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Forschungsstelle
ASTRA SBT
Projektnummer
SVI2010/001
Projekttitel
Reklame im Strassenraum
Projekttitel Englisch
Publicity in Road Space

Texte zu diesem Projekt

 DeutschFranzösischItalienischEnglisch
Schlüsselwörter
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Kurzbeschreibung
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Projektbeschreibung
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Erwartete Erkenntnisse/ Nutzen, Nutzniesser
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Methoden
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Spezielle Geräte und Installationen
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Allgemeiner Stand der Forschung
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Projektziele
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Forschungsplan
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Umsetzung und Anwendungen
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Berichtsnummer
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Literatur
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Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)

Strassenverkehr, Verkehrssicherheit, Werbung, Strassenraum, Ablenkung

Schlüsselwörter
(Englisch)

Road Traffic, Traffic Security, Publicity, Public Spaces, Distraction

Kurzbeschreibung
(Deutsch)

Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist im Strassenraum keinerlei Ablenkung der Verkehrsteilnehmenden erwünscht. Aus Sicht der Werbung ist der Verkehrsraum ein idealer Ort, da dort viele potenzielle Kunden zu erwarten sind. Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Unter welchen Umständen (Verkehrs­ablauf, Strassenumfeld etc.) ist welche Art der Werbung tolerierbar? Zusätzlich ist zu untersuchen, wo im Strassenraum solche Ablenkung tolerierbar ist, denn die Aufmerksamkeit der Lenkenden ist im Strassen­raum unterschiedlich verteilt.

Diese Fragestellung soll mit Hilfe von zwei Forschungsmethoden untersucht werden: Eine Untersuchung mit dem Fahrsimulator erlaubt es, Aussagen zu machen über die Wirkung der einzelnen Werbeformen wie ihrer Interaktionen mit den Verkehrssituationen auf das Verhalten der Fahrzeuglenker. Gemessen werden das Blickverhalten, die laterale Abweichung des Fahrzeugs und die Reaktionszeit auf unerwartete Ereignisse. Mit der anschliessenden Befragung wollen wir herausfinden, ob und wie intensiv Personen die Ablenkung in den verschiedenen Situationen wahrnehmen. Für die Videobeobachtung zur Spurhal­tung bei unterschiedlicher Werbemitteln im Strassenraum sehen wir einen Feldversuch mit drei Situatio­nen vor: Einmal ohne Werbung, zwei Situationen mit unterschiedlichen Werbemitteln. Mit automatischer Auswertung der Videoaufnahmen wird ermittelt, welchen Einfluss die unterschiedlichen Werbemittel auf das Fahrverhalten von Verkehrsteilnehmern haben.
Kurzbeschreibung
(Englisch)

From the perspective of traffic safety in road space no distraction of road users is allowed. From the per­spective of advertising road space is an ideal place because many potential customers are passing. Hence the central research question: Under what circumstances (traffic flow, road environment, etc.) is what kind of advertising acceptable? In addition, it has to be examined where such distraction is tolerable, for the attention of the vehicle drivers is distributed unequally in the road space.

This question shall be investigated with the help of two research methods: a study with the driving simu­lator allows to make statements about the impact of different forms of advertising such as their interac­tions with the traffic situations on the behavior of drivers. It measures the gaze behavior, the lateral devia­tion of the vehicle and the response time to unexpected events. With the subsequent interview, we want to find out whether and how intensely people perceive the distraction. The field investigation by video monitoring of tracking in the road space shall analyze three different situations: one without advertising, two situations with different advertising media. With the help of automatic analysis of video recordings we will determine the influence of different advertising media on the behavior of road users.
Projektbeschreibung
(Deutsch)

Die Verkehrssicherheit verlangt, dass die Verkehrsteilnehmenden in keiner Weise von verkehrsrelevanten Faktoren abgelenkt werden. Aus Sicht der Werbung ist der Verkehrsraum ein idealer Ort für Werbung, da dort hohe Dichten von potenziellen Kunden zu erwarten sind. Daraus ergibt sich der Haupt-Widerspruch: Werbung will gesehen werden, will auffallen, das Verkehrsgeschehen jedoch benötigt im Prinzip die volle Aufmerksamkeit des Menschen. Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Unter welchen Um­ständen (Verkehrsablauf, Strassenumfeld etc.) ist welche Art der Werbung als "Zusatzablenkung" tole­rierbar? Zusätzlich ist zu untersuchen, wo im Strassenraum solche Ablenkung tolerierbar ist, denn die Aufmerksamkeit der Lenkenden ist im Strassenraum unterschiedlich verteilt.

