Schlüsselwörter
(Deutsch)
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Verkehrsstatistik, Unfalldaten, Dunkelziffer bei Personenschäden, Unfalldaten aus dem Gesundheitswesen
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Schlüsselwörter
(Englisch)
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Accident statistics, accident data, estimated number of unreported casualties, hospital data
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Kurzbeschreibung
(Deutsch)
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Die offizielle Statistik über die Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz basiert auf den von den Polizeibehörden gemeldeten Unfällen. Sie umfasst die Unfälle mit Personenschaden (Verletzte und Getötete) auf öffentlichen Strassen oder Plätzen, in die mindestens ein Fahrzeug verwickelt ist. Jeder von der Polizei registrierte Strassenverkehrsunfall wird dem Bundesamt für Statistik gemeldet. Obwohl bei Unfällen mit Personenschäden eine Meldepflicht besteht, werden der Polizei aus verschiedenen Gründen viele Unfälle mit Verletzten nicht gemeldet. Bei den polizeilich registrierten Unfallzahlen ist deshalb mit einer erheblichen Dunkelziffer zu rechnen. Die Statistiken können aber auch bezüglich der Angaben über die Unfallschwere verzerrt sein; die Einschätzung durch die Polizei kann nicht gleichwertig sein mit einer professionellen Einschätzung. Ein weiterer Verzerrungsfaktor könnte auf der Vermutung basieren, dass es bei einer nicht geringen Anzahl von Verkehrsunfällen, die Todesopfer oder Schwerverletzte fordern, nicht um eigentliche Unfälle sondern um Suizidfälle handelt.
Damit in Zukunft die Unfälle mit Verletzten möglichst vollständig erfasst und Verzerrungen in den Statistiken möglichst vermieden werden können, sollten als Ergänzung zu den polizeilich erhobenen Daten, zusätzliche Daten über die Unfallopfer aus Spitälern, von frei praktizierenden Ärzten und von Unfallversicherungen einbezogen werden.
Die resultierende, ergänzte und bereinigte Unfallstatistik erlaubt die Planung von wirkungsvolleren Sanierungs- und Präventionsmassnahmen. Da die Datenbank jährlich aktualisiert werden soll, kann sie auch für die Überprüfung bzw. Erfolgskontrolle von realisierten Massnahmen eingesetzt werden.
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Kurzbeschreibung
(Englisch)
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The swiss federal road accident statistics is based on accidents reported by police authorities. It comprises accidents with person damages (injured or killed) on public roads and places, involving at least one vehicle. Every accident recorded by the police has to be reported to the federal office of statistics. Although every accident with damage to persons has to be reported to the police by law, for different reasons not all of them are reported. In fact, there is a substantial underreporting of road traffic casualties. In addition the statistics might be biased by the fact that the injury severities are estimated by policemen and not by professionals. Additional source of bias might be the fact that a certain part of the fatal road accidents are actually not accidents but suicides.
In order that in the future preferably all accidents with injured persons can be registered without the mentioned biases, the police reported accident data should be complemented by medical data of hospitals, medical practitioners and accident insurence agencies.
The resulting complemented and corrected accident data base would then allow the planning of more effective prevention measures. As the data base would be updated yearly, it could also be used for checking the performance of realised measures.
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Projektbeschreibung
(Deutsch)
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Ziel dieser Forschungsarbeit ist, ein Pilotprojekt zu schaffen, in dem Daten aus dem Gesundheitswesen über Verkehrsunfallopfer anonymisiert exportiert und mit den Daten der polizeilich gemeldeten Verkehrsunfälle abgeglichen werden. Dadurch soll die Dunkelziffer der Unfallstatistik und die Verzerrung der Verletzungsschwere eingeschätzt und entsprechend korrigiert werden. Im Weiteren soll der Anteil der Unfälle abgeschätzt werden, die auf suizidale Absicht zurückzuführen sind.
Das Pilotprojekt soll anhand des Beispiels der Stadt Zürich erfolgen. Es sollen also alle Strassenverkehrsunfälle mit Personenschaden, die sich in einer Zeitperiode auf stadtzürcher Gebiet ereignet haben, mit möglichst genauen Angaben zur Unfallschwere erfasst werden.
