Seit dem Jahr 2000 setzt sich das Schweizerische Tropen und Public Health Institut (Swiss TPH) in Basel auf Initiative und in enger Zusammenarbeit mit den tschadischen Behörden für die Bekämpfung und Ausrottung der Tollwut in N’Djamena ein. Wie in vielen weiteren afrikanischen und asiatischen Ländern ist die Tollwut im Tschad noch immer endemisch vorhanden. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich mehr als 55’000 Menschen an dieser Krankheit, wobei die Befürchtung besteht, dass diese Zahl aufgrund einer hohen Dunkelziffer noch weit höher liegen mag. Das hauptsächliche Reservoir des Virus stellt die in vielen Entwicklungsländern zum Teil unbeaufsichtigte Haushundepopulation dar, welche die grösste Gefahr für die Übertragung auf den Menschen ist. Zur Bekämpfung der Erkrankung sieht das tschadische Gesetz immer noch die Tötung der streunenden Hunde vor, was jedoch nicht anwendbar ist und bisher keinen Erfolg brachte. Massnahmen gegen die Infektion beim Menschen beschränken sich auf die Verabreichung einer post-expositionellen Prophylaxe (PEP) an von Hunden gebissene Personen. Diese Impfstoffe sind jedoch für viele Personen nicht zugänglich und/oder kaum zu bezahlen. Für eine langfristig wirksame Bekämpfung oder gar Ausrottung der Tollwut ist es nötig, die Übertragung der Tollwut zwischen Haushunden zu unterbrechen. Das hochgesteckte, aber durchaus erreichbare Ziel dieses Projektes ist es, die Tollwut aus dem Stadtgebiet von N’Djamena zu verdrängen und damit ein Modell-Beispiel zu setzen für die Bekämpfung der Tollwut in weiteren Städten der Sahelzone. Ein erster Schritt dazu wurde gemacht durch die Einführung der Immunofluoreszenz Diagnostik am Laboratoire de Recherches Véterinaires et Zootechnique de Farcha (LRVZ). Damit konnte die Inzidenz der Hundetollwut in N’Djamena evaluiert werden. Eine Pilotimpfkampagne hat zudem gezeigt, dass ein erreichen von 70% der Hundepopulation N’Djamenas durchaus möglich ist, da nur wenige Hunde tatsächlich besitzerlos sind. Jedoch hat eine weitere Impfkampagne gezeigt, dass eine hohe Impfbeteiligung nur erreicht werden kann, wenn die Impfdosen gratis abgegeben werden. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde eine Kosteneffizienzstudie erstellt. Ein Hund-Mensch Übertragungsmodell sagt voraus, dass in N’Djamena ab einem Zeitraum von sechs Jahren, die Impfung von Hunden kostengünstiger ist als alleinige PEP Behandlung von tollwut-exponierter Personen. Dieses Modell kann nun in einer breit angelegten Impfkampagne angewendet und validiert werden. Gleichzeitig soll das Modell, laufend verbessert werden. Noch unbekannt, und daher nicht in das Modell eingeflossen, ist das Risiko einer Wiedereinführung des Virus in die Stadt durch latent infizierte einwandernde oder importierte Hunde. Diesen Faktor zu ermitteln, soll nun Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen sein. Es werden dazu verschiedene Herangehensweisen genutzt.
- Ausdehnung der Tollwut Inzidenzstudie auf Aussenquartiere und umgebende ländliche Gebiete.
- Evaluation der genetischen Differenzen zwischen Virus Isolaten in naher Umgebung von N’Djaména und in der Stadt.
- Schätzung der Hunde Dichte am Übergang zwischen Stadt und Land.