Diese Fragestellung soll mit Hilfe von zwei Forschungsmethoden untersucht werden: Einer Simulatorstu­die mit anschliessender Befragung und einem Feldversuch mit Videobeobachtung der Spurhaltung bei unterschiedlichen Werbemitteln.

Die Simulatorstudie wird mit Hilfe eines Fahrsimulators durchgeführt. Es ist geplant, mindestens 4 Ver­kehrssituationen mit 4 oder 5 unterschiedlichen Formen der Werbung (z.B. nur Bilder, Bilder mit wenig bzw. viel Text, dynamische Form, keine Werbung) zu kombinieren. Für die Wahl der Standard-Verkehrs­situationen werden wir einerseits darauf Rücksicht nehmen, in welchen Situationen die grösste Nachfrage nach der Installation von Werbemitteln zu erwarten ist und anderseits in Betracht ziehen, wo sich solche Installationen besonders kritisch auswirken könnten.

Der Versuchsplan erlaubt es, Aussagen zu machen über die Wirkung der einzelnen Werbeformen wie auch ihrer Interaktionen mit den Verkehrssituationen auf das Verhalten der Fahrzeuglenker. Gemessen werden das Blickverhalten als Indikator der Aufmerksamkeit, die laterale Abweichung des Fahrzeugs vom Strassenrand und die Reaktionszeit auf unerwartete Ereignisse. Bei einem Versuchsplan mit vollständiger Messwiederholung benötigen wir 20-30 Personen, um mit einer Teststärke von 95% einen mittleren Effekt zu entdecken. Eine weitere wichtige Variable könnte das Alter der Fahrzeuglenker sein. Um 3 Stufen (jung, mittleres Alter, älter) abzudecken, verdreifacht sich die Zahl der Versuchspersonen. Mit verglei­chenden Tests am Anfang der Versuchsreihe werden wir abschätzen, ob mit allen drei Gruppen das volle Programm durchgespielt werden muss. Der vorgesehene finanzielle Rahmen ermöglicht uns, je nach Ergebnis der Tests den Versuchsplan mehr auf Breite oder auf Tiefe auszulegen. Anschliessend an das Simulatorexperiment befragen wir die Versuchspersonen zu ihrem subjektiven Eindruck der Ablenkung durch Werbung in der Simulatorsituation wie auch in der realen Verkehrssituation. Damit wollen wir herausfinden, ob und wie intensiv Personen die Ablenkung in den verschiedenen Situationen wahrneh­men und ob sie durch diese Art der Ablenkung in ihrer Fahrpraxis schon einmal in eine gefährliche Situa­tion geraten sind.

Für die Videobeobachtung zur Spurhaltung bei unterschiedlicher Werbemitteln im Strassenraum sehen wir einen Feldversuch bei klar definierten äusseren Bedingungen (Tageszeit, Witterung, Verkehrsdichte) am gleichen Standort mit drei unterschiedlichen Situationen vor: Einmal ohne Werbung, zwei Situationen mit unterschiedlicher Werbung. Mit geeigneten Verfahren zur automatischen Auswertung der Videoauf­nahmen wird ermittelt, welchen Einfluss die unterschiedlichen Werbemittel auf das Fahrverhalten von Verkehrsteilnehmern haben, die nicht wissen, dass sie an einem Test teilnehmen. Wir gehen davon aus, dass wir die Messungen pro Situation für jeweils mindestens 800 bis 1000 Fahrzeuge durchführen wer­den, um eine ausreichende Basis für eine signifikante Aussage über die unterschiedliche Einhaltung der „Ideallinie“ zu erhalten. Anschliessend wird es möglich sein, die Resultate dieses Experimentes mit unbe­einflussten Verkehrsteilnehmern mit denen der Fahrsimulatorstudie (mit Versuchspersonen in einer Test­situation) zu vergleichen.

Die Erkenntnisse aus der Arbeit liefern eine Grundlage für die Beurteilung von Vorhaben für Werbemittel im Bereich von Strassenanlagen durch die Bewilligungsbehörden. Es wird ein Beurteilungsinstrument erarbeitet, das den Entscheidträgern einen möglichst einfachen Massstab zur Beurteilung solcher Vorha­ben bietet. Das Instrument soll die wesentlichen Faktoren und Grundlagen, die zu einer Beurteilung und zu einem Entscheid führen, transparent machen und dazu beitragen, dass Zulassung oder Ablehnung von Reklameanlagen fachlich korrekt und nachvollziehbar begründet sind. Das Instrument kann als Mus­terreglement angewendet und fallweise an die eigenen, ortsspezifischen Verhältnisse angepasst werden.

