Das Forschungspaket AGB1 „Sicherheit des Verkehrssystems Strasse und dessen Kunstbauten“ soll Entscheidungsgrundlagen und Methoden für den zielgerichteten und zweckmässigen Einsatz begrenzter finanzieller Mittel zur Erreichung und Erhaltung des erforderlichen Sicherheitsstandards über das ganze Verkehrssystem Strasse bereitstellen. Unterschiedliche Risiken (z.B. Verkehrssicherheit, Netzsicherheit, Tragsicherheit) sollen einheitlich und quantitativ vergleichbar beurteilt werden. Dies erfordert einerseits übergeordnete Methoden zur Beurteilung der Sicherheit, andererseits sind für die Tragsicherheit vertiefende Untersuchungen vorgesehen.
Im Rahmen des Teilprojekts 102 wurde eine Methode zur vergleichenden Risikobeurteilung für alle relevanten Sicherheitsbereiche im Strassenwesen entwickelt. Damit wird es möglich, Risiken aus Bereichen wie Naturgefahren, Störfälle oder Verkehrssicherheit miteinander zu vergleichen und Massnahmen dort vorzuschlagen, wo sie am effizientesten eingesetzt sind. Die Methodik ist generell und allgemeingültig formuliert.
Im Teilprojekt 108 soll diese Methode bei den Kunstbauten konkret umgesetzt, die Methodik bestätigt und die Basis für die Risikobeurteilung im Gesamtsystem gefestigt werden. Folgende Ziele werden angestrebt:
• Risikobeurteilung für ausgewählte typische Kunstbauten (Brücken, Tagbautunnel)
• Validierung der Methode des Teilprojekts 102 am Beispiel der Kunstbauten
Die Kunstbauten sind Teil des Verkehrssystem Strasse. In der heutigen Praxis gelten Tragwerke als sicher, wenn ihre Tragsicherheit gemäss den Anforderungen der Normen und Vorschriften nachgewiesen werden können. Es werden keine Überlegungen zu den mit einem Tragwerksversagen verbundenen Risiken und insbesondere der Konsequenzen eines Versagens gemacht. Die Anwendung der Methode des Teilprojekts 102 wird deshalb erstmals Auskunft über die verschiedenen Risiken der Kunstbauten geben können.
In der Forschungsarbeit wird die vorgeschlagene allgemeingültige Methode des Teilprojekts 102 für die Kunstbauten umgesetzt. Der Kern besteht darin aufzuzeigen, wie aus den für die Bemessung und Konstruktion relevanten Einflussgrössen und Parametern auf Wahrscheinlichkeit und Konsequenzen geschlossen werden kann. Mit praktischen Anwendungen wird die Methode plausibilisiert und aufgrund der Ergebnisse Verbesserungsvorschläge formuliert.
Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich aus Fachleuten aus Forschung, Sicherheitsberatung und Praxis zusammen. Sie kann auf eine breite Erfahrung in allen Teilgebieten der Kunstbauten sowie eine langjährige Praxis in der Anwendung von Risikoanalysen und –bewertungen in Projekten zurückblicken. Ernst Basler + Partner AG und Risk & Safety AG waren massgeblich an der Entwicklung der vergleichenden Risikobeurteilungsmethode (Teilprojekt 102) beteiligt und können so sicherstellen, dass die Methodik sinngemäss und korrekt in die Praxis umgesetzt wird.