Zusammenfassung
Der Mikrofinanzsektor in Bolivien hat ab 1980 wichtige positive Entwicklungen durchgemacht und eine erstaunliche Reife und Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Allerdings wurden diese positiven Entwicklungen durch die seit 1998 anhaltende Wirtschaftskrise wieder gebremst. Bolivien ist mit einem Pro-Kopf-Einkommen von USD 960 nach wie vor das ärmste Land Südamerikas und in 65% der Gemeinden im ländlichen Raum besteht weiterhin kein Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen. Ungenügende Kommunikationsmittel, die stark verstreut lebende Bevölkerung und das hohe Risiko bei der Finanzierung landwirtschaftlicher Aktivitäten führen zu hohen operationellen Kosten bei den Finanzinstitutionen und erschweren die geografische Ausdehnung und die Diversifizierung ihrer Dienstleistungen. Herausforderungen im Sektor sind in erster Linie die Diversifizierung der Finanzdienstleistungen, v.a. durch die Entwicklung angepasster Instrumente für die Akteure der Wertschöpfungsketten, aber auch die Stärkung des Managements, der Effizienz und Nachhaltigkeit der Finanzinstitutionen.
In diesen Bereichen setzt PROFIN an, mit dem Ziel: „innovative neue Finanzinstrumente zu entwickeln und die Entwicklung und Anpassung von Normen zu fördern, um den Zugang zu diversifizierten, angepassten Finanzdienstleistungen zu verbessern, in erster Linie für die Akteure der Produktionsketten, vor allem die Primärproduzenten des ländlichen Raums. PROFIN arbeitet dazu mit finanziell nachhaltigen und sozial verantwortungsbewussten Finanzinstitutionen zusammen.“
PROFIN hat in den vergangenen Jahren ein Profil als innovatives, flexibles Team, spezialisiert auf Finanzinnovationen erlangt. Die im Juni 2005 durchgeführte Phasenrevision bestätigte diese Anerkennung im Mikrofinanzsektor, empfahl aber auch eine Konzentration der Aktivitäten durch die Anwendung klarerer Kriterien zur Auswahl neuer Instrumente und besonders zur Auswahl der Partnerinstitutionen, welche durch Ausbildung, Beratung oder Ausrüstung institutionell gestärkt werden. Ausserdem wurde empfohlen, das Monitoringsystem auszubauen, um auch Auswirkungen (outcomes) der Interventionen zu erfassen.
Im Laufe des 2005 hat PROFIN das Interesse der dänischen Kooperation, DANIDA, geweckt, deren Ziele in dieser Thematik mit den Zielen der DEZA übereinstimmen. Die vierte Phase wird somit von der DEZA und DANIDA kofinanziert, was PROFIN eine breitere institutionelle Abstützung verschafft und eine Ausweitung der Aktivitäten ermöglicht: Mit den zusätzlichen Mitteln von Seiten DANIDA wird – zusätzlich zu den bisherigen drei Aktionslinien - eine vierte Linie eröffnet, welche die Anwendung neuer Instrumente und Mechanismen in Pilotaktionen ermöglicht und welche die Entwicklung neuer Instrumente (Linie 1) in idealer Weise ergänzt.
Neben DANIDA haben auch verschiedene andere Geberagenturen Interesse an einer Zusammenarbeit mit PROFIN gezeigt. Infolge dieser positiven Signale ist in der PROFIN-Equipe der Entschluss gereift, das Entwicklungsprogramm in eine gemeinnützige Stiftung umzuwandeln. Bereits im Laufe von 2006 wird PROFIN voraussichtlich eine eigene Rechtspersönlichkeit erlangen, was die Ausführung von Mandaten anderer Finanzgeber ermöglicht. Die DEZA wird keine Verantwortung für die institutionelle oder finanzielle Nachhaltigkeit dieser künftigen Stiftung übernehmen, sondern wird – gemeinsam mit DANIDA – einen Mandatsvertrag der Stiftung PROFIN abschliessen.
Der DEZA-Beitrag für die vierte Phase beträgt CHF 2’650’000, was ca. 53% der Gesamtkosten entspricht, der Beitrag der dänischen Zusammenarbeit USD 1’790’000. Gemäss PPP 2004 – 2008 handelt es sich bei der vorliegenden Phase um die Abschlussphase. Der endgültige Entscheid über den Ausstieg oder eine allfällige kürzere Konsolidierungsphase von 1,5 Jahren, soll auf Grund der gemeinsam mit DANIDA durchgeführten Phasenrevision Mitte 2008 und der Definition der neuen Kooperationsstrategie getroffen werden.