(Ausführliche Projektbeschreibung siehe Anhang 1)

Erwartete Erkenntnisse/ Nutzen, Nutzniesser
(Deutsch)

Nachweis der Wirkung von Reklame im Strassenraum auf das Verkehrsverhalten und die Aufmerksam­keit, differenziert nach Art der Reklame, relevanten Standardsituationen des Strassenraumes und häufig anzutreffenden Verkehrssituationen.

Den Bewilligungsbehörden wird ein Beurteilungsinstrument zur Verfügung gestellt, das einen möglichst einfachen Massstab zur Beurteilung von Vorhaben für Werbemittel im Bereich von Strassenanlagen bie­tet. Die Ergebnisse werden in einem SVI-Merkblatt so aufbereitet, dass Verkehrsfachleute die Erkennt­nisse in ihrer Arbeit berücksichtigen können.
Methoden
(Deutsch)

In der ersten Phase der Forschungsarbeit sind die benötigten Grundlagen zusammenzustellen und auf­zubereiten. Dies umfasst folgende Themen:

Art der zu untersuchenden Werbemittel: Welches sind die heute üblichen Formen der Reklame im Stras­senraum? Wie sehen die Entwicklungstrends aus: Mit welchen bekannten und welchen neuartigen For­men der Reklame muss für den Einsatz im Strassenraum gerechnet werden?

Grundlagen zur Wahrnehmung: Es sind die wichtigsten Erkenntnisse über Wahrnehmung und Aufmerk­samkeit aus der Psychologie zusammenzustellen, um das Verständnis der anschliessenden Aussagen auch für Techniker zu erleichtern.

Literaturrecherche: Wir sehen vor, die (teilweise bereits oben angeführten) Untersuchungen zum Thema Werbung im Strassenraum, "Ablenkungspotenzial" von Reklame aus dem In- und Ausland systematisch auszuwerten, um das Untersuchungsgebiet wenn möglich einschränken zu können: Sachverhalte, zu denen eindeutige und unwidersprochene Resultate vorliegen, müssen in den anschliessenden Untersu­chungen nicht oder nur in geringerem Umfang wiederholt werden.

Rechtsgrundlagen: Die vorhandenen Rechtsgrundlagen zur Bewilligungspraxis von Werbung im Stras­senraum sind einerseits für die Schweiz und anderseits für das Ausland zusammenzustellen, um die jeweiligen Handlungsspielräume auszuloten.

Einflussfaktoren

Aus den theoretischen Grundlagen und den praktischen Erfahrungen des Forschungsteams sind Ein­flussfaktoren abzuleiten, die die "Ablenkbarkeit" der Verkehrsteilnehmenden beeinflussen, wie:

• Verkehrsablauf und –dichte

• Verkehrsmittelmix

• Gestaltung und Abgrenzung des Strassenraums

• Bebauung und Nutzung im Umfeld der Strasse

• Tageslicht/Sonne und Beleuchtung Nacht

• Signale und Markierungen

• Reklame von Geschäften im Strassenraum

Aus der Kombination dieser Einflussfaktoren ist eine Anzahl von Standardsituationen abzuleiten, für die unterschiedliche Regelungen bezüglich Reklame im Strassenraum sachlich gerechtfertigt sind. Wir gehen davon aus, dass wir mindestens vier, maximal acht Standardsituationen festlegen werden, für die wir die Zulässigkeit bzw. Unbedenklichkeit von verschiedenen Formen der Werbung untersuchen wollen.

Wir halten es allerdings auch für möglich, dass die Festlegung der zu untersuchenden Situationen schrittweise erfolgt:

1. Gibt es aus den Grundlagen Ergebnisse/Erkenntnisse, die schlüssig einen gewissen Teil von Reklame oder bestimmte Teile von Strassenräumen von vornherein ausschliessen?

2. Gibt es eine Faktorengruppe (z.B. Bestandteile des Strassennetzes, Umfeldnutzung oder Bebau­ungsdichte), welche für das Mass der zulässigen Ablenkung bestimmend ist bzw. den Einfluss anderer Faktoren klar dominieren?

