In den letzten Jahren erfolgte in der Schweinezucht eine deutliche Steigerung der Wurfleistung. Da zunehmend Wurfgrössen erzielt werden, bei denen die Anzahl der lebendgeborenen Ferkel die Zahl der vorhandenen Zitzen übertrifft, müssen für die überzähligen Ferkel, zusätzlich zum schon praktizierten Wurfausgleich zwischen gleichzeitig abferkelnden Sauen, neue Formen der Aufzucht gefunden werden. Neben dem Umsetzen von Ferkeln an Ammensauen kommen technische Ferkelammen zum Einsatz. Dabei werden die Ferkel ab dem zweiten Lebenstag in solche Systeme verbracht und künstlich aufgezogen. Frühere Untersuchungen zum Segregated Early Weaning (SEW), bei dem die Ferkel zwischen 7 und 14 Tagen abgesetzt werden, haben gezeigt, dass es dabei zu Verhaltensstörungen wie Belly nosing (Bewühlen des Bauches eines Buchtgenossen) kommen kann. Da zu technischen Ferkelammen noch keine Untersuchungen vorliegen, soll das vorliegende Projekt Auskunft darüber geben, in welchem Ausmass sich das Verhalten (Aktivität, Nahrungsaufnahme, Aggressionen, Verhaltensstörungen) von frühabgesetzten Ferkeln in solchen Ammensystemen vom Verhalten von Ferkeln, die bei der Mutter verbleiben, unterscheidet.
Die Untersuchungen sollen an zwei verschiedenen technischen Ferkelammen durchgeführt werden, die im Rahmen des Prüf- und Bewilligungsverfahrens für serienmässig hergestellte Stalleinrichtungen zur Prüfung angemeldet sind. Für die Beurteilung der Ferkelamme "Rescue Deck" sollen Ferkel verschiedener Würfe im Versuchsstall der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART ab dem zweiten Lebenstag abgesetzt und ihr Verhalten aufgenommen und mit demjenigen von Ferkeln verglichen werden, die bei der Mutter verbleiben. Das zweite Ammensystem "Nursery" soll auf Praxisbetrieben untersucht werden. Zusätzlich sollen Erhebungen zur Gewichtsentwicklung durchgeführt werden.
Die Ergebnisse sollen dazu dienen, technische Ferkelammen im Rahmen des Prüf- und Bewilligungsverfahrens für serienmässig hergestellte Stalleinrichtungen zu beurteilen. Darüber hinaus können die Ergebnisse möglicherweise verwendet werden, um solche Ammensysteme im Hinblick auf die Tiergerechtheit zu optimieren. Mit praxisorientierten Informationen sollen die gewonnenen Erkenntnisse den Tierhaltenden vermittelt werden.