Bislang ist noch wenig über die Zusammenhänge zwischen der zunehmend problematischen Eutergesundheit von Erstlaktierenden und dem Zeitpunkt der Infektion zwischen Geburt und Erstlaktation bekannt. Er-gebnisse verschiedener Studien deuten auf ein erhöhtes Risiko für spätere Euterinfektionen durch die Tränke erregerhaltiger Milch im frühen Lebensalter der Kälber hin, z.B. durch Besiedelung des Rachenraumes oder das gegenseitige Besaugen unmittelbar nach der Tränke insbesonders durch Staphylococcus aureus. Dabei ist die Praxis der Fütterung solcher Risikotränke durchaus verbreitet, um die Milch derart belasteter Kühe aus dem Verkehr zu ziehen.
In der vorliegenden experimentellen Studie .soll das Risiko ermittelt werden, ob und in welchem Masse Käl-ber, deren Aufzucht mit erregerhaltiger Problemmilch-Fütterung (vorwiegend Staphyloccus aureus) durchge-führt wird, eine schlechtere Eutergesundheit bereits unmittelbar nach der ersten Kalbung aufweisen, als sol-che, denen ausschliesslich unbelastete Milch gefüttert wurde.
Insgesamt werden Kälber aus 3-5 Milchviehbetrieben, welche bisher grundsätzlich die Praxis der Vertränkung von Milch euterkranker (nicht antibiotisch behandelter) Kühe betrieben, selektiert. Die neugeborenen Kälber werden auf Forschungsbetrieb des FiBL verbracht. Die Gruppe 1 wird gezielt mit erregerhaltiger, bevorzugt Staph. aureus-haltiger Milch getränkt, während die Gruppe 2 pasteurisierte Tränkemilch erhält. Die beiden Gruppen werden getrennt voneinander aufgestallt. Das anvisierte Erstkalbealter soll 30 Monate nicht übersteigen. Insgesamt werden 32 Kälber (16 je Gruppe) in die Studie aufgenommen.
Geburtsverlauf, Vitalität und Allgemeinbefinden der Kälber werden post partum erhoben. Die Qualität der Tränkemilch wird durch Doppel-Milchproben der Tränkemilch beurteilt. Gegenseitiges Besaugen und Krank-heitsfälle (Durchfälle, Atemsystemerkrankungen Nabelentzündungen und andere) werden in einem speziellen Tagebuch bis zur ersten Belegung verzeichnet. Besamungsdaten und Gewichtsschätzung mit dem Massband zur ersten Belegung werden festgehalten. Ebenso werden Krankheiten und der Verlauf des Auf-euterns in der Reproduktionsphase aufgezeichnet. Der Kalbeverlauf wird ebenso vermerkt. Unmittelbar nach dem Kalben und in der zweiten Laktationswoche werden Viertelgemelksproben zur zyto-bakteriologischen Untersuchung genommen.
Primäre abhängige Untersuchungs-Variablen sind die Krankheitsinzidenzen in den einzelnen Lebensab-schnitten bis zur ersten Kalbung, die Euterviertel-Gesundheit unmittelbar post partum (Anteil infizierter Viertel und Kühe, Zellzahl) sowie das Ergebnis der ersten Milchleistungsprüfung (Zellzahl). Im Falle signifikanter, die Hypothese stützender Resultate, kann von einem erhöhten Risiko durch die Tränke von Mastitismilch ausge-gangen werden.