3. Definition der Gruppen bzw. Standardsituationen.

Mögliche Untersuchungsmethoden

Anschliessend sind für die definierten Standardsituationen die einzusetzenden Untersuchungsmethoden festzulegen und es ist zu definieren, in welchem Rahmen die Standardsituationen innerhalb der einzelnen Methoden variiert werden sollen. Grundsätzlich kommen dafür folgende Methoden in Frage:

Simulatorstudie: Vergleich von Reaktionen von Testpersonen im Fahrsimulator auf unterschiedliche Arten von Werbemitteln (statische Werbetafeln nur mit Bildern oder auch mit mehr oder weniger ausführlichen Texten, digitale Werbetafeln, allenfalls unterteilt nach Ausmass der dynamischen Effekte und der Licht­stärke) mit der Kontrollsituation ohne Werbung unter verschiedenen Bedingungen der Verkehrssituation (definierte Standardsituationen), die unterschiedliche Verarbeitungskapazität erfordern, zusätzlich Einbau von kritischen Situationen (z.B. plötzliches Abbremsen des voranfahrenden Fahrzeugs, Ball, der auf die Strasse rollt). Gemessen werden Blickverhalten als Indikator der Aufmerksamkeit, Lenkgenauigkeit, Reaktionszeit auf kritische Ereignisse etc.

Befragung im Anschluss an Simulatorstudie: Mit Hilfe von Befragungen der Testpersonen direkt nach den Simulatortests lässt sich herausfinden, wie die Situationen subjektiv empfunden wurden und es ist mög­lich, Korrelationen zwischen Einschätzung und gemessener Reaktion herauszufinden.

Fahrversuche auf Testgelände: Bei Fahrversuchen auf einem Testgelände können abseits vom allgemei­nen Verkehrsgeschehen Versuche unternommen werden, die die Reaktionen der Testpersonen auf ver­schiedene Formen von Werbemitteln mit verschiedenen Mitteln registrieren und auswerten können. Im Vergleich zu Simulatorstudien haben solche Fahrversuche mehr Praxisnähe, allerdings muss mit einem bedeutend höheren Aufwand (Einrichtung des Testgeländes, Ausstattung des Fahrzeugs) gerechnet werden.

Fahrversuche im Verkehrsraum: Bei Fahrversuchen im Verkehrsraum werden die Reaktionen von Test­personen auf verschiedene Formen von Werbemitteln registriert und auswertet. Im Vergleich zu Fahrver­suchen auf Testgelände haben solche Fahrversuche noch mehr Praxisnähe, allerdings ist der Aufwand noch einmal höher.

Videobeobachtung Spurhaltung mit unterschiedlicher Reklame: Feldversuch bei klar definierten äusseren Bedingungen (z.B. Tageszeit, Witterung und Verkehrsdichte) und verschiedenen Formen der Werbung: Mit Hilfe von automatischer Bildauswertungssoftware kann z.B. der Abstand des Fahrzeuges zu mehre­ren über die beobachtete Strecke verteilten Fixpunkten am Strassenrand gemessen werden. Weitere Ansätze auf Grundlage der Videoaufnahmen ergeben sich durch die Verfolgung der Fahrzeuge und automatische Erzeugung von sogenannten "Tracking-Linien". Auf Basis dieser "Tracking-Linien" können dann z.B. die Abweichungen des Fahrzeugs von einer Ideallinie oder die Einfahrten des Fahrzeugs in nicht ideale Fahrbahnbereiche ermittelt werden.

Im Vergleich zur Simulatorstudie können weniger unterschiedliche Situationen getestet werden. Der grosse Unterschied besteht darin, dass statt Testpersonen zufällig vorbeifahrende, nicht beeinflusste Verkehrsteilnehmende beobachtet werden können und dass eine grosse Anzahl von Fahrzeugen ausge­wertet werden kann.

Fazit

Wir halten es für wichtig, dass der Methodenmix sowohl eine Untersuchung mit Versuchspersonen als auch eine Untersuchung mit Personen, die nicht wissen, dass sie sich in einer Testsituation befinden, umfasst. Da im Fahrsimulator mit dem gleichen Aufwand wesentlich mehr Versuchssituationen durchge­spielt werden können als im konkreten Fahrversuch, haben wir dieser Methode den Vorzug gegeben.

