Schlüsselwörter
(Deutsch)
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Brucella suis, Diagnostik, Epidemiologie, Hausschwein, Mycoplasma hyopneumoniae, PRRS, Risikofaktoren, Krankheitsübertragung, Sus scrofa, Wildschwein.
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Schlüsselwörter
(Englisch)
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Brucella suis, diagnostic, disease transmission, epidemiology, domestic pig, Mycoplasma hyopneumoniae, PRRS, risk factor, Sus scrofa, wild boar
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Kurzbeschreibung
(Deutsch)
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In den letzten 20 Jahren wurden in verschiedenen Ländern Europas inklusiv Schweiz hohe Prävalenzen für Brucella suis in Wildschweinpopulationen nachgewiesen. Laufende Untersuchungen deuten darauf hin, dass Mycoplasma hyopneumoniae, der Erreger der Enzootischen Pneumonie, bei den Schweizer Wildschweinen weit verbreitet ist. Auch für das Virus des Porcines Reproduktives und Respiratorisches Syndroms (PRRS) könnten die Wildschweine ein Reservoir darstellen. Wegen der zunehmenden Tendenz zur Freilandhaltung von Hausschweinen ist ein erhöhtes Risiko einer Krankheitsübertragung durch Kontakte zwischen Wild- und Hausschweinen zu erwarten. Das Risiko wird durch die starke Populationszunahme der Wildschweine noch verstärkt: Damit ist eine Ausbreitung der Wildschweinpopulationen zu erwarten, inklusiv in jene Region, in der Schweinebetriebe lokalisiert sind.
Um Abschätzen zu können, wie gross das Risiko einer Ansteckung von Weideschweinen durch Wildschweine ist, sollten im vorgeschlagenen Projekt folgende drei Punkte, die direkt das Risiko beeinflussen, abgeklärt werden: (a) Durch die Dokumentation von direkten und indirekten Kontakten zwischen Wild- und Hausschweinen sollen Faktoren, die solche Kontakte beeinflussen, identifiziert werden. (b) Durch die Überwachung von Wildtierkorridoren sowie die Registrierung von Beobachtungen lebender/verunfallter Wildschweine auf der Autobahn soll das Wanderverhalten der Wildschweine eingeschätzt werden - insbesondere die Frage, ob der zunehmende Populationsdruck die Tiere dazu führt, geographische Barrieren wie die Autobahn zu überwinden und neue Gebiete zu kolonisieren, und dadurch zur Streuung Krankheitserreger beizutragen. (c) Durch die Anwendung neuer diagnostischer Methoden sollen zuverlässige Daten zur Prävalenz der Schweinebrucellose bei allen empfänglichen Tierarten, insb. Wildschweinen, sowie erste Daten zum Vorkommen des PRRS-Virus bei Wildschweinen gewonnen werden. Ein Pilotprojekt zum Vorkommen der EP bei Wildschweinen ist schon am Institut Galli-Valerio in Lausanne im Gange.
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Projektziele
(Deutsch)
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Um abschätzen zu können, wie gross das Risiko einer Ansteckung von Weideschweinen durch Wildschweine ist, müssen folgende drei Punkte, die direkt das Risko beeinflussen, abgeklärt werden:
(1) Faktoren, die Kontakte zwischen Wild- und Hausschweinen beeinflussen. Durch die Dokumentation von direkten und indirekten Kontakten (Umstände, Geschlecht und Alter der involvierten Tiere, Betriebsart, Jahreszeit, usw.) zwischen Wild- und Hausschweinen sollen Faktoren, die solche Kontakte beeinflussen, identifiziert werden.
(2) Wanderverhalten der Wildschweine. Durch die Überwachung von Grünbrücken bzw. Unterführungen sowie die Registrierung von Beobachtungen lebender/verunfallter Wildschweine auf der Autobahn soll das Wanderverhalten der Wildschweine eingeschätzt werden - insbesondere die Frage, ob der zunehmende Populationsdruck die Tiere dazu führt, geographische Barrieren (insb. die Autobahn) zu überwinden und neue Gebiete zu kolonisieren, und dadurch zur Streuung der Brucellose beizutragen.
(3) Prävalenz ausgewählter Krankheitserreger in der Wildschweinpopulation: Schweinebrucellose, PRRS. Durch die Anwendung neuer diagnostischer Methoden (PCR) und einer nach epidemiologischen Kriterien geplanten Probensammlung in einem ausgewählten Brucellose-Risikogebiet sollen zuverlässige Daten zur Prävalenz von B. suis bei allen empfänglichen Tierarten gewonnen werden. Zudem sollen erste Daten zum Vorkommen vom PRRS-Virus bei Wildschweinen gesammelt werden.
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Umsetzung und Anwendungen
(Deutsch)
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Die Dokumentation der Seuchenfreiheit ist für die Schweiz von zentraler Bedeutung, um eine gesunde und tragfähige Tierzucht zu garantieren, sowie um Handelsbeziehungen innerhalb und ausserhalb der EU zu erhalten bzw. zu erweitern. Während der Nachweis der Seuchenfreiheit bisher auf Haustiere beschränkt war, werden nun vermehrt auch die Wildtierpopulationen empfänglicher Arten in die Bewertung des Seuchensta-tus einbezogen (u.a. OIE Empfehlungen). Eine zunehmende Bedeutung erhalten die Krankheiten der Wild-tierpopulationen auch durch die Tendenz zur Extensivierung und der Verbreitung tierfreundlicher Haltungs-systeme in der Landwirtschaft und der damit verbundenen Zunahme von Kontaktmöglichkeiten zwischen Wild- und Haustieren.
