Kurzbeschreibung
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Die Bedeutung der Förderung von Bewegung und Sport bei körperlich Inaktiven ist im Konzept des Bundesrates für eine Sportpolitik der Schweiz klar festgehalten worden. Die vielfältige Bedeutung von Bewegung und Sport für die Gesundheit ist eindeutig erwiesen (Herz/Kreislauf, Zucker- und Fettstoffwechsel, Knochen und Gelenke, Psyche). Bewegungsmangel ist vergleichbar schädlich wie Rauchen (um ca. 7 Jahre reduzierte Lebenserwartung; Herzinfarktrisiko 3-4 mal erhöht). Ein gutes Drittel der Schweizer Bevölkerung ist inaktiv, 1/3 bewegt sich im Sinn der Mindestempfehlungen (1/2 h pro Tag), nur 1/3 ist sportlich trainiert. Die körperliche Inaktivität nahm in den letzten 5 Jahren eher zu, ebenso die jetzt schon grossen Unterschiede nach Landesteil, Alter, Geschlecht und Einkommen. Die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist der Meinung, Bewegung sei wichtig für die Gesundheit. Sport wird auch von Inaktiven überwiegend positiv wahrgenommen. Die Vorstellungen darüber, welche Art von körperlicher Aktivität gesundheitswirksam ist, sind aber noch sehr unklar; so glaubt die Hälfte der Inaktiven, sie bewegten sich für ihre Gesundheit genug.
Die seit 1995 schrittweise von dem BASPO und seinen Partnern entwickelten Aktivitäten in der Gesundheitsförderung durch Bewegung und Sport erstrecken sich auf vier Bereiche: · Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von Interventionsmodellen mit Modellcharakter Die Erfahrungen des "Bewegten Amtes" werden inzwischen weiter genutzt. Eine Pilotstudie zur Bewegungsförderung in der Tourismusregion Heidiland wurde durchgeführt, das dort entwickelte Beratungssystem im Folgeprojekt "Vom Rat zur Tat" gekoppelt mit der Motivation über Hausärztinnen oder Hausärzte eingesetzt. Eine Wirksamkeitsstudie in der Deutschschweiz hat hier kurzfristig sehr ermutigende Resultate gezeigt, eine Nachbefragung nach einem Jahr wird auf den Frühsommer 2001 vorbereitet. Eine Anpassung und Weiterentwicklung des Projekts im Hinblick auf einen Einsatz in der Romandie hat begonnen. · Internationale Zusammenarbeit Vertretung der Schweiz im Europäischen Netzwerk für gesundheitswirksame Bewegung HEPA Europe. · "Networking" auf nationaler Ebene Der grösste Teil der in der Gesundheitsförderung durch Bewegung und Sport tätigen Organisationen sind im Netzwerk Gesundheit und Bewegung Schweiz zusammengefasst. Die Geschäftsstelle des Netzwerks wird am BASPO gemeinsam von diesem und der Schweizerischen Stiftung für Gesundheitsförderung betrieben. · Implementation und Vertiefung der Zusammenhänge von Gesundheit und Bewegung im Sport und im Gesundheitssektor Die Aufarbeitung im Sport läuft in Zusammenarbeit mit den neuen (Fachhochschule, Seniorensport) und den etablierten (Jugend+Sport) Ausbildungsstrukturen des BASPO sowie über die Sportpartner im Netzwerk. Die Vertiefung im Gesundheitssektor läuft über Publikationen und Gastreferate sowie über den jährlich am BASPO durchgeführten Weiterbildungskurs "Bewegung und Gesundheit" im Rahmen des Master-of-Public-Health-Programms der Deutschschweizer Universitäten. Gesamthaft gesehen ist es dem BASPO mit seinen Partnern (Universitätsinstitute für Sozial- und Präventivmedizin bzw. für Sport, BAG, Schweiz. Olympischer Verband, Krankenversicherungen) somit gelungen, einen weitgehenden Konsens bezüglich Grundlagen und Empfehlungen zu erreichen und einen Austausch bezüglich Plänen, Aktivitäten und Evaluationsergebnissen einzurichten. Es ist aber absehbar, dass die bisher eingeleiteten Massnahmen alleine nicht ausreichen werden, um den Bewegungsmangel von weiten Teilen der Schweizer Bevölkerung signifikant zu reduzieren. Weitere Massnahmen werden deshalb im Rahmen der Umsetzung des Konzepts des Bundesrates für eine Sportpolitik der Schweiz geprüft. Dabei ist es wichtig, dass das BASPO seine Rolle als Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung durch Bewegung und Sport, die es auch dank der sorgfältigen wissenschaftlichen Begleitforschung in diesem Bereich aufbauen konnte, weiterhin wahrnimmt.