Gewählte Untersuchungsmethoden

Aus den oben erwähnten Gründen haben wir uns dafür entschieden, folgende Untersuchungsmethoden anzuwenden:

• Simulatorstudie mit anschliessender Befragung

• Videobeobachtung Spurhaltung im Feldversuch

Diese Kombination verbindet die Vorteile des Simulators (grosse Freiheit bei der Untersuchung unter­schiedlichster Situationen und grosse Bearbeitungstiefe) mit einer Untersuchung des Verhaltens von nicht beeinflussten Personen.

Als Schwerpunkt unserer Untersuchungen haben wir eine Simulatorstudie mit anschliessender Befragung gewählt. Dafür steht uns der Fahrsimulator der ETH Zürich mit geeigneter Software und Programmie­rungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wir planen mindestens 4 Verkehrssituationen mit 4 oder 5 Formen der Werbung (z.B. nur Bilder, Bilder mit wenig bzw. viel Text, dynamische Form, keine Werbung) zu kom­binieren. Dieser Versuchsplan erlaubt uns, Aussagen zu machen über die Wirkung der einzelnen Wer­beformen wie auch ihrer Interaktionen mit den Verkehrssituationen auf das Verhalten der Fahrzeuglenker. Als Verhaltensmasse beabsichtigen wir, das Blickverhalten als Indikator der Aufmerksamkeit, die laterale Abweichung des Fahrzeugs vom Strassenrand und die Reaktionszeit auf unerwartete Ereignisse zu erheben. Bei einem Versuchsplan mit vollständiger Messwiederholung benötigen wir 20-30 Personen, um mit einer Teststärke von 95% einen mittleren Effekt zu entdecken. Eine weitere wichtige Variable könnte das Alter der Fahrzeuglenker sein. Um 3 Stufen (jung, mittleres Alter, älter) abzudecken, verdreifacht sich die Zahl der Versuchspersonen. Mit vergleichenden Tests am Anfang der Versuchsreihe werden wir abschätzen, ob mit allen drei Gruppen das volle Programm durchgespielt werden muss. Der vorgesehene finanzielle Rahmen ermöglicht uns, je nach Ergebnis der Tests, den Versuchsplan mehr auf Breite oder auf Tiefe auszulegen. Anschliessend an das Simulatorexperiment befragen wir die Versuchspersonen zu ihrem subjektiven Eindruck der Ablenkung durch Werbung in der Simulatorsituation wie auch in der rea­len Verkehrssituation. Damit wollen wir herausfinden, ob und wie intensiv Personen die Ablenkung in den verschiedenen Situationen wahrnehmen und ob sie durch diese Art der Ablenkung in ihrer Fahrpraxis schon einmal in eine gefährliche Situation geraten sind.

Videobeobachtung Spurhaltung mit unterschiedlicher Reklame: Wir sehen einen Feldversuch bei einge­schränkten äusseren Bedingungen bezüglich Tageszeit, Witterung und Verkehrsdichte am gleichen Standort mit drei unterschiedlichen Situationen vor: Einmal ohne Werbung, zwei Situationen mit unter­schiedlicher Werbung. Die Wahl eines geeigneten Verfahrens zur automatischen Auswertung der Video­aufnahmen hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Für weitere Abklärungen stehen wir mit Spezia­listen für solche Videoauswertungssysteme in Kontakt. Wir gehen davon aus, dass wir die Messungen pro Situation für jeweils mindestens 800 bis 1000 Fahrzeuge durchführen werden, um eine ausreichende Basis für eine signifikante Aussage über die unterschiedliche Einhaltung der „Ideallinie“ zu erhalten. Anschliessend wird es möglich sein, diese Resultate an unbeeinflussten Verkehrsteilnehmern mit denen der Fahrsimulatorstudie zu vergleichen.

Auswertungen und Beurteilungsinstrument

Resultat der Untersuchungen muss sein, dass die Ablenkungspotenziale – und damit die Potenziale zur Verminderung der Verkehrssicherheit – in Funktion der eingesetzten Werbemittel und der Verkehrs- und Strassenraumsituation beschrieben und bewertet werden können. Dabei ist nicht nur das zusätzliche Ablenkungspotenzial durch die Werbemittel von Bedeutung, sondern auch die Inanspruchnahme der Verkehrsteilnehmenden durch Verkehrsablauf und Umfeld: In an und für sich schon kritischen Situationen kann auch ein geringer zusätzlicher äusserlicher Einfluss einen stark negativen Einfluss auf die Verkehrs­sicherheit haben, während in anderen Situationen trotz starker Ablenkung der Einfluss auf das Verkehrs­verhalten und damit auf die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmenden gering ist.