Damit diese Ziele erreicht werden können, müssen neben den polizeilich erhobenen Daten, weitere relevante Informationen aus Spitälern auf zürcher Stadtgebiet und von in der Stadt praktizierenden Hausärzten eingeholt werden. Dabei wird von der Überlegung ausgegangen, dass praktisch alle bei einem Verkehrsunfall mehr als nur geringfügig verletzte Personen entweder in einem Stadtspital oder beim eigenen Hausarzt medizinisch versorgt werden unabhängig davon, ob der Unfall polizeilich registriert wurde.
Auf welche Weise, und mit welcher Methode die polizeilichen Daten mit Daten aus dem Gesundheitswesen vereint werden sollen, wird im ersten Teil der vorgesehenen Forschungsarbeit entschieden. Dazu wird als erstes die relevante Literatur ausgewertet und die im Ausland praktizierten Methoden studiert. Beispiele für mögliche Datenzusammenführung: mit Hilfe demographischer Gemeinsamkeiten, mit Hilfe eines probabilistischen Ansatzes oder mit Hilfe von Datenelementen, die in beiden Dateien vorkommen. Im Weiteren müssen die vorhandenen Datenquellen (inklusive Spitaldaten) analysiert und allfällige Datenlücken, die zusätzlich erhoben werden müssen, aufgezeigt werden. Gleichzeitig müssen mit den Stadtspitälern und mit den Hausärzten (auf Verbandsebene) die Möglichkeiten erörtert werden, wie fehlende Daten erhoben, wie die Datenerfassung vereinheitlicht und wie die Daten anonymisiert an die Forschungsstelle weitergegeben werden könnten. Basierend auf diesen Vorarbeiten wird die am besten geeignete Methode für die Datenverknüpfung ausgewählt.
Parallel und unabhängig von diesen Abklärungen wird eine Umfrage bei der Polizei und bei Versicherungen zwecks Abschätzung der Suizidfälle durchgeführt.
Danach folgt die Phase der Datenerhebung und am Schluss die Verknüpfung der erhobenen Daten mit entsprechenden statistischen Auswertungen sowie die Ableitung von Schlussfolgerungen und Empfehlungen.
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Erwartete Erkenntnisse/ Nutzen, Nutzniesser
(Deutsch)
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Das Resultat der Forschungsarbeit ist eine Verkehrsunfallstatistik für die Stadt Zürich, in welcher die polizeilich erfassten Unfalldaten mit Daten aus dem Gesundheitswesen verknüpft sind. Dadurch kann die Dunkelziffer besser abgeschätzt werden. Zudem können auch die bisher vorhandenen Verzerrungen der Verletzungsschwere korrigiert werden. Abgeschätzt wird zudem der Anteil der Unfälle in suizidaler Absicht.
Die Forschungsarbeit soll im Weiteren am Beispiel der Stadt Zürich die notwendigen Grundlagen schaffen, um ein solches System gegebenenfalls auch in anderen Städten, Kantonen sowie gesamtschweizerisch einführen zu können.
An zuverlässigen Unfallstatistiken sind viele Personengruppen interessiert: Strassensicherheitsexperten, Verkehrsingenieure, Verkehrsökonomen, die Polizei, Forschungsgruppen, Politiker, Hersteller von Fahrzeugen, Versicherungsgesellschaften. Das Hauptziel besteht jedoch darin, die Unfallzahlen zu senken.
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Methoden
(Deutsch)
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Für die Untersuchung sind die folgenden Arbeitspakete (AP) vorgesehen:
· AP1: Literaturrecherche zum Thema Verkehrsunfallauswertung mittels Spitaldaten und Analyse der in anderen Ländern mit Erfolg eingeführten Praxis. Entsprechende ausländische Forschergruppen werden zwecks Erfahrungsaustausch kontaktiert. Ziel dieses Arbeitsschrittes ist einerseits das Studium der praktizierten Methoden und andererseits die Erstellung eines Katalogs über notwendige und erwünschte Datenmerkmale, bzw. Dateninhalte.