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Projektziele
(Deutsch)
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· Entwicklung und wissenschaftliche Evaluation von Interventionsmodellen mit Modellcharakter Das Interventionsprojekt "Vom Rat zur Tat" wird in der Deutschschweiz in Bezug auf seine kurz- und langfristige Wirksamkeit hin evaluiert. Eine Anpassung auf die Romandie wird durchgeführt und das Projekt auch hier auf seine Wirksamkeit hin evaluiert. Die Entwicklung weiterer Interventionsmodelle wird geprüft und vorbereitet. · Im "Networking" auf nationaler Ebene hat die Weiterentwicklung und Intensivierung der Zusammenarbeit im Netzwerk Gesundheit und Bewegung Priorität (gegenseitige Unterstützung von Projekten, regelmässige Austauschtreffen zu spezifischen Themen, Kriterien zur Empfehlung von Projekten und Websites in Vorbereitung). Mit der Schweizerischen Stiftung für Gesundheitsförderung und anderen Partnern wird bei Umsetzungsmassnahmen auf Bevölkerungsebene zusammengearbeitet. · Das Aufarbeiten des Themas "Gesundheit und Bewegung" sowohl in den Strukturen des Sports als auch in denen des Gesundheitssystems soll konsequent weitergeführt werden. · Eine adäquate wissenschaftliche Evaluation der Aktivitäten ist Teil des Auftrages; sie soll darüber Auskunft geben, inwiefern das Ziel der positiven Beeinflussung des Bewegungs- und Sportverhaltens der Schweizer Bevölkerung auch erreicht wird.
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Abstract
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Zusammenfassende Diskussion und Ausblick
Die analysierten Grundlagen und das Pretesting der zentralen Botschaften lassen den Schluss zu, dass sich massenmedial verbreitete Kampagnen zur Gesundheitsförderung durch Bewegung und Sport optimieren lassen. Insbesondere gilt es zu berücksichtigen:
- Die Zielsetzungen müssen realistisch sein. Im Vordergrund steht die Wissensvermittlung.
- Gesundheitsförderungskampagnen sind langfristig anzulegen und wenn immer möglich mit Veranstaltungen zu koppeln.
- Die vermittelten Botschaften sollten möglichst verbindlich sein und konkrete Handlungsanleitungen enthalten.
- Die Inhalte sind zu segmentieren und die einzelnen Zielgruppen möglichst spezifisch anzusprechen.
Einige dieser Erkenntnisse wurden in der Zwischenzeit bereits umgesetzt, zum Beispiel in Form eines Kartensets, das im Rahmen der FeelYourPower-Kampagne der Stiftung 19 entwickelt wurde (siehe Anhang).
Es deutet vieles darauf hin, dass die Inaktivität in der Bevölkerung weiter zunimmt. Entsprechend gross bleibt der Handlungsbedarf im Bereich Gesundheitsförderung durch Bewegung und Sport. Die umso mehr, als die Bewegung als ein Schlüsselfaktor für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil bezeichnet werden kann: Wer sich regelmässig gesundheitswirksam bewegt, lebt auch sonst gesundheits-bewusster. Voraussetzung für ein Trendwende ist allerdings ein langfristiges und vermehrtes Engagement aller möglichen Partner in diesem Bereich. Dass Bewegung auch auf Bevölkerungsebene zum Erfolgsrezept werden kann, zeigen Erfahrungen aus Finnland und Kanada: Hier hat die Bewegungsförderung seit geraumer Zeit einen grossen Stellenwert und der Anteil Aktiver nimmt ungefähr einen Prozentpunkt pro Jahr zu.
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