Die Beurteilungsinstrumente werden analog zur Auswertung aufgebaut werden: Aus der groben Typisie­rung der Verkehrs- und Strassenraumsituation wie der geplanten Werbemittel werden die Anwenderin und der Anwender zur Beurteilung geführt, ob das Werbemittel in diesem Kontext problemlos eingesetzt werden kann, nicht zu vertreten ist oder welche Teilaspekte auf Grund einer verfeinerten Typisierung vertieft zu berücksichtigen sind (z.B. Fussgängerverkehr - allenfalls unterteilt nach unterschiedlichen Gruppen, Abbiegebeziehungen, Sichtverhältnisse).

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir auch summarisch auf weitere Faktoren eingehen werden, die den Einsatz von Werbemitteln einschränken könnten (Orts- und Landschaftsbild etc.). Diese werden aber nicht weiter untersucht, sondern nur pro memoria in den Beurteilungsinstrumenten erwähnt.
Spezielle Geräte und Installationen
(Deutsch)

Für die Simulatorstudie sind wir auf einen Fahrsimulator angewiesen, der entsprechend unserer Frage­stellung programmiert werden kann. Einen solchen kann die ETH zur Verfügung stellen.

Für die Auswertung der Videobeobachtungen im Feld ist eine spezielle Auswertesoftware nötig, die die Firma Siemens zur Verfügung stellen kann.
Allgemeiner Stand der Forschung
(Deutsch)

Die Frage, ob Reklame im Strassenraum eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer bewirkt, wurde auf zwei Arten untersucht. Einerseits wurde die Zahl der Unfälle im Sichtbereich von Werbetafeln mit der Zahl von Unfällen an vergleichbaren Orten ohne Werbetafeln oder vor und nach dem Anbringen von Reklame statistisch verglichen. Andererseits wurde das Blickverhalten und damit die Aufmerksamkeitszuwendung von Versuchspersonen erhoben, die in einem Simulator oder im Feld eine Strecke mit verschiedenen Reklametafeln abfahren mussten. Dabei wurde in den meisten Fällen auch die Position des Fahrzeugs auf der Fahrbahn und damit die Lenkgenauigkeit gemessen sowie Reaktionszeiten auf unerwartete Ereignisse.

Interessante Resultate zum Thema der Aufmerksamkeit bzw. Unaufmerksamkeit der Autofahrenden erwarten wir von der aktuellen SVI-Forschungsarbeit "Unfallursache "Unaufmerksamkeit und Ablenkung": Was macht der Mensch am Steuer?", die gemäss Planung noch vor Ende 2010 abgeschlossen werden sollte. Interes¬sant wird auch der Vergleich mit ausländischen Untersuchungen zum gleichen Thema sein wie z.B. Liang J. & Lee J.D. (2010), Crundall D., Van Loon E. & Underwood G. (2006) und Konstanto­poulos P., Chapman, P. & Crundall, D. (2010).

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU hat sich auch schon verschiedentlich mit der Thematik der Zulässigkeit und Bewilligung von Reklame im Strassenraum auseinandergesetzt. So hat sie in verschie­denen Fällen Einzelfallbeurteilungen verfasst, Ansätze zu einem Positionspapier entworfen und ist aktuell dabei, die Zuständigkeit für die Bewilligungen in den verschiedenen Kantonen abzuklären, um gemein­sam mit den Interessierten allenfalls einheitlichere Richtlinien zu entwerfen. Die BfU ist deshalb – auch wenn sie aus Ressourcengründen keine Person für die Mitwirkung in der Begleitkommission zur Verfü­gung stellen kann – an der Thematik interessiert und hat uns zugesichert, dass wir die entsprechenden Unterlagen auswerten können.

Unfallstudien, die in den USA seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurden und im Bericht von Wachtel & Netherton (1980) zusammengefasst sind, zeigen eine deutliche Häufung von Unfällen im Sichtbereich von Werbetafeln. An Knoten mit 4 oder mehr Werbetafeln fanden dreimal mehr Unfälle statt als an Knoten ohne Werbetafeln. Allerdings können solche korrelativen Ergebnisse nicht kausal interpretiert werden.

