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Forschungsstelle
BAFU
Projektnummer
810.05.225
Projekttitel
Konzept zur Minimierung von Wühlmausschäden

Texte zu diesem Projekt

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Schlüsselwörter
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Kurzbeschreibung
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Projektziele
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Erfasste Texte


KategorieText
Schlüsselwörter
(Deutsch)

Wühlmäusen

Giftköder

Bekämpfungsmethode

Fallenstellen

Kurzbeschreibung
(Deutsch)

In Mitteleuropa sind besonders zwei Arten von Wühlmäusen für Schäden in der Landwirtschaft verantwortlich: die Feldmaus (Microtus arvalis) und ganz besonders die Schermaus (Arvicola terrestris). Bisher werden Wühlmäuse durch das Ausbringen von Giftködern oder durch Begasen der Baue mit Motorabgasen bekämpft. Das Begasen mit einer Mischung aus Öl und Benzin kann den Boden und das Grundwasser, aber auch den Anwender gefährden. Durch Giftköder kann es zu Primärvergiftungen von Nicht-Ziel-Organismen (z.B. körnerfressende Vögel) oder zu Sekundärvergiftung natürlicher Feinde kommen. Eine weitere Bekämpfungsmethode ist die Einleitung von Wasser oder Gülle in die Baue. Die Bekämpfung mit Wasser ist in Abhängigkeit von der Topographie und der Bodenbeschaffenheit nicht überall möglich. Die Anwendung von Gülle ist ökologisch problematisch. Das Fangen von Wühlmäusen mit Fallen ist ebenfalls eine bewährte Methode. Fallenstellen ist jedoch zeitaufwendig. Eine relativ neue Bekämpfungsvariante ist der sog. Rodenator. Mit dem Gerät werden Gase (Butan und Sauerstoff) in einen Wühlmausbau eingeleitet und zur Explosion gebracht. Es scheint, dass diese Methode mit allen Vor- und Nacharbeiten ähnlich zeitaufwendig ist, wie das Fallenstellen. Durch das unspezifische Abtöten vieler Bewohner des Gangsystems könnten auch Tier- und Artenschutzprobleme auftreten. Letztendlich bedarf die Methode auch großer Sorgfalt, da sonst der Anwender selbst gefährdet ist.

1.2 Politische Würdigung

Eine giftfreie, effiziente Wühlmausbekämpfung ist höchst prioritär, denn mit grossflächiger Giftausbringung können Raubtierpopulationen massiv geschädigt werden.

1.3 Einbettung in die Strategie

Eine chemiefreie Wühlmausbekämpfung unter optimaler Nutzung von natürlichen Prozessen schont Böden, Wasser und Biodiversität und entspricht somit einer umweltfreundlichen, ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft, wie sie das BUWAL anstrebt.

1.4 Einbettung in Forschungsprogramme

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Forschung (Agroscope FAL, Reckenholz) durchgeführt.

1.5 Kurze Beschreibung der zu lösenden Fragen und der generellen Zielsetzung

Das Bekämpfungskonzept vereint die Sperrwirkung von künstlichen Strukturen (Zäune) mit der Aktivität von natürlichen Räubern. Wesentlicher Bestandteil ist eine neuartige Lebendfalle für Wühlmäuse. Diese Fallen sind so konstruiert, dass sie Mäuse fängt und festhält. Gleichzeitig können sie von Räubern wie Füchsen, Hauskatzen, Iltis und Hermelin geöffnet werden. Die leichte Jagdbeute soll vermehrt Räuber anlocken, bzw. die Aktivität der vorhandenen Räuber am Zaun erhöhen. Aufgrund natürlicher Verhaltensmuster zur Vermeidung von Raubfeinden ist anzunehmen, dass Wühlmäuse die erhöhte Präsenz von Räubern entlang des Zaunes als größeres Risiko wahrnehmen und den Zaun meiden. Das Neuartige an dem hier vorgestellten Konzeptes sind also nicht die Zäune, sondern die Fallen und das Verhalten, das sie bei Räubern und Beutetieren auslösen. Mit dem vorliegenden Projekt sollen zwei Annahmen überprüft werden: Erstens soll getestet werden, ob Zäune in Kombination mit den Fallen mehr Raubsäuger anlocken als einfache Zäune. Zweitens soll gemessen werden, ob die Aktivität von Wühlmäusen entlang eines Zaunes mit Fallen niedriger ist als entlang einfacher Zäune.

