Das Projekt ermöglicht, die Resistenzsituation in Bakterien von Schweizer Schlachtkälbern abzuschätzen und Risikofaktoren in der Haltung für schlechte Resistenzlage zu bestimmen. Kälber sind als Hochrisikogruppe für Antibiotikaresistenzen anzusehen. Die Bestossung mit Mastkälbern aus einer Vielzahl von Betrieben fördert das Auftreten von Infektionskrankheiten, was häufig eine antibiotische Behandlung zur Folge hat. Weiter ist es gängige Praxis, antibiotikahaltige Milch, die nach der Behandlung von Kühen mit Mastitiden und anderen Infektionskrankheiten anfällt und nicht in den Konsum gelangen darf, an Kälber zu verfüttern. Analog zu den Hygienevorschriften der Europäischen Union wird im Projekt die Resistenzlage der Zoonoseerreger Campylobacter spp. und der Indikatorkeime E. coli und Enterococcus spp. untersucht. Entgegen den Richtlinien der EU werden Salmonella spp. nicht in die Untersuchungen miteinbezogen, da von einer sehr tiefen Prävalenz für diesen Zoonoseerreger ausgegangen wird.
Im Schlachthof werden Kotproben von rund 500 gesunden Schlachtkälbern aus 100 Herkunftsbetrieben entnommen. Angaben zur Herkunft, zum Alter, zur Rasse und zum Geschlecht der Tiere werden am Schlachthof erfasst. Mittels eines telefonischen Interviews mit den Mästern werden weitere Daten wie Grösse und Zusammenstellung der Mastgruppen, Art des Aufstallungssystems und Angaben zu antibiotischen Behandlungen erfasst. Die Kotproben werden am Zentrum für Zoonosen, bakterielle Tierkrankheiten und Antibiotikaresistenz (ZOBA) auf Campylobacter spp., Enterococcus spp. und E. coli untersucht. Isolierte Stämme werden mittels der Methode der Bouillon-Mikrodilution auf ihre Resistenz gegen wichtige Antibiotika aus Veterinär- und Humanmedizin untersucht.
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse zur Resistenzsituation bei Kälbern werden in den Aufbau eines nationalen Resistenzmonitorings für Nutztiere einbezogen und bilden die Grundlage für risikobasierte Überwachungsprogramme. Die Offenlegung von haltungsbedingten Risikofaktoren für erhöhte Resistenzen liefert die notwendige Basis für Interventionen, die einen umsichtigen Einsatz von Antibiotika zum Ziel haben. Weiter sind die gewonnenen Resultate erforderlich, um die Äquivalenz mit den Hygienevorschriften der EU herstellen zu können.