädationsrisiko anpassen.
Habitatsnutzung des Luchses
Die ersten Resultate über das von Luchsen verursachte Prädationsrisiko im Studiengebiet liegen vor. Dabei werden Habitate, welche vom Luchs bevorzugt genutzt werden, mit hohem Prädationsrisiko gleichgesetzt. Es geht nun darum, diese ersten Resultate noch zu verfeinern, bevor Schritt zwei und drei angegangen werden können.
Allgemeine Mortalität
Die Haupttodesursachen bei den Rehen waren in Abnehmender Reihenfolge: Jagd, Luchsprädation und Krankheit. Die meisten unbekannten Todesursachen waren krankheitsbedingt.
Masterarbeiten
Die erste Masterarbeit untersuchte, wie sich Aktivität und das Habitat auf das Prädationsrisiko von Rehkitzen auswirkt. Die Analysen ergaben, dass das Prädationsrisiko für Kitze in Wiesen tiefer ist als im Wald und die Kitze waren am Abend signifikant weniger aktiv als während des Tages.
Die zweite Masterarbeit befasste sich mit dem Einfluss der Jagd auf die Habitatsnutzung von Rehen. Die Resultate dieser Studie konnten zeigen, dass Rehe während der Jagdzeit tagsüber signifikant mehr Zeit im Wald verbringen als dies vor oder nach der Jagd der Fall ist, und dass diese Verhaltensänderung von der Nähe zu menschlichen Bauten abhängt.
Die dritte Masterarbeit führt eine Videovalidierung durch, um die von den Halsbändern automatisch aufgezeichneten Aktivitätsdaten eindeutig einem bestimmten Verhalten zuordnen zu können. Es hat den Anschein, als ob anhand der Aktivitätsdaten bis zu 9 verschiedene Verhalten klar unterschieden werden können.