Im Unterschied dazu können experimentelle Studien den Einfluss von Werbetafeln in verschiedenen Verkehrssituationen auf das Verhalten von Fahrzeuglenkern aufzeigen. Die Zahl solcher Studien ist noch spärlich und die Resultate sind nicht eindeutig. In einem Feldexperiment (Lee, Olson & DeHart, 2004) und in einem Simulatorexperiment (Schollerer, Stricker, Sury & Groner, 2007) konnte kein Einfluss von kon­ventionellen, statischen Werbetafeln auf das Blickverhalten, die Geschwindigkeit und die laterale Position des Fahrzeugs nachgewiesen werden. Hingegen fanden Bendak & Al-Saleh (2010) in einer Simulatorstu­die, dass die Anwesenheit von Werbetafeln das Einhalten der Spur beeinträchtigte und zu unvorsichtigem Befahren von gefährlichen Kreuzungen führte.

In den letzten Jahren wurden in den USA statische Werbetafeln zunehmend durch digitale ersetzt. Diese bestehen aus einer Matrix von LEDs, die Licht von hoher Intensität aussenden und damit grosse Kon­traste erzeugen. Die Reklamebilder werden alle 4-10 sec gewechselt und es können auch Videosequen­zen gezeigt werden. Aus der Wahrnehmungspsychologie ist bekannt, dass hohe Kontraste und insbe­sondere das Auftauchen und Verschwinden von Reizen sowie bewegte Reize die Aufmerksamkeit von Betrachtern automatisch auf sich ziehen. Dies konnten Beijer, Smiley & Eizenmann (2004) in einem Feld­experiment mit Werbetafeln, die Videosequenzen zeigten, bestätigen. Die Versuchspersonen schauten öfters und länger auf die videoanimierten als auf die statischen Werbetafeln. Daher besteht die berech­tigte Sorge, dass solche Werbetafeln die Verkehrssicherheit gefährden können.

Die viel beachtete Vitti-Studie von Lee, McElheny & Gibbons (2007) zeigte keine Unterschiede im Blick­verhalten und in der Lenkgenauigkeit zwischen digitalen Werbetafeln und ähnlichen Reizen im städti­schen Umfeld. Daraufhin wurden Bestimmungen zur Einschränkung von digitalen Werbetafeln in den USA gelockert. Später wurde bekannt, dass diese Studie von der Outdoor Advertising Association of America in Auftrag gegeben worden war. Eine kritische Beleuchtung der verwendeten Methoden in einem Bericht von Wachtel (2007) entfachte eine heftige Diskussion in den USA über das Gefährdungspotenzial digitaler Werbetafeln, in deren Folge viele Städte diese Art von Reklame im Strassenraum verboten oder ein Moratorium einführten. Man wartet nun auf weitere Resultate aus der Forschung.

Weitere Aspekte zum Thema enthalten der Forschungsbericht „Notwendigkeit und Zweckmässigkeit von Besonderen Markierungen; Expertenbericht, Boss et Partenaires/GrobPlanung/Uni Bern (Marina Groner), Bern 2001, Hrsg. ASTRA oder auch der Artikel "Reklame im Strassenraum – ein Verkehrssicherheitsri­siko?" von lic. jur M. Guggi, Dienstabteilung Verkehr Stadt Zürich (in VK-Bulletin Nr. 7/8 2009).

Bewilligungspraxis

Die heutige Bewilligungspraxis ist sehr heterogen: Verschiedene Gemeinden und Kantone haben ihre eigenen Reglemente bzw. Richtlinien (Beispiele: Richtlinien für die Plakatwerbung der Stadt Baden, Ver­ordnung des Kantons Solothurn "Richtlinien für Reklamen"). Für das Merkblatt: "Reklamen im Strassen­raum, Beispielsammlung basierend auf der Bewilligungspraxis von 5 Kantonen plus Stadt Zürich" haben sich immerhin einige Stellen zu einer gemeinsamen Arbeitshilfe gefunden. Ein Beispiel aus dem benach­barten Ausland ist die Praxishilfe aus Nordrhein-Westfalen: Plakatwerbung ausserhalb geschlossener Ortschaften", Gelsenkirchen März 2010.

Ein aktueller Entscheid (Zustimmung der ständerätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen im Januar 2010) zu einer parlamentarischen Initiative „Feldwerbung als Nebenerwerb für Schweizer Bau­ern“ könnte ebenfalls Auswirkungen auf die Bewilligungspraxis haben: Zwar wird darin verlangt, dass "die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt wird", aber es wird gleichzeitig festgehalten, dass "die Bewilli­gungspflicht entfällt".