Projektziele
(Deutsch)

2.1 Formulierung des Auftrages

Es sind die folgenden zwei Hypothesen zu prüfen:

Hypothese 1

„An Zäunen mit ‚Selbstbedienungs’-Lebendfallen ist die Aktivität natürlicher Räuber höher als an Zäunen ohne zusätzliche Fallen oder an länglichen Strukturen ohne Sperrwirkung für Mäuse (‚Dummy-Zäune’).“

Räuber wie z.B. Füchse bewegen sich häufig entlang von Strukturen in der Landschaft (Linderoth 2005). Eine längliche Struktur alleine kann also schon Räuber anlocken und ihre lokale Aktivität fördern. Mit der ersten Hypothese soll überprüft werden, ob die Selbstbedienungsfallen in besonderem Masse Räuber anlocken. Um diese Hypothese anzunehmen, sollte sich ein signifikanter Unterschied in der Prädatorenaktivität zwischen den Zäunen mit Selbstbedienungsfallen und den beiden anderen Zauntypen ergeben. Alternativ dazu ist auch denkbar, dass die Zäune ohne Fallen eine ähnliche Wirkung auf Prädatoren haben, da auch dort Mäuse vom Zaun aufgehalten werden und leichter erbeutet werden können. In diesem Fall sollte sich ein signifikanter Unterschied in der Prädatorenaktivität entlang beider Mäusezauntypen einerseits und den ‚Dummy-Zäunen’ andererseits zeigen. Eine weitere Alternative ist, dass jede längliche Struktur, auch wenn sie kein Hindernis für Mäuse darstellt, Prädatoren gleichermaßen anlockt oder dass jede Struktur völlig ohne Wirkung auf die Prädatorenaktivität ist. In beiden Fällen sollte sich kein signifikanter Unterschied in der Prädatorenakitivität zwischen den drei Zauntypen finden lassen.

Hypothese 2

„An Zäunen mit ‚Selbstbedienungs’-Lebendfallen ist die Aktivität (ober- und unterirdisch) von Wühlmäusen geringer als an Zäunen ohne zusätzliche Fallen oder an länglichen Strukturen ohne Sperrwirkung für Mäuse (‚Dummy-Zäune’).“

Die zweite Hypothese wird unter der Annahme aufgestellt, dass Zäune bzw. längliche Strukturen in der Landschaft von Prädatoren als Leitlinien für Streifzüge benutzt werden. Dadurch ist die Gefahr für ein Beutetier nahe einer solchen Struktur (z.B. Zaun) auf einen Prädator zu treffen grösser als in der übrigen Landschaft. Mäuse sollten den Zaun daher meiden oder ihre Aktivität einschränken. Eine Reduzierung der Aktivität bei Wühlmäusen als Antwort auf erhöhtes Prädationsrisiko konnte von Norrdahl und Korpimäki (1998) und von Fuelling (2001) gezeigt werden. Unabhängig davon, ob die Mäuse den Zaun meiden oder in seiner Nähe nur vorsichtiger sind, sollte die messbare Aktivität von Mäusen am Zaun abnehmen. Wenn die Zäune mit Selbstbedienungsfallen Prädatoren besonders anlocken und Wühlmäuse auf diese grössere Gefahr reagieren, sollte entlang der Zäune mit Fallen die geringste Aktivität gemessen werden. In diesem Fall ist der Mäusedruck auf einen solchen Zaun geringer. Findet sich kein Unterschied zwischen den Zäunen mit und ohne Fallen und den ‚Dummy-Zäunen’, deutet das darauf hin, dass Mäuse keinen Unterschied im Prädationsrisiko wahrnehmen oder dass sie schon auf das geringste Risiko ihre Aktivität maximal verringern. Um diese Fragen abschliessend zu beantworten, muss zunächst die erste Hypothese überprüft werden und die Daten zur Mäuseaktivität ausgewertet werden.

2.2 Erwartete Ergebnisse

Die Klärung der beiden Hypothesen wird erlauben, gezielt ein optimales System zur naturnahen, chemiefreien und effizienten Wühlmausbekämpfung zu entwickeln.

2.3 Umsetzung (Publikationen, Beratungen)

Das im Rahmen dieses Projektes erarbeitete Konzept zur Kontrolle von Wühlmäusen wird in enger Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen und umsetzungsorientierten Institutionen erarbeitet bzw. diesen vorgestellt. Hierzu dienen Vorträge und Demonstrationen, aber auch Publikationen in der regionalen und nationalen Presse. Publikationen in der internationalen Fachpresse und Vorträge bzw. Poster auf nationalen bzw. internationalen Tagungen werden ebenfalls dazu führen, dass die Ergebnisse dieses Projektes bekannt werden und umgesetzt werden können.