· AP2: Analyse der Medizinischen Statistik der Krankenhäuser (BFS) und Beurteilung der Eignung der darin enthaltenen Datenmerkmale für die Zwecke der Forschungsarbeit. Katalog über Lücken und fehlende Daten erstellen. Im Weiteren soll abgeklärt werden, ob allfällige wichtige Lücken in Zukunft geschlossen werden könnten. Abkären, welche relevanten Kenngrössen aus der Statistik abgeleitet werden können.
· AP3: Analyse der Eignung der zentralen Statistik der Unfallversicherungen (UVG-Statistik) für die Forschungsarbeit und Vergleich von Kenngrössen mit entsprechenden Kenngrössen der medizinischen Statistik der Krankenhäuser.
· AP4: Abklärungen in den Stadtzürcher Spitälern über die Möglichkeiten eines anonymisierten Datentransfers über die Verkehrsunfallpatienten und entsprechende Umfragen/Abklärungen bei privaten Hausärzten in der Stadt Zürich. Zunächst müssen jedoch die Stadtspitäler und insbesondere die Hausärzte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, welche für sie einen zusätzlichen Aufwand bedeuten würde, gewonnen werden. Das Vorgehen dazu soll mit der Begleitkommission abgestimmt werden.
· AP5: Analyse der Möglichkeiten und Auswahl der am besten geeigneten Methode für die Datenverknüpfung. Die Auswahl erfolgt aufgrund der in den Arbeitspaketen AP1-AP4 gewonnenen Erkenntnisse. In Frage kommen Methoden, die sich in einigen Ländern bereits bewährt haben und die auch in der Schweiz angewandt werden können (Beispiele für mögliche Datenzusammenführung: mit Hilfe demographischer Gemeinsamkeiten, mit Hilfe eines probabilistischen Ansatzes oder mit Hilfe von Datenelementen, die in beiden Dateien vorkommen).
· AP6: Durchführung der ausgewählten Methode und Hochrechnung.
· AP7: Schätzung des Anteils der Personen, die aus suizidaler Absicht Verkehrsunfälle verursacht haben.
· AP8: Statistische Auswertungen mit der optimierten Verkehrsunfallstatistik.
· AP9: Schlussfolgerungen, Empfehlungen und Berichterstattung
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Spezielle Geräte und Installationen
(Deutsch)
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Allgemeiner Stand der Forschung
(Deutsch)
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Eine Kombination von polizeilich erfassten Unfalldaten mit Daten aus dem Gesundheitswesen gibt es in der Schweiz nicht. Die zur Zeit laufende Untersuchung „Unfallraten und Unfallkostensätze“ im Rahmen der KNA-Grundnorm SN 641 820 basiert auf bestehenden Statistiken und ist kurz vor dem Abschluss. Aus diesem Grunde besteht kein Koordinationsbedarf.
In der europäischen Forschung ist in erster Linie das Projekt „Pan-European Co-ordinated Accident and Injury Database (PENDANT)“ zu nennen, das im Jahr 2003 gestartet wurde als Nachfolgeprojekt von STAIRS. Das Ziel von STAIRS war, polizeiliche Unfalldatensätze innerhalb der EU-Staaten zu harmonisieren. Das Ziel von PENDANT ist, die in STAIRS-Protokollen definierten Datensätze mit Spitaldaten zu ergänzen. Aufgrund dieser ergänzten Database sollen dann die Prioritäten für künftige europäische Präventionsmassnahmen identifiziert werden. Die Daten werden in acht europäischen Ländern gesammelt. Die (anonymisierten) Spitaldaten werden jeweils wenige Tage nach den Unfallereignissen gesammelt. Die Veröffentlichung des Schlussberichts steht unmittelbar bevor.
Die Niederlande haben offenbar eine bereits bewährte Praxis, die recht zuverlässige Resultate erlaubt; verwendet werden Datenelemente, die in beiden Dateien vorkommen (Unfalldatum, Unfallzeit, Geburtsdatum, Geschlecht). Auch Grossbritannien und Schweden verfügen über Systeme, die mit Erfolg praktiziert werden.