Forschungsbedarf

Die Nachfrage nach dem Einsatz von Werbemitteln im Strassenraum wird weiter zunehmen. Durch die erweiterten technischen Möglichkeiten ist davon auszugehen, dass die Vielfalt der eingesetzten Medien tendenziell zunehmen wird. Es ist auch anzunehmen, dass sich die Tendenz aus den USA zum ver­mehrten Einsatz digitaler und dynamischer Mittel auch bei uns auswirken wird. Da die bestehenden Regelungen diese Art der Reklame noch nicht berücksichtigen und die Bewilligungspraxis uneinheitlich und teilweise sogar widersprüchlich ist, besteht ein ausgewiesener Bedarf nach umfassenden Untersu­chungen der Auswirkungen von Reklame im Strassenraum und entsprechenden Empfehlungen zur Bewilligungspraxis.
Projektziele
(Deutsch)
Als Ziel der Forschungsarbeit werden wissenschaftlich fundierte, trennscharfe und nachvollziehbare Krite­rien zur Beurteilung von Reklamestandorten im öffentlichen und privaten Strassenraum definiert. Durch ihre systematische Darstellung in Form eines Entscheidungsinstruments sollen Einreichung wie auch Bewilligung von Reklamegesuchen unterstützt werden.
Projektziele
(Englisch)
The goal of the research is the definition of scientifically based, selective and reproducible criteria for the evaluation of advertising sites in the public and private road space. The systematic presentation in the form of a decision instrument shall support the submission as well as the approval of advertising applications.
Forschungsplan
(Deutsch)

2010

2011

2012

Semester II

Semester I

Semester II

Semester I

Semester II

Auftragsvergabe

u

Grundlagen

BK: Startsitzung, Standard­situationen

u

Einflussfaktoren und Stan­dardsituationen

BK: Entscheid Untersu­chungsdetails

u

Untersuchungen

BK: Erste Resultate, ev. mit Demonstration

u

Auswertung und Beurtei­lungsinstrument

BK: Konzept Publikation

u

Berichterstattung und SVI-Merkblatt

BK: Schlussredaktion

u

Legende: Offerierte Leistungen
u Fixpunkte bzw. Meilensteine

BK Sitzung der Begleitkommission

Umsetzung und Anwendungen
(Deutsch)

Das geplante Beurteilungsinstrument soll den Entscheidträgern als Hilfsmittel zur Beurteilung solcher Vorhaben dienen, damit die Umsetzung zügig und innerhalb eines einigermassen einheitlichen fachlichen Rahmens erfolgen kann. Das Instrument soll die wesentlichen Faktoren und Grundlagen, die zu einer Beurteilung und zu einem Entscheid führen, transparent machen. Dadurch kann das Instrument als „Musterreglement“ angewendet und fallweise an die eigenen, ortsspezifischen Verhältnisse angepasst werden.

Die Inhalte des Beurteilungsinstrumentes werden für die Erstellung eines SVI-Merkblattes zum Thema aufbereitet.
Berichtsnummer
(Deutsch)
1557
Berichtsnummer
(Englisch)
1557
Literatur
(Deutsch)

Beijer, D.D., Smiley, A. & Eizenman, M. (2004) Observed driver glance behavior at roadside advertising. Transportation Research Record, No 1899, 96-103.

Bendak, S. & Al-Saleh, K. (2010) The role of roadside advertising signs in distracting drivers. International Journal of Industrial Ergonomics, 40, 233-236.

Lee, S.E., Olsen, E.C.B. & DeHart, M.C. (2004) Driving performance in the presence and absence of billboards. Report commissioned by the Foundation for Outdoor Advertising Research.

Lee, S.E., McElheny, M.J. & Gibbons, R. (2007) Driving performance and digital billboards. Report com­missioned by the Foundation for Outdoor Advertising Research. Virginia Tech Transportation Institute.

Schollerer, E., Stricker, D., Sury, P. & Groner, M.T. (2007) Fahrverhalten und Werbung. Verkehrsfor­schung online, 4, 1-13.

Wachtel, J. (2007) A critical comprehensive review of two studies recently released by the Outdoor Advertising Association of America. Maryland State Highway Administration.

Wachtel, J & Netherton, R. (1980) Safety and environmental design considerations in the use of commer­cial electronic variable-message signage. Federal Highway Administration, Washington, DC.