Der vorliegende Antrag ist auf die Identifizierung von Risikofaktoren für die Übertragung von Krankheiten von Wildschweinpopulationen auf Hausschweine fokussiert. Dazu gehören:
- Eine erste Einschätzung (a) der geographischen Ausbreitung der Brucellose durch Wanderung der Wild-schweine und (b) der Risikofaktoren, die Kontakte - und damit eine Erregerübertragung - zwischen Wild- und Hausschweinen begünstigen.
- Eine bessere Erfassung der Prävalenz der Brucellose in der Wildschweinpopulationen in einem ausge-wählten Untersuchungsgebiet. Während die bisher genutzten serologischen Methoden fehlerbehaftet wa-ren, dürfte die im Rahmen eines BVET-Projektes neu entwickelte PCR-Methode zuverlässigere Aussa-gen ermöglichen.
- Die Sammlung erster Daten zum Vorkommen der PRRS im selben Gebiet. (Ein Pilotprojekt zum Vor-kommen der EP bei Wildschweinen ist schon am Institut Galli-Valerio in Lausanne im Gange).
Sollte diese Abschätzung ein substanzielles Risiko einer Übertragung der Krankheit von Wild- auf Haus-schweinen anzeigen, wären dann teure und aufwändigere Untersuchungen (Fang und Markierung von Wild-schweinen, Video-Überwachung von Risiko-Schweinebetrieben) zur definitiven Abklärung gerechtfertigt.
Die Identifikation von Risikofaktoren für Kontakte zwischen Haus- und Wildschweinen wird dazu beitragen, geeignete Massnahmen für den Schutz der Schweinebetriebe in Risikogebieten zu treffen, resp. zum Management der Wildschweinpopulationen. Zudem ermöglicht das Projekt dem Referenzlabor (ZOBA) die weitere Verbesserung der Diagnostik der Schweinebrucellose bei Wild- und Hausschweinen für den Erregernachweis (Kultur, Identifikation, PCR) sowie für den Antikörpernachweis im Serum (Anwendung mehrerer Testmethoden).
UMS 2011:
Umsetzung: Die Resultate sind eingeflossen in die Tiergesundheitsstrategie 2010+, es wurden Empfehlungen formuliert in Zusammenhang mit der Biosicherheit. Zu diesem Thema wird auch am VPHI unter Gerti ein Projekt aufgezogen. Anregung von Seiten Frau Ryser: die Jagdverwaltungen nehmen die Daten sehr uneinheitlich auf. Die Zentralisierung der Wildtierüberwachung nahm in den letzten Jahren ab. Da die Krankheiten in der Wildtierpopulation ständig zunehmen, starten einzelne Kantone selbst Überwachungen, Koordination fehlt.Auftrag an die ständige Kommission Tiergesundheit: BVET muss sich dem Thema annehmen.Auftrag an WissM: die Wildschweinpopulation als Thema beim Treffen BVET – BAFU – FIWI einbringen. Ein Seuchenüberwachungsprogramm Wildtier sollte diskutiert werden. Koordination muss verbessert werden. Auftrag KOM: Sensibilisierung der Freilandschweinehalter.
Status: erledigt. (mvo)
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Publikationen / Ergebnisse
(Deutsch)
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Datenblatt 1.07.19
Wu, N., Abril C., Hinic V., Brodard I., Thomann A., Overesch G., Grosclaude E., Boujon P., Ryser-Degiorgis M.-P. 2009. Verlust der Seuchenfreiheit bezüglich Schweinebrucellose: Wildschweine im Visier. Abstract book der Jahreskonferenz BVET Monitoring und VPHI, Tierspital Bern, 26. November 2009 (Vortrag).
Dazu 13 weitere Vorträge (BEA Expo, Tag der offenen Tür des Tierspitals Bern, Informationsveranstaltungen für Jäger, Wildhüter-Kurs, Seminare für Tierärzte, und Beiträge an wiss. Konferenzen ohne Proceedings.
Zugehörige Dokumente
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Publikationen / Ergebnisse
(Englisch)
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Wu, N. 2011. Assessment of the risk of pathogen spill-over from free-ranging wild boar to outdoor pigs in Switzerland. Dissertation, Vetsuisse Faculty, University of Bern.
Abril C., Thomann A., Brodard I., Wu N., Ryser- Degiorgis M.-P., Frey J., Overesch G. 2011. A novel isolation method of Brucella species and molecular tracking of Brucella suis biovar 2 in domestic and wild animals. Vet. Microbiol. In press. doi:10.1016/j.vetmic.2011.02.056.
Wu N., Abril, C., Hinic V., Brodard I., Thür B., Fattebert J., Hüssy D., Ryser-Degiorgis M.-P. Free-ranging wild boar: a threat to disease freedom in domestic pigs in Switzerland? Submitted (J. Wildl. Dis.).
Wu et al. Risk factors for contacts between wild boar and outdoor pigs in Switzerland and investigations on potential Brucella suis spill-over. BMC Veterinary Research 2012 8:116.
Wu N., Abril C., Hinic V., Brodard I., Hüssy D., Fattebert J., Röösli S., Boujon P., Ryser-Degiorgis M.-P. 2010. Risk assessment for pathogen transmission from wild boar to outdoor pigs in Switzerland. Proc. 9th Int. Conf. E.W.D.A., Sept. 13-16, 2010, Vlieland, NL, p. 33. (Preis für den besten Studentenvortrag).
Zugehörige Dokumente
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