Gemäss der Richtlinie 2004/54/EC des Europäischen Parlaments sollen alle Mitgliederstaaten auf nationaler Ebene über ‚detailierte und klar definierte Methoden‘ zur Risikoanalyse in Strassentunneln verfügen und die Kommission über diese Methoden informieren. Die Methoden sollen der verfügbaren ‚Besten Praxis‘ entsprechen und mittelfristig eventuell zu einer einheitlichen, europaweit gültigen Methodik zusammengeführt werden.
Das vorliegende Forschungsprojekt hat die Entwicklung einer ‚Beste Praxis‘ Methode für die Risikoanalyse von Strassentunneln zum Ziel. Die ‚Beste Praxis‘ Methode ist prinzipiell anwendbar für europäische Strassentunnel, wird aber insbesondere auf Tunneltypen und regulative Rahmenbedingungen, welche in der Schweiz und in Norwegen von Bedeutung sind, zugeschnitten sein.
Die ‚Beste Praxis‘ Methode wird entwickelt, um Entscheidungen bezüglich der Planung, des Betriebes und des Unterhalts von Strassentunneln zu unterstützen. Die Methode hat folgende Eigenschaften:
Zielgerichtet: Die Methode unterstützt die relevanten Entscheidungen bezüglich der Planung, des Betriebes und des Unterhalts von Strassentunneln. Entscheidungen zielen darauf ab, die Mindestsicherheitsanforderungen einzuhalten und die verfügbaren Mittel optimal in risikoreduzierende Massnahmen einzusetzen.
Wegweisend: Die Methode manifestiert eine ‚Beste Praxis‘ und vereint den Stand der Forschung und Technik im Verkehrsingenieurwesen und im Bereich der Risiko und Sicherheitsforschung.
Konsistent: Unsicherheiten und kausale Zusammenhänge in der Risikomodellierung werden mithilfe von Bayes’schen Netzen modelliert. Dies erlaubt eine konsistente Berücksichtigung von neuer Information, z.B. in Form von Daten oder verbesserten Modellen.
Transparent: Die Methodik ist transparent dokumentiert und erlaubt eine kontinuierliche kritische Reflektion und ggfs. Verfeinerung und Verbesserung der verwendeten Modelle, wenn neue Forschungsergebnisse und Erfahrungen zur Verfügung stehen.
Umsetzbar: Die Methode wird in ein MS-Excel© basiertes Software Tool implementiert. Der Anwender benötigt keine speziellen Kenntnisse in der probabilistischen Modellierung und Risikoanalysen können effizient durchgeführt werden. Die einfache Anwendbarkeit wird anhand von Fallbeispielen demonstriert.
Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes werden in einen technischen Bericht zusammengestellt. Er enthält eine vollständige Dokumentation der Methode mit Sensitivitätsanalyse und Fallbeispielen, eine Literaturstudie, eine Analyse von bestehenden Unfalldaten, einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf und Vorschläge für zukünftige Datenerhebungen. Desweiteren wird ein MS-Excel© basiertes Softwaretool für die Risikoermittlung bei Strassentunneln zur Verfügung gestellt.
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Strassenbehörden von Norwegen und der Schweiz durchgeführt. Beide haben sich bereit erklärt, der Forschungsgruppe umfangreiche Verkehrsunfall- und Tunnelgeometriedaten zur Verfügung zu stellen. Vertreter der beiden Strassenbehörden stehen als Teilnehmer von geplanten Workshops und allgemein als Ansprechpartner bereit.