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Research unit
SECO
Project number
2008-DA-AB-11
Project title
Mangelnde Work-Life Balance und Rückenschmerzen

Texts for this project

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Abstract
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CategoryText
Abstract
(German)

Vor dem Hintergrund eines gewandelten Rollenverständnisses und einer

zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Müttern ist heutzutage

in der Schweiz eine immer grösser werdende Zahl von Erwerbstätigen

konfrontiert sowohl mit beruflichen Anforderungen als auch mit privaten

bzw. familiären Verpflichtungen und insbesondere herausgefordert durch

eine zunehmende zeitliche Inanspruchnahme im Erwerbs- wie auch im

Privatleben. Rollenkonflikte und Zeitnöte treten infolgedessen auf und

sind Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts, einer mangelnden Vereinbarkeit

und fehlenden Balance zwischen dem Erwerbsleben („work“)

und dem Privatleben („life“). Das Problem verschärft sich zusätzlich

durch die Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt, die zunehmende Flexibilisierung

und Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und die damit einhergehende

fortschreitende „Erosion der Normalarbeit“, was zu steigenden

Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit und zu einer

schlechter planbaren Familien- und Freizeitgestaltung führt.

 

Die Thematik oder Problematik der Work-Life Balance bzw. Imbalance

ist inzwischen auch in den Fokus der Wissenschaft gerückt und wird

zwar erst seit einigen Jahren, dafür aber umso ausgiebiger erforscht. Es

hat sich dazu mittlerweile eine eigene Forschungstradition entwickelt, bei

der es zentral um die Erforschung von Ursachen und Auswirkungen von

Rollenkonflikten im Spannungsfeld von Beruf und Familie geht. Dieser

noch sehr junge Forschungszweig ist allerdings hauptsächlich auf den

englischsprachigen und insbesondere nordamerikanischen Raum limitiert.

Im deutschsprachigen Raum und insbesondere in der Schweiz ist

hierzu eine eigentliche Daten- und Forschungslücke festzustellen. Ein

Forschungs- und Erkenntnisdefizit besteht ausserdem im Hinblick auf die

Auswirkungen besagter Rollenkonflikte. Zwar konnten neben arbeitsbezogenen

insbesondere auch gesundheitliche Effekte nachgewiesen werden

wie beispielsweise Stress, Burnout, Erschöpfung sowie verschiedene

andere psychosomatische Symptome und psychiatrische Störungen. Doch

muskuloskelettale Beschwerden als mögliche Outcomes wurden in diesem

Zusammenhang bislang noch überhaupt nicht untersucht.

 

Umgekehrt sind in der etablierten Forschung zu muskuloskelettalen Erkrankungen

und insbesondere Rückenschmerzen Rollenkonflikte und

Vereinbarkeitsprobleme zwischen Erwerbs- und Privatleben als potenzielle

Einflussfaktoren bislang ebenfalls nicht näher untersucht worden.

Und dies obschon bekannt ist und zahlreiche Studien gezeigt haben, dass

sowohl das Auftreten wie der Verlauf von muskuloskelettalen Beschwer

den multifaktoriell bedingt ist. Zu den wichtigsten bekannten Ursachen

bzw. Risikofaktoren zählen neben dem Alter und der Zugehörigkeit zum

weiblichen Geschlecht und zu einer niedrigen sozialen Schicht insbesondere

auch physische und psychosoziale Arbeitsbedingungen wie zum

Beispiel das Tragen schwerer Lasten, ungünstige Körperhaltungen und

repetitive Tätigkeiten sowie Stress, fehlende Autonomie oder geringe

Arbeitszufriedenheit. Eine mangelnde Work-Life Balance als Risikofaktor

ist vorerst unentdeckt geblieben. Zwischen dem noch jungen Forschungszweig

rund ums Thema Work-Family Conflict und der etablierten

Forschung zu muskuloskelettalen Erkrankungen existierten also bislang

keine inhaltlichen Berührungspunkte.