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Projektziele
(Deutsch)
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Ziel der Forschungsarbeit ist, im Rahmen eines Pilotprojektes anonymisierte Daten aus dem Gesundheitswesen über Verkehrsunfallopfer mit den Daten der polizeilich gemeldeten Unfälle abzugleichen. Dadurch sollen die folgenden Teilziele erreicht werden:
- bessere Abschätzung der Dunkelziffer in der Unfallstatistik
- bessere Einschätzung der Verletzungsschwere der bei Strassenverkehrsunfällen verletzten Personen (Korrektur der heute bestehenden Verzerrungen)
- Abschätzung des Anteils der Suizidfälle
Diese Verbesserungen der Unfallstatistik dienen in erster Linie der Planung von wirkungsvolleren Sanierungs- und Präventionsmassnahmen. Die resultierenden Daten bilden zudem die Grundlage für eine genauere Abschätzung der sozialen Unfallkosten. Das Pilotprojekt soll anhand des Beispiels der Stadt Zürich erfolgen. Dadurch sollen Grundlagen geschaffen und Erkenntnisse gewonnen werden, um ein solches Verbundsystem gegebenenfalls auch in anderen Städten und Kantonen sowie bundesweit einzuführen.
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Projektziele
(Englisch)
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The aim of the planned research project is the completion of police reported accident data with medical data of hospitals and medical practitioners.
The completion of data should enable
- a more precise estimation of the number of unreported casualties
- a more precise estimation of road accident injury severities (adjustment of existing bias)
- an estimation of the percentage of suicides
This improvements allow for the planning of more effective prevention measures. Additionally the resulting data should allow a more precise estimation of the social costs of accidents.
The pilot scheme will be carried out in the city of Zürich. The aim is to establish the basic knowledge which would make possible to adopt such a system in other cities, cantons and at federal level if necessary.
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Forschungsplan
(Deutsch)
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Für die Untersuchung sind insgesamt neun Arbeitspakete vorgesehen. Der Forschungsplan, die einzelnen Arbeitspakete und die Meilensteine können der folgenden Grafik entnommen werden:
Zugehörige Dokumente
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Umsetzung und Anwendungen
(Deutsch)
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Die geplante Forschungsarbeit ist als Pilotstudie konzipiert. Sie soll insbesondere auch zeigen, wie das Vorgehen auf andere Städte, Kantone sowie gesamtschweizerisch übertragen werden kann. Dazu gehören organisatorische Massnahmen, rechtliche Abklärungen und Überlegungen bezüglich geeigneter Erfassungs- und Aufbereitungssoftware.
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Publikationen / Ergebnisse
(Deutsch)
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Berichtsnummer
(Deutsch)
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1301
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Literatur
(Deutsch)
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Lenard L. et al
PENDANT (Pan-European Coordinated Accident and Injury Database), final report soon
Derriks H.M, Mak P.M
Underreporting of Road Traffic Casualties, 2007 The Ministry of Transport, The Nederlands
Austin K.P.
A Linked Police and Hospital Road Accident Database for Humberside, 1992, Universities of Leeds, Sheffield ¬ York
Gutoskie P.
The Availability of Hospitalised Road User Data in OECD Member Countries (2001), OECD-IRTAD
Cryer P.C et al.
Investigation of bias after data linkage of hospital admissions data to police road traffic crash reports, 2001 BMJ Publishing Group Ltd
Loo B.P.Y, Tsui K.L.t
Factors affecting the likelihood of reporting road crashes resulting in medical treatment to the police, 2007 BMJ Publishing Group Ltd
Departement for Transport
Road accident statistics in Great Britain: Levels of reporting
Transport Research Laboratory
National Hospital Study of road accident casualties (The Casualty Report, 1996)
Bull J.P, Fife D.
Road accidents statistics. A comparison of Police and hospital information. Accident Analysis and Prevention, 5(1) pp 45-53
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